18. September 2009
Europas offenes Tor für Flüchtlinge
12. Europäische Asylrechtstagung auf Malta

Foto: UNHCR
Zum zwölften Mal treffen sich vom 4. bis 11. Oktober Multiplikatoren aus kirchlich-diakonischer und zivilgesellschaftlicher Flüchtlings- und Migrationsarbeit zur Europäischen Asylrechtstagung in Rabat (Malta).Träger der internationalen Tagung sind die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, die Evangelische Landeskirche in Baden, die Reformierte Kirche in Frankreich und der Landesverband NRW von pro familia. Gemeinsam suchen sie mit Verantwortlichen staatlicher Stellen und internationaler Organisationen sowie mit Vertretern der Europäischen Kommission und Nichtregierungsorganisationen vor Ort Lösungsschritte für eine menschenwürdige Flüchtlingspolitik an einer EU-Außengrenze zu entwickeln. Der Tagungsort Malta ist wie andere Regionen im Mittelmeerraum für viele Migranten aus Afrika das Tor nach Europa.
Malta wird alleine gelassen
In dem Inselstaat sind die Probleme der europäischen Flüchtlingspolitik besonders sichtbar. Mit hohem technischen und personellen Aufwand versucht die EU, ihre Außengrenze vor illegaler Einreise zu schützen. Trotzdem erreichen jedes Jahr hunderte Flüchtlinge aus Afrika die Insel, die dort zunächst inhaftiert und dann in Lagern untergebracht werden. Neben den Gefahren während der Flucht erwartet die Migranten eine oft jahrelange Perspektivlosigkeit, weil sie ihr angestrebtes Ziel nicht erreichen können. Der kleine Inselstaat Malta wird mit seiner „Flüchtlingsproblematik“ weitgehend allein gelassen.
Erfahrungsaustausch und Vernetzung
Auf der zwölften Europäischen Asylrechtstagung wollen die Vertreter von Flüchlingshilfsorganisationen aus zahlreichen europäischen und afrikanischen Ländern speziell die Situation auf Malta kennen lernen. Dazu sind Gespräche zwischen Repräsentanten der Regierung, der EU und Hilfsorganisationen vor Ort geplant. Ergänzend zum Tagungsgeschehen besuchen die Tagungsteilnehmer Flüchtlingslager, um so hautnah die Situation der Flüchtlinge zu erleben und sich von ihnen informieren zu lassen. Daneben wird es einen Erfahrungsaustausch über die Migrationspolitik in den einzelnen europäischen Staaten geben. Ziel ist die Fortsetzung der umfassenden Vernetzung in der Flüchtlingsarbeit, um so auf die nationale wie europäische Politik einwirken zu können.
Praktiker aus Europa und Afrika
Die Europäische Asylrechtstagung hat eine lange Tradition. Nachdem über Jahre die Evangelische Kirche im Rheinland zusammen mit der Evangelischen Landeskirche in Baden und der Diakonie in Württemberg die Trägerschaft inne hatte, ist in diesem Jahr erstmals die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe federführend. Finanziell unterstützt wird die Tagung unter anderem vom Auswärtigen Amt, der Evangelischen Kirche in Deutschland, der UNO-Flüchtlingshilfe, dem Deutschen Caritasverband und der Stiftung Pro Asyl. Die Organisatoren sind Praktiker aus der Asylrechts- und Flüchtlingsarbeit in Deutschland, Frankreich, Belgien, Griechenland, der Türkei, Ukraine, Moldawien, Marokko und Mali. Eine Dokumentation der Tagung wird zeitnah erscheinen.