9. Juli 2009
Diakonie ist mitten drin
Rheinland-Pfalz-Tag in Bad Kreuznach

Ministerin Dreyer und Präses Schneider
Fotos: DW Nahe Glan
„Das war wirklich ein tolles Fest, aber am Ende leider viel zu schnell vorbei", sagt Diakon Benedikt Schöfferle, der als Referent für Fundraising im Referat Öffentlichkeitsarbeit tätig ist, und als Hauptverantwortlicher für den Auftritt der Stiftung kreuznacher diakonie beim Rheinland-Pfalz-Tag zuständig war. Die Stiftung beteiligte sich maßgeblich am Diakonie-Auftritt gemeinsam mit dem Diakonischen Werk an Nahe und Glan und der Evangelischen Altenhilfe an Nahe und Glan unterstützt von der Diakonie RWL. Viele der 300.000 Gäste des Landesfestes besuchten bei strahlendem Wetter die Angebote der Diakonie.
Prominente auf der "Blauen Couch"
Viel Aufmerksamkeit bekam das Bühnenprogramm, das gemeinsam von Diakonie und evangelischer Kirche auf die Beine gestellt wurde. Musik, Tanz, Theater, Modenschau und eine Kunstauktion begeisterten das Publikum. Neben Pfarrer Albrecht Bähr, Beauftragter der Diakonischen Werke in Rheinland-Pfalz, nahmen zahlreiche Prominente auf der „Blauen Couch" Platz und stellten sich seinen Fragen. So mussten unter anderem Ministerpräsident Kurt Beck, Ministerin Malu Dreyer, Bundestagsabgeordnete Julia Klöckner und Präses Nikolaus Schneider zu diakonischen Themen Stellung beziehen.

MdB Julia Klöckner
Kinderarmut und Bildungskette
„Das Thema Kinderarmut ist in der Gesellschaft angekommen, trotzdem muss noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, um sie wirksam zu bekämpfen", sagte Sozialministerin Malu Dreyer. Als Beispiel nannte sie die Finanzierung des Schulstarter-Pakets für Kinder aus Familien mit Hartz-IV-Einkommen. Die Überzeugungsarbeit im Bundesrat habe anderthalb Jahre gedauert, weil die Gegner immer wieder ins Feld führten, die Erstausstattung mit Lernmitteln sei in die Pauschale des Arbeitslogengelds II bereits eingerechnet. Als wichtigste Projekte des Landes zur Bekämpfung der Kinderarmut beschrieb Malu Dreyer eine kosten- und beitragsfreie Bildungskette von der Kindertagesstätte bis zum Universitätsstudium und die Aktion „Viva Familia", die Familien stärken und Eltern bei der Erziehung unterstützen soll.
Armut spielt in vielen Gemeinden keine Rolle
„Das Bewusstsein für das Problem Kinderarmut ist in den Kirchengemeinden sehr hoch", erklärte Präses Nikolaus Schneider. Nachdem sich die Synode der rheinischen Kirche im Januar mit diesem Thema beschäftigt habe, gingen zahlreiche Impulse in die Gemeinden, wie sie Hilfen für betroffene Familien organisieren können. „Wir wissen, dass viele Kinder ohne Frühstück in die Schule gehen", meinte Schneider. Ehrenamtliche Initiativen zur Einrichtung von kostenlosem Schulfrühstück oder Mittagstisch sei eine von vielen Ideen, die jetzt umgesetzt würden. Dennoch sieht der Präses das Thema immer noch als Herausforderung, weil Armut in der mittelständisch geprägten Lebenswelt vieler Gemeinden keine große Rolle spiele. „Aufmerksamkeit und Achtsamkeit gegenüber Kindern ist ein Auftrag des Evangeliums", betonte Schneider.
Loblied auf das Ehrenamt
Ein Loblied auf das Ehrenamt sang Ministerpräsident Kurt Beck auf der „Blauen Couch". Um einen besseren Schutz zu gewährleisten, gebe es jetzt eine eigens geschaffene Versicherung. Beck lobte das Miteinander von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Kräften im sozialen Bereich, das die Generationen zusammenbringe. Auf die Frage von Albrecht Bähr, ob das Ehrenamt nicht mehr und mehr zum Lückenbüßer für nicht mehr finanzierbare hauptamtliche Arbeit werde, stellte Beck klar, ehrenamtlicher Einsatz habe eine eigene Qualität. „Ehrenamtliche Arbeit hat auch einen hohen materiellen Stellenwert, aber vor allem einen ideellen Wert", meinte Beck.
U.Christenn, Marion Unger
Impressionen