15. November 2010
Kinder nicht mitbestrafen!
Evaluation des Projekts "Freiräume" des Ev. Gemeindedienstes Innere Mission Bielefeld e.V. im Ev. Johanneswerk

Freiräume gibt Kindern von Inhaftierten die Möglichkeit, einfach Kind zu sein
Foto: Werner Krüper
Von der Inhaftierung eines Elternteils sind Kinder nachhaltig betroffen. Die Strafe betrifft somit nicht nur den Täter oder die Täterin, sondern das gesamte Familiensystem und die Kinder als schwächstes Mitglied in besonderem Maße. Freiräume, ein Projekt des Ev. Gemeindedienstes Innere Mission Bielefeld e.V. im Ev. Johanneswerk Bielefeld, hilft Kindern mit der Inhaftierung eines Elternteils umzugehen. Jetzt wurde das Projekt evaluiert.
Werden die Väter - oder seltener die Mütter - inhaftiert, ist dieses für die Kinder ein einschneidendes und dramatisches Erlebnis. Die Kinder erfahren Stigmatisierungen, Diskriminierungen sowie soziale Benachteiligungen außerhalb der Familien, zum Beispiel in Kindergarten und Schule. Sozialer Halt und Sicherheit gehen verloren, Angst, Wut, Enttäuschungen und sozialer Rückzug sind mögliche Folgen, die traumatische Ausmaße annehmen können.
Ein Teil der Kinder und Jugendlichen reagiert auf diese Situation durch sozial abweichendes, zum Beispiel aggressives Verhalten. In vielen Familien wird der Grund für die Abwesenheit des inhaftierten Elternteils verschwiegen oder geleugnet. Daraus resultierende psychische Belastungen der Eltern oder Konflikte zwischen diesen können von den Kindern nicht eingeordnet werden.
Deswegen benötigen Kinder und Jugendliche aus Familien Straffälliger besondere Unterstützung. Sie haben einen Anspruch auf eine altersgerechte Vermittlung der Wahrheit über die Straffälligkeit, damit sie die massiven Veränderungen durch die Inhaftierung eines Elternteils in ihre Lebenswelt integrieren können. Die Anlaufstelle Freiräume unterstützt sie und bietet gezielte Angebote an.
- Fachartikel über die Auswertung des Projekts Freiräume
- Evaluation_des_Projekts_Freiraeume.pdf