25. Juli 2009
Reisebegleiter bieten Reisefreiheit
Mobile Bahnhofsmission sucht Ehrenamtliche

Eduard Mandt (li.)und Horst Conrady sind Mitarbeitende der Hagener Bahnhofsmission. Ab Oktober soll der Dienst um die Mobile Bahnhofsmission erweitert werden – wenn sich einige Ehrenamtliche finden. Foto: Diakonie Hagen
„Der ICE auf Gleis 8 fährt ein. Bitte zurücktreten…“ Für Eduard Mandt, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Hagener Bahnhofsmission, beginnt jetzt ein Sprint. Er begleitet einen körperbehinderten Mann, der mit dem ICE in den Urlaub fahren möchte. Die beiden stehen schon an der richtigen Stelle des Bahnsteigs, doch um einzusteigen, den Gehbehinderten an seinen reservierten Sitzplatz zu begleiten und die Koffer zu verstauen, bleiben ganze drei Minuten. Wenn Eduard Mandt Pech hat, schließen sich die Türen, und der ICE fährt weiter in Richtung Köln – und der Ehrenamtliche mit ihm. Für diese und andere Fälle soll es ab Oktober einen neuen Dienst geben – die „Mobile Bahnhofsmission“.
Reisefreiheit als Traum
„Wir haben regelmäßig Anfragen von Menschen, die unsicher sind und nicht alleine reisen möchten“, erklärt Heike Spielmann-Fischer, Leiterin der Hagener Bahnhofsmission. Weil man niemanden hat, der beim Einstieg hilft, weil am Zielbahnhof keine Bahnhofsmission wartet und weil die Bahn kein Servicepersonal vorhält, ist „Reisefreiheit“ für manche Menschen ein bislang unerfüllter Traum. „Wir halten es für eine Aufgabe der Gesellschaft, Menschen so weit wie möglich Mobilität zu geben“, betont Heike Spielmann-Fischer. „Auch behinderte, körperlich eingeschränkte oder alte Menschen möchten Bahn fahren und so am Leben teilhaben“, weiß die Diakonin.
Schulung für Ehrenamtliche
Das sieht auch die „Aktion Mensch – Die Gesellschafter“ so und unterstützt den Aufbau des neuen Dienstes mit 4000 Euro; weitere Mittel für Handys, Erste-Hilfe-Taschen und die wichtige Schulung der Mitarbeiter steuert das Diakonische Werk bei. Mit Angela Bahlo konnte die Bahnhofsmission eine erfahrene Sozialarbeiterin gewinnen, die in den kommenden Wochen Ehrenamtliche gewinnen und schulen will. „Die Ehrenamtlichen werden vor ihrem ersten Einsatz in Erste Hilfe, Gesprächsführung und in der Bedienung der Technik am Bahnhof geschult“, zählt Angela Bahlo auf. Auch Deeskalationstraining steht auf dem Schulungsplan, um auch in ungeplanten Situationen angemessen reagieren zu können.
Kurzpraktikum zur Vorbereitung
„Wir hoffen auf Interessierte, die gern Bahn fahren und kontaktfreudig sind“, beschreibt sie das Anforderungsprofil für die zukünftigen Mobilen Begleiter. Wer möchte, kann zunächst ein Kurzpraktikum in der Bahnhofsmission machen und sich so auf die neue Arbeit vorbereiten. Auch Menschen, die einfach nicht alleine reisen können oder wollen, können den neuen Service in Anspruch nehmen – und zwar kostenlos. „Nur die eigene Fahrkarte muss bezahlt werden – der Begleiter reist kostenfrei“, so Angela Bahlo. Bislang durften die Mitarbeitenden der BM im Nahverkehr umsonst mitreisen – vorausgesetzt, sie konnten sich als solche ausweisen. Eine spezielle Vereinbarung mit der Bahn soll nun die neue Mobilität ermöglichen.
Abends wieder daheim
„Unser Ziel ist ein Netzwerk“, erläutert Heike Spielmann-Fischer. Will der Reisende zum Beispiel über Köln nach München, übernimmt dann in der Domstadt ein Mitarbeiter der Kölner Bahnhofsmission. „Für die Ehrenamtlichen hat das den Vorteil, dass sie auf jeden Fall am selben Tag wieder daheim sind“, betont Angela Bahlo.
Wer Interesse hat, als Ehrenamtlicher die Mobile Bahnhofsmission zu unterstützen, kann sich ab sofort bei Angela Bahlo (Mobil: 0173/2438725) oder in der Bahnhofsmission (Telefon HA- 2 33 40) zur Schulung anmelden.