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Archiv 2009

18. März 2009

Menschen statt Mauern

Diakonie betreut kriminelle Jugendliche

Foto: Diakonie RWL

„Theodor Fliedner hat sich bereits vor der Gründung der Kaiserswerther Diakonie um straffällig gewordene Menschen gekümmert. Wir möchten Kindern und Jugendlichen, die straffällig geworden sind, helfen, einen Weg zurück in unsere Gesellschaft zu finden", erläutert Pfarrer Matthias Dargel, Vorstand der Kaiserswerther Diakonie, die Beweggründe der Arbeit. Die EJFKaiserswerther Jugendhilfe, eine gemeinnützige GmbH der Kaiserswerther Diakonie aus Düsseldorf und des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerks EJF-Lazarus gAG aus Berlin sind Träger vom „Haus Ausblick".

Handeln aus Nächstenliebe

Die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit im ersten Jahr bringt Kornelia Tiffert, Leiterin der stationären Jugend und Familienhilfen der Kaiserswerther Diakonie, auf den Punkt: „Nicht für jeden Jugendlichen ist die Einrichtung geeignet. Daher gibt es eine Probephase von bis zu sechs Monaten. Derzeit leben fünf Jugendliche in Haus Ausblick, ein sechster kommt bald hinzu. Vier der von uns betreuten Jungen sind mittlerweile „angekommen", d.h. sie haben sich mit dem Regelwerk von Haus Ausblick identifiziert und zeigen erste Entwicklungserfolge", bilanziert Tiffert.
Die Träger der Einrichtung hatten einige Anfangsschwierigkeiten zu bewältigen. „Diese Art von Einrichtung war für uns und auch für NRW neu. Daher mussten und müssen wir einiges lernen", berichtet Tiffert. So hat sich Einrichtung in den ersten Monaten zu einer geschlechtspezifischen entwickelt, d.h. anders als am Anfang wohnen heute nur noch Jungen in Haus Ausblick. Eine hohe Mitarbeiterfluktuation in den Anfangsmonaten, die hohe psychische Belastung der Betreuer, der Weggang der Leitung erschwerten die Situation vor Ort. Mittlerweile hat die EJF-Kaiserswerther Jugendhilfe in Haus Ausblick ein eingespieltes Team von Mitarbeitern. Insgesamt acht Kinder können in Bedburg-Hau untergebracht werden.

Knastkarrieren verhindern!
 Jugendhilfe und Justiz

Fachtagung der Freien Wohlfahrtspflege NRW
am 27.03.2009 in Köln, Moderation: Maria Loheide (Diakonie RWL)

Weitere Informationen bei Monika Nimsgern:

Aggressivität entlädt sich in Zerstörungswut

„In dem ersten Jahr hatten wir ein hohes Schadensaufkommen. Unsere Bewohner haben immer wieder Gegenstände wie zum Beispiel Fenster und Türen beschädigt", berichtet Kornelia Tiffert. Mit bestimmten Maßnahmen, etwa dem Abräumen der großen Kieselsteine im direkten Umfeld des Bauernhofes, sind die Zerstörungsmöglichkeiten gesunken. Eingeworfene Fensterscheiben sind jetzt selten. Gemeinsam mit den Bewohnern haben die Mitarbeiter einen Hühnerstall gebaut, nachdem ihnen ein Landwirt acht Hühner geschenkt hatte. Solche Arbeiten sind Teil einer festen Regel- und Tagesstruktur, nach denen die Kinder in Haus Ausblick leben.

Der Träger selbst legt großen Wert auf die Vernetzung vor Ort. Vor diesem Hintergrund hat die EJF-Kaiserswerther Jugendhilfe 2008 einen Runden Tisch initiiert, zu dem sich zweimal im Jahr Vertreter der Psychiatrischen Klinik in Bedburg-Hau, der Polizei Kleve, der Schule für Kranke des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) und der Gemeinde mit Mitarbeitern von Haus Ausblick treffen. Ziel ist es, sich auszutauschen und Lösungen für Krisensituationen zu entwickeln.

Finanzielle Mittel dringend nötig

Der Aufenthalt der Kinder in Haus Ausblick wird über Pflegesätze der Jugendämter finanziert. Für den Ausbau des Bauernhofes jedoch stehen der EJF-Kaiserswerther Jugendhilfe keine öffentlichen Gelder zur Verfügung. Daher ist die Einrichtung auf Spenden angewiesen, um ihre Arbeit in Bedburg-Hau dauerhaft fortsetzen zu können und kriminellen Jugendlichen einen Weg aus der Kriminalität aufzuzeigen. Spender und Helfer werden dringend benötigt.

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