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Archiv 2009

14. Februar 2009

Gemeinschaft statt Einsamkeit

Menschen mit Demenz mitten in unserer Gemeinde

Zwei Frauen im Gespräch

Teilnehmende der Tagung im Gespräch

Vereinsamung ist eine der größten Belastungen für viele demenziell Erkrankte und ihre Angehörigen. Auf einer Tagung des Evangelischen Zentrums für Innovative Seniorenarbeit und des Evangelischen Verbands für Altenarbeit im Rheinland im Haus der Diakonie in Düsseldorf wurde gezeigt, dass Kirchengemeinden sich an der Unterstützung von Betroffenen wirksam beteiligen können. Zu der Veranstaltung waren 100 Haupt- und Ehrenamtliche aus Kirchengemeinden, Diakonie und anderen Verbänden gekommen.
"Gerade, wenn Menschen dringend Kontakt, Unterstützung, Entlastung und Zuspruch benötigen, sind sie sehr oft allein, Erkrankte wie Angehörige", berichtet Klaus-Joachim Börnke, Leiter des Projektes "Ansehen geben" zur Unterstützung demenziell Erkrankter und ihrer Angehörigen, in seinem Beitrag. In dieser Situation sei die Gesellschaft gefragt, viel mehr aber noch aus ihrem Selbstverständnis heraus die Kirchen. "Es besteht kein Zweifel daran, dass Menschen mit Demenz in immer größer werdender Zahl mitten in unseren Gemeinden leben. Doch noch stehen sie vielerorts vor verschlossenen Türen - das darf nicht so bleiben", fordert Börnke, der mit seinem Projekt Unterstützung bei der Initiierung von neuen Angeboten bietet.

Förderung und Beratung für den Aufbau neuer Angebote

Unterstützung für neue Angebote gibt es auch durch Kollektenmittel, die in Kirchengemeinden im Rheinland unter dem Motto "Hilfe für alte Menschen" gesammelt wurden. Das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche im Rheinland fördert mit diesen Mitteln in diesem Jahr Projekte zur Belebung von Nachbarschaften für alte und junge Menschen. Besonders gefördert wird die Qualifizierung von Haupt- und Ehrenamtlichen zum Aufbau von niedrigschwelligen Betreuungsangeboten für Menschen mit Demenz und anderen Unterstützungsangeboten für Angehörige. Die maximale Fördersumme beträgt 2000 Euro für Honorarkosten oder Öffentlichkeitsarbeit. Interessierte können sich an Gabriele Winter von der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe wenden, um sich für die Initiierung von Projekten und zu Fördermöglichkeiten beraten zu lassen.

Vorbereitungsteam der Tagung: vier Personen vor Werbefläche des Evangelischen Zentrums für Innovative Seniorenarbeit
Claudia Hartmann, Gerrit Heetderks, Gabriele Winter und Klaus-Joachim Börnke vom Evangelischen Zentrum für Innovative Seniorenarbeit

Einfache Schritte

Was kann eine Kirchengemeinde in diesem Zusammenhang leisten? Klaus-Joachim Börnke stellte in seinem Beitrag auf der Tagung einfache Schritte vor: "Überall fehlt es Angehörigen an Information und Austausch. Holen Sie sich Fachleute zu öffentlichen Themenabenden. Information und Aufklärung hilft allen, baut Ängste ab, fördert das Problembewusstsein und Verständnis, verbessert Kommunikation und ist eine erste Plattform für Kontakte mit Betroffenen, besonders mit Angehörigen". Ein zweiter Schritt könne dann der Aufbau von Unterstützungsangeboten sein, etwa eine Betreuungsgruppe oder häusliche Betreuungspartnerschaften. Gottesdienste für demenziell erkrankte Menschen könnten die Angebote sinnvoll ergänzen.

Netzwerkbildung

Erste Grundlage für wirksames Handeln einer Kirchengemeinde sei aber der Aufbau eines guten Netzwerks. Klaus-Joachim Börnke: "Überfordern Sie sich nicht! Sie können in ganz kleinen Schritten anfangen, aber Sie sollten es nicht alleine tun. Gehen Sie auf fachkompetente Partner zu." Angesprochen werden könnten zum Beispiel Diakoniestationen, Pflegedienste, Selbsthilfeorganisationen oder ein in der Nähe ansässiges Pflegeheim.

Zugang zu Angehörigen

"Menschen mit Demenz unterstützen heißt in erster Linie auch, Angehörige zu unterstützen" ist die Botschaft im Tagungsbeitrag von Claudia Hartmann, die in einem Kooperationsprojekt von Diakonie RWL und Evangelischer Erwachsenenbildung einen Leitfaden zur Fortbildung für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Begleitung von demenzerkrankten Menschen entwickelt hat. Angehörige seien fast immer Experten im Umgang mit Demenz, stießen aber oft auf Unverständnis und Belehrung: "Du musst loslassen, Abschied nehmen" sei beispielsweise ein Ratschlag, den Angehörige häufig zu hören bekommen. Der erste Schritt für die wirksame Unterstützung Angehöriger sei aber, ihre Erfahrungen und Sichtweisen wahr- und ernstzunehmen. Erst dann könnten sich Angehörige für Handlungsalternativen im Umgang mit den Erkrankten öffnen und Unterstützung akzeptieren.

Betreuungsangebote

In zwei weiteren Beiträgen wurde Mut gemacht, Betreuungsangebote zu initiieren. Petra Wienß (Diakonie in Düsseldorf) hat in ihrer Begegnungsstätte ein Qualifizierungsprogramm für Ehrenamtliche zum Umgang mit demenziell erkrankten Menschen entwickelt und erprobt. Sie ruft zu mehr Gelassenheit bei der Entwicklung von Angeboten auf: Man dürfe am Anfang ruhig etwas falsch machen - viel wichtiger sei, dass Angebote entstehen und eigene Erfahrungen gemacht werden. Petra Wienß: "Wir wissen alle, wie man Türen zu Menschen öffnet: Wir gehen freundlich auf andere zu, zeigen Interesse, haben Interesse. Und wie öffnen wir Türen zu Menschen mit Demenz? Wir gehen freundlich auf sie zu..." In einem weiteren Beitrag von Hilde Hartmann-Preis vom Forum Demenz - Gesundheitsnetzwerk in Duisburg wurden dann noch die wichtigsten Schritte bei der Initiierung von Betreuungsangeboten vorgestellt.

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