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Archiv 2009

31. August 2009

"Gender und Sucht"

Fachtagung des Evangelischen Fachverbandes Sucht RWL

Teilnehmerinnen und Teilnehmer während der Fachtagung "Gender und Sucht"

Welche Möglichkeiten bietet ein Gender-Ansatz, also eine geschlechterdifferenzierte Perspektive, für die Unterstützung von Frauen und Männer mit Suchtproblemen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Fachtages des Evangelischen Fachverbandes Sucht RWL am 25. August 2009 in Düsseldorf. Teilgenommen hatten über 60 Fachkolleginnen und -kollegen unterschiedlicher Einrichtungen der Suchthilfe.

Hintergrund

Männer und Frauen nehmen aus unterschiedlichen Gründen Suchtmittel ein. Während bei Frauen eher die hohe Rollenerwartung, Mehrfachbelastungen (Beruf und Familie), wiederholte Gewalterfahrungen, Ohnmachtsgefühle und nicht selten eine Abhängigkeitserkrankung des Partners zur Sucht führen, sind es bei Männern eher ein hoher Erfolgsdruck im beruflichen und persönlichen, Überforderung durch Verpflichtungen wie Vaterschaft, Familie, finanzielle Verbindlichkeiten, entsprechende Rollenerwartungen, unterdrückte Emotionen etc. Das Geschlecht prägt die Erfahrungen und Bedürfnisse von Menschen maßgeblich.  Und das Wissen um geschlechtsspezifisch unterschiedliche Realitäten, Erfahrungen, Ressourcen und Bedürfnisse von Frauen und Männern, Jungen und Mädchen verändert unweigerlich den Blick auf Planung, Organisation und Umsetzung des Hilfeangebotes.

Diskussion

Auf der Fachtagung wurde diskutiert, wie in den Angeboten der Suchthilfe NRW die unterschiedlichen Erfahrungen und Bedürfnisse von Männern und Frauen besser berücksichtigt werden können und wie Einrichtungen mit „Genderkompetenzen“ ausgestattet werden.

Dabei zeigte sich, dass das Interesse an einer Berücksichtigung der Gender-Perspektive groß ist. Eine Umsetzung in der Praxis erfordert aber häufig noch zahlreiche strukturelle Veränderungen, verbesserte finanzielle Ausstattungen und auch Qualifizierungsmaßnahmen für (alle) Mitarbeitende einer Einrichtung. Geäußert wurde aucgh die Forderung, dass eine verstärkte Konzentration auf männliche Suchtkranke (die große Mehrheit des Klientel) die Ausstattung der Arbeit mit suchtkranken Frauen / Müttern nicht gefährden darf. Beate Schröder, Referentin in der Diakonie RWL, faßt ihre Schlußfolgerung aus den Diskussionen so zusammen: „Es besteht in der Praxis der Suchthilfe eine große Bereitschaft, sich auf Veränderungen im Interesse der Klientinnen und Klienten einzulassen! An dieser Stelle können Träger, Einrichtungsleitende, Leistungsträger etc. entsprechend reagieren und das „Top-Down-Prinzip“ nutzen: Klare Haltung zur geschlechtergerechten Suchtarbeit, die den Zugang zum Hilfeangebot erhöht und die Wirksamkeit des Angebotes verbessert!“

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