12. Januar 2009
Armen Kindern eine Chance
Präsides Buß und Schneider im Kampf gegen Armut
„Wir fördern die Kinder nicht nach ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten. Sie kommen nicht zu ihrem Recht, und wir lassen einen Schatz brachliegen", sagte Präses Alfred Buß in einem Gottesdienst in Gelsenkirchen. Die Möglichkeiten der Bildung, Förderung und Entfaltung müssten gerechter verteilt werden. Buß kritisierte, dass das Kindergeld bei Hartz IV-Empfängern auf die staatliche Zuwendung angerechnet wird, weil es als eigenes Einkommen gilt. Und dass deren Kinder nur bis zur 10. Klasse mit einer Beihilfe von 100 Euro unterstützt würden, bedeute, dass diesen Kindern gar nicht zugetraut wird, bis zum Abitur zu kommen. Armut sei ein „Teufelskreis" aus Mangelernährung, fehlender Liebe und Zuwendung, schlechter Bildung und Ausbildung, fehlender Arbeitsstelle, Geldmangel und fehlenden Perspektiven. Menschen wollten sich aber von klein auf entfalten und bilden.
Kinderkrippen statt Kindergeld
Präses Nikolaus Schneider zeigte sich in seinem Präsesbericht vor der Landessynode in Bad Neuenahr bedrückt, dass die Armut von Kinder zunehme. „Armut darf nicht als Versagen oder quasi naturgegebene Eigenschaft von Einzelnen abgestuft werden! In der Regel handelt es sich dabei um strukturelle Probleme, die sich insbesondere in bestimmten Milieus verfestigen." Schneider dankte den Mitarbeitenden von Kirche und Diakonie bei den Essensausgaben der Tafeln oder in den Kleiderkammern. Gleichzeitig kritisierte er aber, dass die Tafeln Ausdruck für ein Versagen des Sozialstaates sein.
Ein Mittel im Kampf gegen Armut bei Kindern sieht der Präses im Ausbau der frühkindlichen Bildung. „Gerade Kinder aus bildungsfernen Milieus und Kinder aus zerrütteten Familien können in diesen ersten Lebensjahren für das Gelingen ihres Lebens viel gewinnen, aber auch viel verlieren." Deshalb plädiert er für eine bessere finanzielle Ausstattung von Kindertagesstätten und Kinderkrippen, auch wenn das zu Lasten des Kindergeldes oder der Kinderfreibeträge ginge."
Die westfälische Kirche tritt seit einigen Monaten mit der Kampagne „Lasst uns nicht hängen" gegen Kinderarmut in der Öffentlichkeit auf. Auf der rheinischen Landessynode werden in diesen Tagen Aktionen gegen Kinderarmut und neue Konzepte frühkindlicher Bildung in evangelischen Kindertagesstätten diskutiert.