28. März 2009
Selbstbestimmtes Leben dank Beratung
Professionelle Beratung von Menschen mit Behinderung bei der Diakonie RWL
Prof. Albrecht Rohrmann, Andrea Spanuth, Olaf Maas (v.l.), Quelle: Diakonie RWL
Welche Aufgaben und Ziele Beratungsangebote für Menschen mit Behinderung haben und wie bewährte Modelle ausgebaut werden können, darüber diskutierten Expertinnen und Experten der Behindertenhilfe auf einem Workshop der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL) am 19. März in Bochum. Darüber hinaus ging es um die Frage, ob das im Rheinland bewährte Modell der Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstellen (KoKoBes) auch für Westfalen-Lippe geeignet ist. Diese KoKoBes wurden 2003/2004 vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) flächendeckend implementiert, um vorrangig geistig behinderten Menschen den Wechsel aus dem stationären Bereich in ambulante Hilfsangebote zu erleichtern.
Bedeutung und Anforderungen wachsen
Der Bochumer Workshop fand unter Mitwirkung von Herrn Professor Albrecht Rohrmann vom Zentrum für Planung und Evaluation sozialer Dienste der Universität Siegen (ZPE) statt. Grundlegend zeigte der Fachmann für den Bereich ambulante Dienste und offene Hilfen zunächst auf, wie sich die Bedeutung von Beratung und die an sie gestellten Anforderungen verändert haben.
Zugleich machte Rohrmann deutlich, welchen Herausforderungen sich insbesondere die Beratung für behinderte Menschen zukünftig stellen muss. Professionelle Beratung gewinne zwar immer mehr an Bedeutung, stoße aber durch sozialrechtliche Rahmenbedingungen und institutionelle Vorgaben an ihre Grenzen. Von einem Beratungsmangel könne seiner Meinung nach nicht die Rede sein. „Es gibt keinen Mangel an Beratung, sondern eine große Vielfalt. Es mangelt vielmehr an guten Ideen, die Beratungsangebote in das Gemeinwesen zu integrieren", so Rohrmann in seinem Vortrag.
Ziel: Förderung der Teilhabe
Auftrag und Zielsetzung der diakonischen Beratungsstellen und die Unterschiede der Beratungsangebote der Diakonie im Rheinland und in Westfalen-Lippe bildeten die Schwerpunkte der anschließenden Kleingruppenarbeit. Was können wir voneinander lernen? Machen KoKoBes auch in Westfalen-Lippe Sinn? Dies waren weitere Fragestellungen, mit denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in ihren Gruppen auseinandersetzten.
Professor Albrecht Rohrmann fasste die Ergebnisse abschließend zusammen. Klares Ziel der Beratungsarbeit sei die umfassende Förderung der Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft. Dabei müsse sich die Beratung am Gemeinwesen orientieren und der Bezug auf ambulante und offene Hilfen verstärkt werden.
Wünschenswert wäre ein flächendeckendes, niederschwelliges Beratungsangebot, das sich nicht nur an Menschen mit geistiger Behinderung richte. Dabei sollten die Beratungsstellen trägerübergreifend arbeiten, Stellen gebündelt und aufgestockt werden. Zudem trage auch eine gute Vernetzung zwischen den Kooperationspartnern zum Erfolg der Beratungsarbeit bei.
Welche Beratung brauchen Menschen mit Behinderung? Kann die Forschung hierzu ein geeignetes Konzept vorlegen?, lauteten die abschließenden Fragen an den Experten. Zu diesem Thema gäbe es bislang nur sehr wenig Material, empirische Forschungsergebnisse lägen nicht vor, so die Antwort von Professor Rohrmann. Außerdem würde sich Beratung in der Praxis entwickeln. „Die Vorgabe eines theoretischen Konzepts macht da sicherlich wenig Sinn."