16. Februar 2009
Menschen mit Behinderungen können viel
Gut qualifiziert in die Arbeitswelt

Quelle: Michael Wiese, DW Recklinghausen
"Es hat sich in den letzten Jahren viel getan", sagt Gerhard Thal, Mitglied des Vorstandes des Evangelischen Fachverbandes für Behindertenhilfe, der Veranstalter ist. „Wir reden heute viel selbstverständlicher davon, dass Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben teilhaben. Nicht nur in den Werkstätten für behinderte Menschen, sondern auch bei Firmen des so genannten ersten Arbeitsmarktes."
Breites Spektrum an Qualifizierungsmöglichkeiten
Politik und Träger von Werkstätten sind gemeinsam auf dem Weg, die Weichen von Anfang an richtig zu stellen. „Im Berufsbildungsbereich werden die jungen Menschen nach ihrem Schulbesuch intensiv angeleitet und qualifiziert. Diese Unterstützung richtet sich dabei an ihren individuellen Fähigkeiten und Wünschen aus", berichtet Michael Dreiucker, Referent der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe. In der Praxis, vor Ort, heißt es, in den zwei Jahren Berufsbildungsbereich viel zu erreichen. „Wir halten ein breites Spektrum an Qualifizierungsmöglichkeiten bereit", so Heike Strototte, Leiterin des Berufsbildungsbereiches der Recklinghäuser Werkstätten. Mit rund 130 Menschen ein großer Bereich unter dem Dach der Recklinghäuser Werkstätten. Von der Metallbearbeitung über die Holzverarbeitung bis hin zum Gabelstaplerfahren - es gibt viele Möglichkeiten, genau das zu erlernen, was gewünscht und gekonnt wird.
Berufswegeplanung
Mit der praktischen Ausbildung eng verbunden ist von Anfang an die Berufswegeplanung. Wird es nach der Berufsbildung ein Arbeitsplatz in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen oder ein Arbeitsplatz in einem Unternehmen des ersten Arbeitsmarktes? Gibt es vielleicht auch andere Möglichkeiten, so dass ein gestecktes Ziel in begleiteten Schritten erfolgt?
Besonders hier gilt es, Kontakte zu Arbeitgebern zu knüpfen und das gegenseitige Kennenlernen zu fördern. Es gibt aber durchaus noch andere Möglichkeiten der Teilhabe am Arbeitsleben. In manchen Unternehmen der Region arbeiten Menschen mit Behinderungen als Außenarbeitsgruppe der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen. Dabei machen alle Beteiligten sehr gute Erfahrungen miteinander. Der Arbeitsplatz in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen bedeutet ebenfalls Teilhabe am Arbeitsleben. Die Werkstätten und ihre Beschäftigten sorgen für ein breites Spektrum an Produktion und Dienstleistung.
Neue Wege auch für Autisten
Die Fachtagung in Recklinghausen will Fachleute zusammenbringen, die ihre Erfahrungen austauschen und neue Anregungen aufnehmen. Dabei spielen die praxisnahen Beispiele eine wichtige Rolle. Menschen mit Behinderungen berichten über ihre Erfahrungen auf dem Weg in das Berufsleben. Ein besonderer Schwerpunkt der Fachtagung ist es, sich mit der Berufswegeplanung auch schwer mehrfach behinderter Menschen oder Autisten zu beschäftigen. Neue Wege eröffnen auch hier neue Möglichkeiten.
In zwanzig anerkannten diakonischen Werkstätten für behinderte Menschen finden rund 15.000 Menschen mit Behinderungen ihren Arbeitsplatz in NRW. Zur Zeit werden davon rund 1500 Menschen im Berufsbildungsbereich auf ihren Einstieg in das Berufsleben vorbereitet.
Der Fachverband Behindertenhilfe und Psychiatrie Rheinland-Westfalen-Lippe ist 2008 neu gegründet worden. Er ist ein Zusammenschluss der bis dahin bestehenden Fachverbände der Diakonischen Werke Westfalen und Lippe und des Diakonischen Werkes Rheinland. Im Fachverband sind z. Zt. 150 Träger von Diensten und Einrichtungen zur Unterstützung von Menschen mit geistigen, psychischen, körperlichen und Sinnes-Behinderungen zusammengeschlossen.
Die Recklinghäuser Werkstätten des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Recklinghausen e.V. bieten über 1600 Menschen mit Behinderungen einen Arbeitsplatz. 130 Menschen befinden sich augenblicklich im Berufsbildungsbereich.