29. April 2009
Seismograf für die sozialen Entwicklungen
Neuer Fachverband für Schuldnerberatung in RWL

Die Terminfindung für die erste Vorstandssitzung gestaltete sich schwierig.
Die Schuldnerberatungsstellen der Diakonie in Rheinland, Westfalen und Lippe werden zukünftig von einem gemeinsamen Fachverband vertreten. Vertreter von rund 90 evangelischen Beratungsstellen für Schuldner gründeten am 29. April in Düsseldorf den neuen Verband. Zum Vorsitzenden wurde der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirchenkreise Bonn und Bad Godesberg-Voreifel Ulrich Hamacher gewählt.
In einem einführenden Beitrag sagte Pfarrer Dr. Uwe Becker, Vorstand der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, dass die Beratungsstellen Seismograf für soziale Entwicklungen in Deutschland seien, weil sie unmittelbar die finanziellen Notlagen der Menschen erleben. Davon könne auch die Diakonie als Ganzes profitieren: „Vor Ort unmittelbar mit den Betroffenen zu arbeiten, diese Erfahrungen aufzuheben, zu kommunizieren und zu diskutieren in einem Fachverband und daraus auch die Strategien einer Politikfähigkeit zu gewinnen, die gemeinsam mit dem Spitzenverband zu begehen sind, das hat was!" Dem neuen Fachverband könne es gelingen, der Arbeit der Beratungsstellen mehr Beachtung zu verschaffen, mit dem Ziel, für die Betroffenen Partei zu ergreifen. Ein großer Fachverband könne viel eher die politische Wahrnehmung schärfen, „die danach fragt, was politisch falsch läuft, wo beispielsweise das Wegbrechen flankierender Institutionen wie der Arbeitslosenberatungsstellen auch zu einer Steigerung der Arbeit der Schuldnerberatungsstellen führt", so Becker weiter.

Der Vorstand des Fachverbandes mit den Referenten der Diakonie RWL.
Neben der Verbandsgründung tauschten sich die Fachleute auch über neue, innovative Projekte in der Schuldnerberatung aus: Zum Beispiel Präventionsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche in Schulen.
Neben dem Vorsitzenden Ulrich Hamacher wurden als seine Stellvertreterinnen Gisela Deller (Diakonie Wuppertal) und Marion Kemper (Diakonie Bottrop) gewählt. Den Vorstand komplettieren Joachim Erdmann (Diakonie Steinfurt-Coesfeld-Borken), Jürgen Sevecke (Diakonie Niederberg), Eva Trube (Lebensberatung für Langzeitarbeitslose in Düsseldorf), Jürgen Eiting (Diakonie Paderborn-Höxter), Christian Overmann (Diakonie Recklinghausen) und Helmut Peter (Diakonie Krefeld und Viersen).
- Andacht und Gedanken zu diakonisch profilierter Schuldnerberatung
- Andacht von Volker König
- Text des Einführungsbeitrags
- Einführender Beitrag von Dr. Becker
- Link zum Fachverband
- Fachverband Schuldnerberatung
Interview mit Ulrich Hamacher, Vorsitzender des Fachverbandes

Was sind die aktuellen Themen und Schwerpunkte, denen sich der FV stellen muss?
Ein wichtiges Thema der nächsten Jahre wird der Ausbau präventiver Maßnahmen und Projekte bei den Beratungsstellen sein. "Finanzkompetenz" ist die Überschrift, unter der an vielen Stellen Projekte entwickelt und umgesetzt werden. Der Fachverband wird den fachlichen Austausch unterstützen und sich für vernünftige Finanzierungen stark machen.
Welche Ziele und Visionen haben Sie für die Schuldnerberatung in RWL in der nächsten Zeit?
Die wirtschaftliche Krise wird ja wohl in der nächsten Zeit dazu führen, dass der Bedarf an Schuldnerberatung einschließlich Insolvenzberatung wächst. Sozialpolitisch ist ein Ausbau der Schuldnerberatungsstellen notwendig. Dem entgegen steht die sich entwickelnde Misere der öffentlichen Finanzen. Es werden also spannende Jahre.
Welche Bedeutung hat der neue Fachverband für die Schuldnerberatung?
Der neue Fachverband wird für das ganze Gebiet der Rheinisch-Westfälisch-Lippischen Diakonie die Interessen der Schuldnerberatung fachlich und politisch vertreten. Dazu gehört die Einmischung in politische Entscheidungen genauso wie die Beratung der evangelischen Träger der Schuldnerberatung in Finanzierungsfragen oder zum Beispiel beim Qualitätsmanagement. Durch die Neugründung sind wir stärker geworden und das ist gerade in dieser Zeit wichtig. Im Übrigen sehe ich in der Gründung des Fachverbandes auch einen Beitrag zum Zusammenwachsen der Diakonie RWL.