6. März 2009
Wer hilft der Jugendhilfe?
Fachkongress der Diakonie am Niederrhein
Stephan Kiepe-Fahrenholz, Leiter des Diakonischen Werkes Duisburg, brachte in seinem Schlusswort auf den Punkt, was in verschiedenen Statements und Vorträgen auf der Veranstaltung mehrfach gesagt worden war: „Die Jugendhilfe muss davon wegkommen, sich ausschließlich zwischen Prävention und Reparaturarbeiten zu bewegen. Wir müssen uns mehr als bisher auch politisch zu Wort melden. Wir müssen unseren Auftrag erfüllen, im sozialen und gesellschaftlichen Raum politisch mitzugestalten."
Von Viersen bis Emmerich
Der erste Fachkongress des Arbeitskreises Diakonie am Niederrhein verlief spannend und kontrovers. Sechs Diakonische Werke, deren Einzugsbereich von Viersen und Duisburg bis Emmerich reicht, schlossen sich im vergangenen Jahr zu einem Arbeitskreis zusammen und hatten zur Diskussionsveranstaltung in das Christophoruswerk in Duisburg-Meiderich eingeladen. Etwa 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren zusammengekommen. So hörten sie ein Grußwort des Superintendenten des evangelischen Kirchenkreises Duisburg, Armin Schneider. Er sah die beiden großen Kirchen durch ihr Gemeindenetz ganz nahe an den Problemen der Leute vor Ort. Nach wie vor seien sie auf dem Gebiet der Kindertageseinrichtungen die größten Anbieter. Diakonie und Jugendhilfe verstünden sich als Partner der Kommune, allerdings als kritische Partner mit Einmischfunktion.
Nicht ängstlich auf ihre Entgelte starren
Psychotherapeut und Supervisor Sergio Chow nahm den Faden gleich auf: „Jugendhilfe ist nicht Partner der Kommune, sondern ein wesentlicher Teil von ihr", so Chow. Als Teil der Kommunen hätten die Dienste ihre Pflicht zur Einmischung bei der Agenda 2010 und der Einführung von Hartz IV nicht genügend wahrgenommen. Chow beklagte die Trennung von Jugendhilfe und Gesundheitsfürsorge und forderte ein System mit besseren Übergängen. Diakonische Dienste sollten nicht ängstlich auf ihre Entgelte starren, sondern mit Pioniergeist in der bestehenden Zeitenwende neue Lebenswelten für Jugendliche gestalten.
Kritik an Anreizsysteme
Frank Plaßmeyer, Betriebswirt und Manager, stellte fest, dass es keinen Einbruch in der Belegung der Plätze bei diakonischen Einrichtungen gegeben habe. Plaßmeyer kritisierte sogenannte wirkungsorientierte Anreizsysteme. „Wenn man von den 100% Fallpauschale 20% einbehält, um sie bei Erfolg der Maßnahme auszuzahlen, dann ist das keine Belohnung, sondern ein vorweggenommener Misstrauensabschlag".
Wir sind alle ärmer geworden
Mit steilen Thesen zog der Beigeordnete für Familie Bildung und Kultur der Stadt Duisburg, Karl Janssen die Aufmerksamkeit auf seinen Beitrag. „Wir sind alle ärmer geworden", sagte er und fügte hinzu: „Der Jugendhilfeausschuss will über alle Parteigrenzen hinweg, dass die Elternbeiträge für die KiTa-Plätze ganz wegfallen". Unter dem Stichwort Outsourcing machte er sich stark für die freien Träger: „Wir brauchen keine städtischen Kindergärten". Janssen karikierte die Ratspläne, Duisburg bis 2027 zur familienfreundlichsten Stadt Deutschlands zu machen. „Soll das bedeuten, dass wir dann schon vorgeburtliche Ganztagesbetreuung anbieten?" Im Rat der Stadt habe es zu seiner Verwunderung im Bezug auf die konkreten Ziele des Projektes 2027 keine einzige Wortmeldung gegeben.
Text: Sabine Merkelt-Rahm
Beteiligte Diakonische Werke
- Diakonische Werk des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg
- www.diakonie-duisburg.de
- Diakoniewerk Duisburg
- www.diakoniewerk-duisburg.org
- Diakonisches Werkes Kirchenkreis Moers
- www.diakonie-moers.de
- Diakonischen Werkes des Kirchenkreises Wesel
- www.diakonie-wesel.de
- Diakonie Krefeld & Viersen
- www.diakonie-krefeld-viersen.de
- Diakonisches Werk Kirchenkreis Dinslaken
- www.kirchenkreis-dinslaken.de
- Diakonie im Kichenkreis Kleve
- www.diakonie-kkkleve.de
- Christopherunswerk Duisburg
- www.cwdu.de