25. September 2009
Wirtschaftskrise kommt in Kliniken an
Evangelische Krankenhäuer diskutieren über Folgen der Finanzkrise
Christian Böllhoff, Geschäftsführender Gesellschafter der Prognos AG sprach in einem Vortag über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf das Gesundheitswesen. Die Wirtschaftsberatungsgesellschaft Prognos AG versucht mittels neutraler Analysen, fundierter Prognosen und kritischer Bewertungen, mögliche Zukunftsoptionen zu erkennen und zu bewerten. In ihren Prognosen geht sie davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt in 2009 um 4,2 Milliarden Euro zurückgeht. Für das Jahr 2009 wird eine Arbeitslosenquote von neun Prozent und für 2010 von 10,8 Prozent vorhergesagt.
Mehrwertsteuererhöhung
Der Konjunktureinbruch werde zu einem deutlichen Anstieg der Sozialleistungen führen. Hohe Verluste am Kapitalmarkt führten dazu, dass die privaten Mittel, die in Gesundheitsleistungen investiert werden können, ebenfalls geringer werden. Andererseits gelte die Gesundheitswirtschaft als relativ sicherer Anlagemarkt. Zur Haushaltskonsolidierung geht für die Prognos AG kein Weg an einer Mehrwertsteuererhöhung vorbei. Realistisch sei ein Satz von 23 Prozent, so Böllhoff.
Sparkurs der öffentlichen Hand
Die erheblichen Defizite in den öffentlichen Haushalten zwingen zum Sparkurs. Eine Folge werde sein, dass der Staat sich defensiv in der Förderung von Gesundheitsausgaben verhält. Zusatzbeiträge in der Gesetzlichen Krankenversicherung würden unvermeidbar. Selektivverträge seien zukünftig sehr wahrscheinlich. Auf der Landesebene dürfte bei einem Investitionsstau von 30 – 50 Milliarden Euro die Investitionskostenförderung noch weiter reduziert werden. Die Kommunen würden die Defizite ihrer Kliniken noch weniger als bisher ausgleichen können, was die weitere Privatisierung kommunaler Krankenhäuser zur Folge haben werde.
Superintendent aus Düsseldorf in den Vorstand gewählt
Superintendent Ulrich Lilie verstärkt den Vorstand des Krankenhausverbandes RWL. Seit 1993 ist Ulrich Lilie Pfarrer an der Friedenskirche in Düsseldorf. Er hat Erfahrungen als Krankenhausseelsorger und in der Hospizarbeit. Lilie sitzt im Kuratorium der Diakonie in Düsseldorf. Seit Mitte 2007 ist er Superintendent des Kirchenkreises Düsseldorf.
Kein Denkverbot für kirchliche Häuser
Laut Prognos AG ist eine Produktivitätssteigerung in deutschen Krankenhäusern kaum mehr möglich, da sie im internationalen Vergleich bereits besonders kostengünstig seien. Dies zeige sich sowohl in Relation der Anzahl behandelter Fälle zu den Beschäftigtenzahlen als auch in Relation zur Anzahl der Betten. Die freigemeinnützigen Kliniken seien prinzipiell gut gerüstet. Ein Drittel der Krankenhausbetten in Deutschland stehen in kirchlichen Krankenhäusern. Um deren Bonität und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, regt Böllhoff an, das Denkverbot „privates Kapital für kirchliche Kliniken“ zu lockern.
Die unbekannten Stars im Gesundheitswesen
Die Kliniken in kirchlicher Trägerschaft sollten offensiv und öffentlichkeitswirksam gegenüber Patienten (Wertedebatte), Kapitalgebern und Politikern darstellen, was sie leisten. Sie seien Konvergenzgewinner, produktiv, kostengünstig, und die Ausfallwahrscheinlichkeit gewährter Darlehen sei bei ihnen gering. Im Oktober werde die Studie „Kirchliche Krankenhäuser – die hidden-champions im Gesundheitswesen“ erscheinen. Chancen für die freigemeinnützigen Krankenhäuser, ihre gute Ausgangsposition zu sichern, sieht Böllhoff darin, dass sie ihre hohe Produktivität beibehalten, (kirchliche) Fremdkapitalquellen nutzen, Verbundstrukturen stärken und die Nachfrage durch angepasste Versorgungsangebote – insbesondere beim Übergang vom stationären in den ambulanten Sektor – weiter entwickeln.