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27. Januar 2010

Diakonie in Rheinland-Pfalz

Trägerkonferenz fordert Solidarität mit Armen und Benachteiligten

Speyer, 25. Januar. Die Trägerkonferenz der diakonischen Einrichtungen im Land Rheinland-Pfalz tagte heute in Speyer. Unter der Fragestellung: Was ist uns die soziale Arbeit in Rheinland-Pfalz wert? diskutierten rund 120 Teilnehmende mit Politikern über die Zukunft des Sozialstaates.

 

Finanz- und Wirtschaftskrise spürbar

Die Diakonie in Rheinland-Pfalz blickt mit Sorge in die Zukunft. Angesichts der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise, die auch in Rheinland-Pfalz immer stärker spürbar ist, wird der weitere Abbau des Sozialstaates auf Kosten der Armen und Schwachen in der Bevölkerung befürchtet. Der Sprecher der Diakonie in Rheinland-Pfalz, der pfälzische Oberkirchenrat Manfred Sutter, bat den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck, die soziale Verantwortung des Landes auch zukünftig aufrecht zu erhalten. „Als Spitzenverband versteht sich die Diakonie in Rheinland-Pfalz als sozialpolitischer Anwalt für die Armen und Benachteiligten im Land“, unterstrich Sutter.

 

Für Erhalt des Sozialstaats kämpfen

„Lassen Sie uns gemeinsam für den Erhalt des Sozialstaats kämpfen“, forderte der Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werkes in Hessen und Nassau, Pfarrer Dr. Wolfgang Gern. Gemeinsam mit der Politik müssten zukunftsfähige Konzepte gegen Armut entwickelt werden. Gern zitierte den Bundesverfassungsrichter a.D. Dr. Helmut Simon: „Wer wenig im Leben hat, muss viel Recht haben. Denn die Stärke der Gesellschaft misst sich am Wohl der Schwachen“.

 

Ministerpräsident: Wir brauchen die Diakonie

Ministerpräsident Kurt Beck bekannte sich zu den Gedanken der Sozialstaatlichkeit und der Subsidiarität: „Wir brauchen die Gemeinschaft der Steuerzahler, die einen angemessenen Beitrag zur Finanzierung der Sozialsysteme zahlt. Wir brauchen aber auch die Sozialverbände wie die Diakonie, die die christlichen Werte der Menschlichkeit, der Nächstenliebe und der Menschenwürde in die sozialpolitische Diskussion eintragen.“

 

Der stellvertretende Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Städtetages, der Speyerer Oberbürgermeister Werner Schineller, hob hervor, dass Rheinland-Pfalz bundesweit einen Spitzenplatz im Bereich der sozialen Sicherung einnimmt. Allerdings hätten die Kommunen durch ständig steigende Ausgaben im Pflichtleistungsbereich keine finanziellen Ressourcen für die so genannten freiwilligen Leistungen. „Wir befinden uns in einer Zeit des Umbruchs, die unsere sozialen Sicherungssysteme verändern wird“, sagte Schineller. Eigenverantwortung, Eigeninitiative und Selbstbestimmung der Bürger müssten gefördert werden, ohne die staatlich finanzierte Daseinsfürsorge aufzugeben.

 

Arbeitsgemeinschaft Diakonie in Rheinland-Pfalz

Um die Vertretung "Diakonie in Rheinland-Pfalz" als Verbandsinstanz gemeinsam mit den Evangelischen Kirchen profiliert auszurichten, haben die Präsidenten und der Präses der evangelischen Landeskirchen in Rheinland-Pfalz und die Vertreter der Diakonischen Werke im Dezember 2009 eine Ordnung für eine "Arbeitsgemeinschaft Diakonie in Rheinland-Pfalz" vereinbart. Bei der Vorstellung der geplanten neuen Struktur erläuterte der Vorstand des Diakonischen Werkes der Ev. Kirche im Rheinland, Dr. Moritz Linzbach, gegenüber der Trägerkonferenz, dass es darauf ankomme, eine "lebensfördernde und zweckmäßige im Wettbewerb orientierte Gemeinwohlvertretung mit Blick auf das Ganze" zu schaffen, und die Arbeit der landesweiten und koordinierenden Referentinnen und Referenten der Diakonie durch eine Geschäftsführung mit Sitz in Mainz stärker zu bündeln. Mit dem neuen Modell sei außerdem beabsichtigt, "die Mitarbeitenden drei Diakonischen Werke in Rheinland-Pfalz auch in das operative Geschäft in Mainz einzubinden und die Zusammenarbeit zwischen dem Beauftragten der Landeskirchen und dem Sprecher der Arbeitsgemeinschaft auf eine neue Grundlage zu stellen" ging Dr. Uwe Becker, Sprecher des Vorstandes des rheinischen diakonischen Werkes, auf Fragen und Bedenken der Versammlung ein. Außerdem werde die neue Struktur nach zwei Jahren einer Überprüfung unterzogen.

Verabredet wurde, die Träger nach dem Inkrafttreten der Vereinbarungen zur Arbeitsgemeinschaft voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte über Einzelheiten und Personelles erneut zu unterrichten.

 

Hintergrund

Die Trägerversammlung der Diakonischen Werke in Rheinland-Pfalz tagt einmal jährlich. Sie versammelt alle Träger diakonischer Einrichtungen im Land Rheinland-Pfalz. Insgesamt beschäftigen die Trägereinrichtungen ca. 25.000 Mitarbeitende. Rund 15.000 freiwillige Helfer/-innen engagieren sich ehrenamtlich für die Diakonie.

 

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