7. Dezember 2010
"Beratung in diakonischen Einrichtungen"
Ein neues Angebot der Gemeindeberatung/Organisationsentwicklung (GO)

Für diakonische Einrichtungen in Rheinland, Westfalen und Lippe gibt es ein neues Beratungsangebot. Zehn Beraterinnen und Berater der Gemeindeberatung/Organisationsentwicklung "Go" der EKiR haben sich in einer Aufbauausbildung darauf spezialisiert, diakonische Einrichtungen zu Führungs- und Organisationsfragen, zum Finanzmanagement und bei der Qualitätsentwicklung zu beraten.
Die in dieser Konstellation bundesweit einmalige Fortbildung wurde als Kooperationsprojekt von der Bundesakademie für Kirche und Diakonie und der Gemeindeberatung/Organisationsentwicklung (GO) angeboten.
Pfarrer Dieter Pohl: "Beraterinnen und Berater mit besonderer Beziehung zur Diakonie"
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Vermittelt wurden Grundlagen international etablierter Managementlehren, u. a. zur Führung und Steuerung sozialer Organisationen und zur Gestaltung von Umstrukturierungsprozessen. Dieses Wissen wurde verknüpft mit systemischen Beratungsmethoden, mit denen alle Teilnehmenden bereits vertraut waren: Voraussetzung für die Fortbildung sind eine dreijährige Ausbildung als Gemeindeorganisationsberater/in sowie Praxiserfahrungen in der Beratung von Leitungsgremien.
Die Fortbildung bestand aus einem Wechsel von drei Seminareinheiten mit Lern- und Umsetzungsphasen, in denen Beratungsprojekte mit diakonischen Einrichtungen durchgeführt wurden. Supervisionstage dienten dem Austausch und der Reflexion der Erfahrungen.
Pfarrerin Bettina Gummel: "In Diakonie und Kirche zuhause"
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Marktlücke
"Unsere Stärke ist, dass wir in Kirche und Diakonie zuhause sind. Und überall, wo es Schnittstellen gibt, hat die GO mit ihrem neuen Angebot besondere Kompetenzen zu bieten. Ich glaube, dass diese besondere Feldkompetenz in beiden Bereichen ein Alleinstellungsmerkmal der GO ist", sagt Pfarrerin Bettina Gummel, die an der Fortbildung teilgenommen hat. In Beratungsprozessen werde rasch deutlich, dass es in der Praxis viel mehr Schnittstellen zwischen Kirche und Diakonie gebe, als von Verantwortlichen wahrgenommen wird. Nicht selten stehen zunächst Verstimmungen über langsame und schwierige Prozesse der Zusammenarbeit im Vordergrund, berichtet Bettina Gummel aus ihren Erfahrungen. "Was toll wäre, wenn jeder die Stärken des anderen sehen kann und auch Nutzen daraus zieht", so Gummel.
Praxisbeispiel
Die Beratung von Organisationen durch die GO wird immer zu zweit durchgeführt, wenn möglich von einer Frau und einem Mann und mit unterschiedlichem Berufshintergrund. Bettina Gummel, Pfarrerin und Transaktionsanalytikerin und Werner Dotzauer, Diplom-Verwaltungswirt, haben beide an der Fortbildung teilgenommen und berichten von einem erfolgreichen gemeinsamen Beratungsprojekt für ein Diakonisches Werk: Die Geschäftsführung des Diakonischen Werks will im operativen Bereich beweglicher werden und dafür in Personal- und Sachentscheidungen unabhängiger vom Kirchenkreis agieren können, so lautet der Auftrag an das Beratungsteam. Zugleich wünscht sich die Geschäftsführung von den Leitungsgremien der Gemeinden mehr Interesse und Unterstützung für die Arbeit diakonischer Einrichtungen. Dieser Wunsch wurde im Beratungsprozess sanft umformuliert: Die Geschäftsführung interessierte sich nun mehr für kirchliche Strukturen. Über monatliche Treffen mit dem Beratungsteam wurden die anderen Ziele im Fokus gehalten und Chancen zur Veränderung "intuitiv" genutzt. "Beratung kann keine Rezepte vorgeben, aber anschieben und begleiten", so Werner Dotzauer. In dem vorgestellten Praxisbeispiel war dies geglückt, begleitet von den etwa zehn dreistündigen Beratungsworkshops im Verlauf von zwei Jahren.
Werner Dotzauer: "Wir begleiten auch die Umsetzung"
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Gemeindeberatung
Die Ursprünge der Gemeindeberatung/Organisationsentwicklung (GO) kommen aus den 70er Jahren. Beraten wurden Gemeinden, die sehr häufig selbst noch diakonische Einrichtungen unterhielten. Unternehmerische Diakonie war ein integrales Thema der Gemeindeberatung, der Beratungsbedarf bezog sich oft auf die Ausweitung von Arbeitsfeldern und Aktivitäten bis hin zu Ideen, verschiedene Berufsgruppen in den Gemeinden zusammenarbeiten zu lassen, berichtet Pfarrer Dieter Pohl, Leiter der GO, der die Anfänge der Gemeindeberatung miterlebt hat.
Inzwischen sind es fast immer Finanzprobleme, die zu Beratungsanfragen führen. Das ist die Erfahrung von Werner Dotzauer, hauptberuflicher Berater bei der GO seit 2002. Viele Presbyterien seien verstrickt in inneren Konflikten, die aufbrechen, wenn schmerzhafte Entscheidungen nicht länger aufgeschoben werden können: "Da, wo das Geld nicht mehr reicht, kommt häufig auch der Streit daher", so Werner Dotzauer zu einem möglichen Hintergrund von Konflikten in Presbyterien. Die Beratung der GO biete hier die Chance, alle Mitglieder des Presbyteriums wieder in Entscheidungsprozesse einzubinden und zu nachhaltigen Lösungen zu kommen, die von allen akzeptiert werden. Voraussetzung sei, dass alle Meinungen Gehör finden. Um dies zu erreichen, werden neue und kreative Methoden eingesetzt. Dotzauer: "Wenn man mit einer Arbeitsweise in eine Sackgasse geraten ist, lohnt es sich, nach neuen Arbeitsformen zu suchen". Dies geschehe im Beratungsprozess fast automatisch: "Man hat manchmal das Gefühl, dass Menschen ihr Benehmen neu lernen, wenn Berater dabei sind", berichtet Dotzauer von seinen Erfahrungen. Bettina Gummel formuliert es so: "Es ist sehr anrührend mitzuerleben, wie Menschen aufblühen, wenn sie im Beratungsprozess merken, dass ihre Meinung gehört und gewertschätzt wird." In solchen Prozessen entstehe Akzeptanz für Entscheidungen, auch dann, wenn sie am Ende nicht von allen befürwortet werden.
Angebotsspektrum
Die vorgestellten Beratungsangebote sind nur ein Auschnitt aus der Tätigkeit der GO. Angeboten werden zum Beispiel auch Einzelcoachings, etwa zur Begleitung bei der Übernahme neuer Aufgaben. Die Coachings werden, anders als die Beratungen von Organisationen und Gremien, von einem Berater oder einer Beraterin durchgeführt.
Kosten
Jede Beratungsstunde bei der GO wird für Einrichtungen der Kirche und Einrichtungen der Diakonie innerhalb der Kirche mit 80 Euro berechnet, weitere Kosten entstehen nicht. Bei externen Trägern (gGmbHs) werden Fahrtkosten zusätzlich in Rechnung gestellt.