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Archiv 2009

1. Februar 2009

Um Go!ttes Willen

Ehrenamt: Erfolgreich im Netzwerk

Logo der Tagung: eine offene Hand

Ehrenamtliches Engagement wird besonders wirksam in offenen Netzwerken, an denen sich eine Vielfalt von Akteuren mit unterschiedlichem Hintergrund beteiligt. Dieser Ansatz zog sich als roter Faden durch Vorträge, Foren und Workshops auf einer zweitägigen ökumenischen Tagung zum ehrenamtlichen Engagement in Kirche, Verbänden und Gesellschaft, die am 31. Januar zu Ende ging. Veranstalter waren die Evangelischen Kirche in Deutschland und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken in Kooperation mit dem Deutschen Caritasverband und dem Diakonischen Werk der EKD.

In einer Eröffnungsrede wies Petra Bosse-Huber, Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, auf die steigende Engagementbereitschaft hin. Immer mehr Menschen seien bereit, Verantwortung für unser Zusammenleben zu übernehmen. Sie suchen Institutionen, die ihrerseits bereit seien, sich durch die Mitwirkung neuer Ehrenamtlicher selbst zu ändern und die unterschiedlichen Motivationen zum Ehrenamt wertzuschätzen. "Menschen engagieren sich, weil sie Spaß dabei haben und andere Menschen kennenlernen können. Im Ehrenamt können sie Fähigkeiten einbringen, sie können etwas lernen und Qualifikationen erwerben," so die Vizepräses in ihrer Rede. Anzuerkennen sei auch, wenn Menschen sich nur projektgebunden engagieren wollen.

Symbol der Vielfalt: Bunt gekacheltes Kirchenfenster

"Vielfalt zulassen - Ehrenamtliche mit neuen Ideen und aus neuen Milieus gewinnen": So lautete eine Botschaft in mehreren Referaten und Foren. Das Bild zeigt einen Ausschnitt des "Gerhard-Richter-Fensters" im Kölner Dom.

"Hövi-Land": Beispiel für geglückte Vernetzung

In mehreren Präsentationen wurden gute Modelle für Öffnung und Vernetzung freiwilligen Engagements vorgestellt. Ein Beispiel ist das "Hövi-Land", eine ökumenische Familienwerkstatt und eine große Ferienspielaktion in zwei Kölner Stadtteilen mit besonderen sozialen Problemen. Allein an der Ferienspielaktion beteiligen sich jedes Jahr 500 Kinder und rund 100 Ehrenamtliche. Das Hövi-Land ist Teil einer sozialen Landschaft, die in lebendiger Vernetzung vieler Beteiligter entstanden ist. Peter Enderle, Pfarrgemeinderat aus einer beteiligten Gemeinde: "Wichtig für den Erfolg ist die vielschichtige Vernetzung der beiden Kirchen mit zahlreichen Partnern, die guten Willens sind, auch wenn diese sich den Kirchen nicht näher verbunden fühlen." Die Kooperation im Netzwerk sei auch die Grundlage für die große Resonanz der Aktivitäten in den Medien.

Herzenswünsche suchen

Eine zweite zentrale Botschaft aus vielen Vorträgen und Diskussionen fasste Klaus-Dieter Kottnik, Präsident des Diakonischen Werkes der EKD, in seinem Beitrag so zusammen: "Es ist wichtig, dass wir offen sind für die Begabungen und Ideen, die Menschen mitbringen, dass wir nicht von vornherein sagen, das und das bieten wir als ehrenamtliche Betätigung an, sondern: Du kannst dich einbringen mit dem, was du mitbringst.".
Die Forderung nach einem absichtslosen Interesse an jedem Einzelnen, der sich engagieren möchte, war auch der Kern eines Impulsreferates von Frau Dr. Hadwig Müller vom Missionswissenschaftlichen Institut Missio. Absichtsloses Interesse bedeute vor allem, Engagierte nicht als Funktionsträger zu sehen, sondern sich dafür zu interessieren, was sie "als Mensch bewegt", welche Wünsche sie haben oder ob sie ein Versprechen für sich sehen.

"Wir müssen die Herzenswünsche Freiwilliger suchen" - so formulierte Karin Nell vom Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Nordrhein in einer anderen Veranstaltung auf der Tagung diesen Ansatz.
Dass christliche Kirchen und Verbände hierfür ein besonderes Umfeld bieten können oder könnten, betonte Oberkirchenrätin Cornelia Coenen-Marx, eine der Initiatorinnen der Tagung: "Wo Alltag und Spiritualität, Begegnung und Lebenstiefe, Horizonterweiterung und Konkretion zusammenkommen, wo immer das gelingt, geschieht etwas besonderes, das im Kontext von christlichem Engagement erlebt werden kann."

Freiwilliges Engagement als Chefsache

Zur Weiterentwicklung förderlicher Strukturen für das Ehrenamt in der Diakonie äußerte sich in derselben Diskussion Klaus-Dieter Kottnik mit deutlichen Worten: "Hierfür ist es notwendig, dass wir in der Diakonie sagen: 'Das ist Chefsache!' Wir müssen von der Leitung her offen sein für die Vielfalt der Menschen im Hauptamt und Ehrenamt. Wir sind eine Gemeinschaft von Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen."

"Christinnen und Christen im Ehrenamt sind starke Akteure in Politik, Kultur und Wirtschaft, wenn sie sich auf den unterschiedlichen Ebenen vernetzen und ihre gemeinsamen Interessen vertreten. … Die Zusammenarbeit ist orientiert an gemeinsamen Zielen und nicht Selbstzweck. Dabei ist die Kooperation im ökumenischen Kontext und mit anderen gesellschaftlichen Akteuren noch nicht nachdrücklich genug ausgeprägt."
These aus dem Forum 2: "Das Verbindende suchen"

Tagungsergebnisse

Am zweiten Tag der Tagung wurden auf der Grundlage eines Entwurfs der Tagungsleitung in neun Foren Thesen und Ideen zur Weiterentwicklung freiwilligen Engagements formuliert. Die Thesen aus den Arbeitsgruppen sind in Kürze auf den Webseiten zur Tagung zu finden.

Engagement der Diakonie RWL

Die Diakonie RWL fördert die Vernetzung und Modernisierung von Strukturen für freiwilliges Engagement in allen Arbeitsfeldern. Gabriele Winter, Fachreferentin für gemeinwesenorientierte Seniorenarbeit und Tagespflege, die auf der Tagung ein Forum moderierte und mit Kollegen mit einem Stand für das Evangelische Zentrum für Innovative Seniorenarbeit vertreten war, beschrieb für ihr Arbeitsfeld die Bedeutung von Vernetzung so: "Netzwerkarbeit ist keine neue Erfindung, sie ist die Wiederentdeckung eines einfachen und wirkungsvollen Prinzips. Sie ist ein wichtiger Baustein bei der Lösung von Herausforderungen, die der demographische und gesellschaftliche Wandel an unsere Gesellschaft stellt. Gut sind multiprofessionelle Teams mit Haupt- und Ehrenamtlichen. Sie erweitern unseren Blick auf das Thema und fügen neue Perspektiven hinzu." 

Gabriele Winter, Karen Sommer-Loeffen und Gerrit Heetderks am Tagungsstand des Evangelischen Zentrums für Innovative Seniorenarbeit
Gabriele Winter, Karen Sommer-Loeffen und Gerrit Heetderks am Tagungsstand des Evangelischen Zentrums für Innovative Seniorenarbeit

Ein Beispiel sei das Projekt "WohnQuartier4", in dem Akteure aus Städteplanung, Kunst, Wirtschaft, Soziales, Ökologie und bürgerschaftlichem Engagement gemeinsam Konzepte für die Zukunft altersgerechter Quartiere entwickeln. Ein weiteres Beispiel sei das von ihrer Kollegin Katja Alfing koordinierte Projekt "ELLA - Ehrenamtliche für Lebenslanges Lernen im Alter", in dem Bildungsarbeit mit Hochaltrigen als neues Praxisfeld für freiwilliges Engagement entwickelt wurde.

Auch in ihrer Arbeit in der Geschäftsstelle bemühe Sie sich um die Mitwirkung Freiwilliger. Gabriele Winter: "In meiner eigenen Arbeit habe ich sehr gute Erfahrung mit der Beteiligung Ehrenamtlicher gemacht, die mitdenken, andere Perspektiven einbringen und vernetzte Strukturen mitgestalten."

Karen Sommer-Loeffen, Fachreferentin für Bahnhofsmission und Ehrenamt und Moderatorin eines Forums zum Verhältnis von Haupt- und Ehrenamt, verweist auf die Bedeutung einer guten Vernetzung des freiwilligen Engagements in Kirchengemeinden und Verbänden. Besonders Fortbildungen für Ehrenamtliche böten gute Chancen für neue Netzwerkbildungen, wenn Engagierte aus verschiedenen Kontexten einbezogen werden.

Buchtitel der Praxishilfe

Systematische Ehrenamtsarbeit

Karen Sommer-Loffen ist auch Herausgeberin einer gerade erschienen Praxishilfe zur Gestaltung förderlicher Rahmenbedingungen für freiwilliges Engagement.

Zentrale Ansätze moderner Freiwilligenarbeit, wie sie auch auf der Tagung diskutiert wurden, sind in diesem Buch zu finden.

 

 

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