11. Dezember 2009
Innovative Diakonie
Projekte der Diakonie erhalten NRW-Zukunftspreis

Foto: Robert Jungk Preis
Der Robert Jungk Preis wurde in diesem Jahr zum sechsten Mal vergeben. Unter der Überschrift „Wie wollen wir leben?“ suchten die Auslober – das Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, das Städte-Netzwerk NRW und die Robert Jungk Stiftung Salzburg spannende Zukunftsprojekte im Quartier. Über 270 Projekte haben sich auf den mit insgesamt 23.000 Euro dotierten Preis beworben.
Interview mit Sabine Kistner-Bahr von fundus
Wie erfolgreich ist fundus?
Die Verkaufsangebote sind von der Bevölkerung sehr gut angenommen worden. Das Bistro und die Dienstleistungsangebote befinden sich im Aufbau.
Wer trägt die Genossenschaft?
Wir haben zurzeit 18 Mitglieder: Bewohner und Institutionen wie die Kirchengemeinde Pesch, dem Lindweiler Netz, dem Sozialen Zentrum Lino Club. Der Vorteil der Genossenschaft liegt in der Haftungsbegrenzung und im demokratischen Grundprinzip. Jedes Mitglied hat nur eine Stimme. Der Anteil kostet 100 €, der auch ratenweise gezahlt werden kann, so dass auch SGB II-Bezieher Mitglied werden können.
Wie viele Arbeitsplätze sind entstanden?
Wir haben zwei Vollzeitkräfte über § 16e, eine Frau als 400Euro-Kraft, einen Integrationsjobber, eine Praktikantin und zwei Ehrenamtler. Die Mitarbeiter sind lange arbeitslos. Es sind noch zwei weitere "16e Stellen" beantragt.
Mittwochs zum integrativen Sport
„Tschüss, bis nächsten Mittwoch“ ist eine Kooperation der Ganztagshauptschule Vorhalle mit dem Wohnhaus Kirchbergstraße der Bodelschwinghschen Anstalten in Hagen. Jeden Mittwoch treffen sich Schüler der Klasse 6 und rund 15 Erwachsene mit zum Teil schwersten Mehrfachbehinderungen, um gemeinsam Sport zu treiben. Mittlerweile hat sich das Projekt über die gemeinsame Sportstunde hinaus entwickelt. Seit Mai 2005 gibt es das Wohnhaus an der Kirchbergstraße. Das Angebot richtet sich an Menschen mit komplexen Mehrfachbehinderungen, die einen sehr hohen Unterstützungsbedarf haben. Im Rahmen des Projektes entwickeln sich Beziehungen, die über den Unterricht hinaus gehen und für beide Seiten sehr wichtige Erfahrungen beinhalten. Nun erhielten die Organisatoren den mit 4.000 Euro dotierten zweiten Platz.
Genossenschaft zum Leben im Stadtteil
Den dritten Preis teilen sich die Bürgerstiftung Rheinviertel in Bonn und die Genossenschaft Fundus im Stadtbezirk Köln-Chorweiler. Beide erhalten 2.500 Euro für besonderes Engagement in ihrem Stadtteil. Fundus, Mitglied im Diakonischen Werk, will das Leben im Stadtbezirk Chorweiler verbessern und Arbeit suchenden Menschen neue Wege ebnen. Zahlreiche soziale Einrichtungen – wie der „Lindweiler Treff“ des Diakonischen Werkes Köln und Region, das Gemeinwesenbüro der Katholischen Kirchengemeinde in Chorweiler, das „Soziale Zentrum Lino Club e.V.“ – sowie Initiativen und Bürger vor Ort haben die Sozialgenossenschaft gegründet. Im September eröffnete das Ladenlokal „Fundus“, das Haushaltsgeräte und Second-Hand-Kleidung zu sehr kleinen Preisen anbietet und ein kleines Bistro, das zum Verweilen einlädt. Außerdem sind ein Technik-Service, Transporthilfen, Entrümpelungen und weitere Dienstleistungen geplant.
Im Laden von fundus in Köln-Chorweiler; Foto: fundus
Weitere Gewinner: Väter, Glaskunst und Blütenhaus
Neben den Hauptpreisträgern wurden 25 weitere Projekte ausgezeichnet. Darunter auch das Kultur-Netzwerk Gerresheim der Diakonie in Düsseldorf für sein Projekt „Gerresheimer Glas – Facetten eines Stadtteils“. Das Väter-Netzwerk Bonn wurde ebenfalls prämiert. Das Angebot der Diakonie Bonn für arbeitslose Männer und ihre Söhne im Stadtteil ist eine Kooperation mit der Evangelischen Jugendhilfe Godesheim und der Stadt Bonn. Seit einem Jahr betreibt das Evangelische Johanneswerks das erste grenzüberscheitende Wohn- und Pflegehaus in Europa. Das Bültenhaus steht im Grenzgebiet zwischen der deutschen Stadt Bocholt und der niederländischen Gemeinde Aalten. Auch dieses Projekt erhielt den eine Auszeichnung.