19. Januar 2009
Evangelische Kitas setzen auf Qualität
Diakonie und Kirche mit neuem Fortbildungskonzept für Kindertagesstätten / Chance für Kinderpflegerinnen
Quelle: Diakonie RWL
Im Bereich der Kindertagesstätten und Elementarbildung für kleine Kinder ist vieles in Bewegung. Die Anforderungen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wachsen, die Angebote werden ausgeweitet, neue pädagogische Konzepte kommen zum Einsatz, das Profil einer Einrichtung gewinnt mehr und mehr an Bedeutung. Pfarrer Uwe Becker, Vorstand der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, sieht insgesamt ein neues Bewusstsein in der Gesellschaft dafür, „dass die Elementarbildung von Kindern enorm wichtig ist, weil da Weichen fürs ganze Leben gestellt werden." Auf diese Entwicklung reagieren Diakonie, Rheinischer Verband evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder und Evangelische Kirche im Rheinland mit einem „Integriertes Bildungssystem evangelischer Kindertageseinrichtungen" (IBEK).
Religionspädagogik und Profil
IBEK ist ein modulares Fortbildungskonzept, mit dem Träger, Verwaltungsleitungen, Einrichtungsleiter und Mitarbeiter von Kindertageseinrichtungen fachlich, religionspädagogisch und organisatorisch geschult werden sollen. „Erzieherinnen müssen besser in evangelischer Religionspädagogik gebildet werden, denn das bietet uns der Ausbildungsmarkt kaum", betont Oberkirchenrat Klaus Eberl. Grund dafür ist, dass die meisten Erzieherinnen im Rheinland an katholischen oder kommunalen Kitas ausgebildet wurden. Für Eberl ist es deshalb auch wichtig, „dass unsere Einrichtungen ein eigenes evangelisches Profil entwickeln. Wenn die das Gleiche machen, wie alle anderen, dann gibt es keinen Grund, dafür einen Cent Kirchensteuer dafür auszugeben."
Bildungsauftrag der Kirche
Hintergrund für IBEK sind auch theologische Überlegungen zur frühkindlichen Bildung. Kindertageseinrichtungen haben neben dem Erziehungs- und Betreuungsauftrag einen eigenständigen Bildungsauftrag. Das Wort Bildung hat seinen Ursprung in der alttestamentlichen Rede vom Menschen als Gottes Ebenbild hat, betont Eberl, der Leiter der Abteilung Erziehung & Bildung im Landeskirchenamt ist: "Im Zentrum der Elementarbildung steht jedes einzelne Kind in seiner Beziehung zu Gott, zu sich selbst, zum Nächsten, zur Welt."
Siegel für Qualität
Ein Ziel von IBEK ist es, das Angebot für Eltern und Kindern zu verbessern und das evangelische Profil zu schärfen, so dass am Ende die Einrichtungen mit einem Gütesiegel ausgezeichnet werden können. Eine solche zertifizierte Qualität gewinnt zunehmend an Bedeutung, da die Konkurrenz zwischen unterschiedlichen Kindertageseinrichtungen zunimmt, weiß Barbara Montag von der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe: „Wir sind auf einem Markt: Eltern schauen sich um, welches die beste Einrichtung für ihre Kinder ist. Deshalb gibt es enorme Bemühungen auf katholischer Seite und auch die AWO hat ein eigenes Gütesiegel." Rund 400 der 830 evangelischen Kindertageseinrichtungen im Rheinland streben jetzt schon ein solches Gütesiegel an. Vorreiter werden die Kindergärten im Saarland sein, sie stellen sich ab April einem Zertifizierungsprozess.
Einheitliches Programm als Ziel
Für IBEK haben sich unterschiedliche Ausbildungsstätten zusammengefunden, die schon bisher Fortbildungen für Kitas anbieten. Sie koordinieren ihre Angebot so, dass einzelne Seminare und Schulungen aufeinander abgestimmt sind. Das ist Barbara Montag aber noch nicht genug: „Wir haben ein Ziel, dass die Fort- und Weiterbildung für unsere evangelischen Kindertageseinrichtungen an einer Stelle koordiniert und gebündelt wird. Daraus könnte dann ein einheitliches Fortbildungsprogramm aller Bildungsstätten im Elementarbereich entstehen." Attraktiv ist IBEK für Mitarbeiterinnen, weil sie durch einzelne Module Bildungscredits erwerben können, die ihnen ein Fachhochschulstudium erleichtern.
Zukunft für Kinderpflegerinnen
Verbunden mit IBEK ist auch ein Beratungsangebot speziell für Kinderpflegerinnen und Mitarbeiterinnen ohne Ausbildung, deren Arbeitsplätze mit dem neuen Kinderbildungsgesetz in Nordrhein-Westfalen gefährdet sind. In den evangelischen Kindergärten im Rheinland sind knapp 900 Mitarbeiterinnen davon betroffen. Ihnen können nun unter anderem Weiterbildungen oder der Einsatz als Tagesmutter in einem Familienzentrum angeboten werden.
Lotsen, Berater, Teamentwicklung
Alle Beteiligten des Systems Kindergarten sollen in einem ganzheitlichen Weiterbildungssystem besser auf die sich schnell wandelnden Anforderungen vorbereitet werden. Leiterinnen werden dabei zu Lotsen der Einrichtung. Teamentwicklung, Elternberatung, Verwaltungsmanagement, Kommunikation mit Ämtern und Therapeuten - hier knüpft IBEK an die bewährten Leitungslehrgänge an. Erzieherinnen sollen souverän mit den Anforderungen der Integration von Kindern mit und ohne Behinderungen oder Kindern mit Migrationshintergrund umgehen können.
Die Kosten für die Entwicklung von IBEK haben die Diakonie Rheinland, die Evangelische Kirche im Rheinland und der Rheinische Verband für Kindertageseinrichtungen bisher zu gleichen Teilen getragen. Zusätzlich gab es öffentliche Fördermittel.
Ansprechpartner
- Oberkirchenrat Klaus Eberl, Evangelische Kirche im Rheinland,
Telefon 0211 4562-620, E-Mail: klaus.eberl@ekir.de
- Geschäftsbereichsleiterin Barabra Montag, Diakonie RWL,
Telefon 0211 6398-216, E-Mail: b.montag@diakonie-rwl.de
- Referent Jörg Walther, Rheinischer Verband,
Telefon 0211 6398-295, E-Mail: jwalther@rheinischer-verband.de
IBEK-Reader
- Inhaltsverzeichnis IBEK-Reader
- IBEK-Reader Teil 1 (pdf)
- IBEK-Reader Hauptteil
- IBEK-Reader Teil 2 (pdf)