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Archiv 2009

3. April 2009

Diakonie entdeckt Gemeinde

Wie ist das Verhältnis von Diakonie und Kirche?

Ein gelungenes Projekt für die Verknüpfung von Diakonie und Gemeindearbeit: Die St.Jakobus-Kirchengemeinde in Minden feiert in diesem Jahr den 200. Geburtstag von Johann Hinrich Wichern. Bei einer ganz besonderen Aktion kann man auf den Spuren Wicherns wandeln.

Wie lässt sich das evangelische Profil der Diakonie und das diakonische Engagement in Kirchengemeinden stärken, darüber diskutierten gut zwei Dutzend Beauftragte für Gemeindediakonie, Diakoniepfarrer aber auch Geschäftsführer kreiskirchlicher Diakonie-Werke am 25. März in Düsseldorf. Erstmals trafen sie sich auf Einladung der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL) zu einem Erfahrungsaustausch. Über die vielfältigen Aufgaben im Arbeitsfeld zwischen Diakonie und Kirche wussten die Teilnehmer viel zu berichten:

 

Sie gehen in den Konfirmandenunterricht und berichten über diakonische Arbeit. Gemeinsam mit Gemeindegliedern bereiten sie einen Diakoniegottesdienst vor. Pfarrerinnen und Pfarrern helfen sie bei der Suche nach der richtigen Beratungsstelle. Für Diakoniepresbyter bieten sie Fortbildungen an. Die Aufgaben der Diakoniepfarrer oder Beauftragten für Gemeindediakonie sind vielfältig. In zahlreichen regionalen diakonischen Werken sind sie eine Verbindungsstelle zwischen Diakonie und Kirche

 

Historische Entwicklungen

In einem Kurzimpuls schilderte der Leiter der Stabsstelle Diakonisches Profil und Kommunikation der Diakonie RWL, Volker König, Entwicklungen im Verhältnis von Kirche und Diakone. Während es bis weit in die 1970er Jahre hinein durch Diakonissen und Diakonie enge Bindungen gab, entfremdeten sich Kirche und Diakonie zunehmend durch die Professionalisierung und den ökonomischen Druck im Bereich der Sozialarbeit. In den letzten Jahren werde dies von immer mehr Verantwortlichen in Kirche und Diakonie als unbefriedigend kritisiert. Das EKD-Papier „Kirche der Freiheit" zum Beispiel träume von einer evangelisch profilierten Diakonie, in der die Verbindung zur verfassten Kirche besser verwirklicht sei als heute.

 

Von Willow Creek bis Gemeinwesenarbeit

Neue Impulse kämen darüber hinaus von unterschiedlichen Seiten. Die charismatische Willow-Creek-Bewegung werbe für ein verstärktes diakonisches Engagement von Gemeinden und verbinde dies mit missionarischen Angeboten. Von staatlicher Seite werde das Engagement aller gesellschaftlichen Gruppen, auch der Kirchengemeinden, für ihren Stadtteil in der Gemeinwesenarbeit eingefordert. Kirche solle hier mit anderen Verantwortung vor Ort übernehmen. Noch weiter gehe der Psychiater Klaus Dörner, der das staatlich und das marktwirtschaftlich dominierte Sozialsystem als gescheitert ansieht. Stattdessen müsse bürgerschaftliches Engagement, wie es Kirchengemeinden praktizieren, in den Vordergrund treten.

 

Probleme und Herausforderungen

Die Teilnehmer des Treffens waren sich einig, dass eine engere Vernetzung ihrer Arbeit nötig sei. So könnten erfolgreiche Angebote und Modelle an anderen Orten kopiert und wiederholt werden. Denn oft stünden sie vor den gleichen Problemen: Kirchengemeinden, die keinen Diakonie-Ausschuss oder -Beauftragten benannt haben. Pfarrer, die gar nicht wüssten, was sie mit ihrer Diakoniekollekte machen können. Große diakonische Träger, die ohne Rücksichtnahme auf lokale Gegebenheiten mit neuen Einrichtungen expandieren.

 

Die Vernetzung untereinander soll weitergehen. Es ist geplant, dass es in Zukunft weitere Treffen für Diakoniepfarrer und Beauftragte für Gemeindediakonie im Bereich der Diakonie RWL geben soll.

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