20. Februar 2009
Eine diakonische WG feiert Jubiläum
50 Jahre Laurentiuskonvent bei Wetzlar
Im Laurentiuskonvent sitzt man nie allein am Tisch. (Quelle: Heidi Stiewink)
Der Konvent gehört seit 50 Jahren zu einem Netz christlicher Lebensgemeinschaften und Kommunitäten. Er wurde in Falkenburg bei Delmenhorst gegründet und benannt nach einem italienischen Diakon. Das grundsätzliche Anliegen der bundesweit vierzig Mitglieder ist, den diakonischen Dienst in Kirchen, Politik und Gesellschaft zu stärken. Das prägt sich auch in der Förderung von Friedensdiensten und in der Ausbildung von Friedensfachdiensten, wie zum Beispiel durch den 1992 gegründeten Verein „Ökumenischer Dienst -Schalomdiakonat", der unter anderem von der Evangelischen Kirche in Deutschland unterstützt wird.
Friedensbewegte und Atomwaffengegner
Vor 32 Jahren zogen Ruth und Wilfried Warneck aus Bonn nach Laufdorf, weil im Wetzlarer Raum schon die Konventsmitglieder Wilhelm Wilmers und seine Frau Ute mit ihren vier Kindern lebten. Der Konvent hat vor 25 Jahren das Haus Ringstraße 21 gekauft und gemeinsam mit der Hilfe von Freiwilligen aus dem Dorf und dem In- und Ausland die Scheune zu einem Begegnungs- und Seminarzentrum mit Übernachtungsmöglichkeiten umgebaut. Hier tagten in den achtziger Jahren oftmals über die Wochenenden die „Friedenbewegten" aus dem Kirchenkreis Braunfels und wurde auch der lokale „Bund zur Abschaffung von Atomwaffen" gegründet. Pfarrer, Pfarrfrauen, Kreissynodale und Jugendliche wurden von dieser Arbeit angezogen. Hier gibt es bis heute Seminare mit geistlicher, friedenspolitischer Ausrichtung und manche Durchreisende werden selbstverständlich in die Mitte genommen.
Lebensgemeinschaft und Nachhilfeunterricht
Bis heute sieht sich die Lebensgemeinschaft in der Verantwortung im ökumenischen, sozialen und friedenspolitischen Bereich. Der Konvent Laufdorf engagiert sich in der Organisation "Church and Peace" bei der europaweiten Vernetzung von Friedensdiensten, Kirchen (u. a. Mennoniten und Quäker) und Lebensgemeinschaften, im synodalen „Arbeitskreis Frieden" im Kirchenkreis Braunfels sowie in der gewaltfreien Konfliktbearbeitung. Er unterstützt lokale Umweltprojekte und führt Sprach- und Nachhilfeunterricht für Flüchtlinge durch.
Vom Behindertenseelsorger bis Unternehmensberater
Die Theologen Marie Noelle von der Recke und ihr Mann Ernst leben gemeinsam in dem Haus mit ihren drei Töchtern. Das, was sie der Welt an Friedenswillen zu vermitteln versuchen, leben sie spürbar für ihre Umwelt auch selbst beispielhaft. Josepha, die Älteste, macht gerade mit der Aktion Sühnezeichen-Friedensdienste einen Freiwilligendienst in Wolgograd, Russland. „ Es ist mir wichtig, in einer Stadt wie dem ehemaligen Stalingrad, wo die Erinnerung an den Sieg über die Deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg noch so lebendig ist und das Heldentum im Krieg für das Vaterland so verherrlicht werden, als Deutsche aus dem Westen anwesend zu sein und zuzuhören", betont die 19-Jährige im Blick auf den Unfrieden in der Welt. So wie sie haben sich auch andere Kinder der Gruppe vor ihr im Friedensdienst engagiert, sei es in der Arbeit mit behinderten Menschen in Belgien und Frankreich oder in einem Gemeindeprojekt in Belfast/Nordirland.
Zur direkten Nachbarschaftsgruppe gehört ein weiteres Ehepaar; er arbeitet als Unternehmensberater, sie als Hausfrau und Übersetzerin. Im Sommer zieht ein Ehepaar aus dem Rheinland hinzu, er ist Pfarrer in der Behindertenseelsorge und sie Kunsttherapeutin.
Nun sucht der Konvent weitere Menschen, die das Gemeinschaftsleben mit gestalten wollen. In unmittelbarer Nachbarschaft im alten Dorfkern gibt es leerstehende Häuser, die vielfältig für Familien, Einzelne und Ehepaare nutzbar sind.
Für Interessierte gibt es weitere Informationen unter laufdorf@laurentiuskonvent.de oder 06445/ 5560.