16. März 2009
Diakonie RWL für ehrliche Transparenz in der Pflege
Transparenzberichte für Pflege- und Betreuungseinrichtungen verbesserungswürdig
Mehr Transparenz bei den Leistungen und der Qualität von Pflegeeinrichtungen, das ist ein Ziel der aktuellen Pflegereform. Das begrüßt auch die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, fordert aber eine ehrliche Transparenz bei der Bewertung von Qualitätsstandards. „Wir unterstützen diese Bemühungen um mehr Transparenz in Pflege- und Betreuungseinrichtungen. Die Kriterien bedürfen jedoch einer weiteren Überarbeitung, im Moment war aber nichts weiter verhandelbar.“ so Günther Barenhoff, Vorstandssprecher der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe.
In diesem Sommer sollen die ersten Ergebnisse von Qualitätsprüfungen der Pflege- und Betreuungseinrichtungen veröffentlicht werden. Diese „Transparenzberichte“ werden dann im Internet einsehbar sein und in jeder Einrichtung ausgehängt. Grundlage der Berichte sind 82 Kriterien, die in Form von Schulnoten veröffentlicht werden. Am Ende steht eine Gesamtnote für jede Einrichtung. Für Günther Barenhoff hat gerade dieses Benotungssystem seine Tücken: „Schulnoten sind, wie jeder weiß, auch immer subjektiv gefärbt und spiegeln nicht immer objektiv die Leistung eines Schülers wieder. Bei Pflegeeinrichtungen bieten Schulnoten keine ehrliche Transparenz.“ Als Beispiel nennt der Vorstandssprecher das Kriterium „Medikamentengabe“ , bei dem es um den sachgerechten Umgang mit Medikamenten geht: „Wenn man hier ein Unterkriterium, beispielsweise das Anbruchsdatum eines Medikaments nicht ausgewiesen hat, kann es sein, dass die gesamte Bewertung für den Bereich mangelhaft ist, obwohl der Umgang mit dem Medikament ansonsten korrekt ist.
„Wir sind für ehrliche Transparenz in unseren Einrichtungen, möchten aber nicht durch ein intransparentes, nicht valide entstandenes Schulnotensystem verkürzt beurteilt werden“, so der Diakonie-Pfarrer weiter. Eine Alternative zur verkürzten Benotung böten zum Beispiel ausführliche Berichte, die Stärken und Mängel einer Einrichtung beschrieben. „Die Pflegeeinrichtungen der Diakonie sind sehr daran interessiert, offen zu zeigen, was wir für die Lebensqualität der Bewohner tun.“
Die Kriterien, nach denen für die Transparenzberichte geprüft wird, wurden zwischen den Pflegekassen und Pflegeverbänden verhandelt. Mit dem Ergebnis sind aber beide Seiten nur bedingt zufrieden. Im Vorwort der Vereinbarung zu den Transparenzberichten heißt es: „Die Vertragsparteien haben […] diese Vereinbarung in dem Wissen geschlossen, dass es derzeit keine pflegewissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse über valide Indikatoren der Ergebnis- und Lebensqualität der pflegerischen Versorgung in Deutschland gibt.“ Nach dem Gesetz zur Pflegereform sollte aber genau das untersucht und veröffentlicht werden.
Die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. ist der größte diakonische Landesverband und einer der größten Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Sie erstreckt sich über Nordrhein-Westfalen, Teile von Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Hessen. Die Diakonie RWL repräsentiert rund 480 stationäre Pflegeeinrichtungen, in denen rund 35.000 Mitarbeitende 40.000 meist ältere Menschen betreuen. Die Diakonie RWL versteht ihre Arbeit als praktische Ausübung der christlichen Nächstenliebe und als Wesens- und Lebensäußerung der Evangelischen Kirche.