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Archiv 2010

18. März 2010

KiBiz auf dem Prüfstand

Diakonie RWL zieht Zwischenbilanz

Die Erfahrungen der evangelischen Träger und Kindertageseinrichtungen in NRW bestätigen die Bilanz der Wohlfahrtsverbände. Mehrfach haben die Evangelischen Kirchen und ihre Diakonie RWL deutlich auf erhebliche Defizite des Kinderbildungsgesetzes hingewiesen. „Anspruch und Umsetzung des KiBiz liegen zum Teil weit auseinander. Die Rahmenbedingungen vor Ort entsprechen der Zielsetzung nicht“, kommentiert Dr. Uwe Becker, Vorstand der Diakonie RWL. Der Ausbau der Plätze für Kinder unter drei Jahren sei sehr zu begrüßen. Aber gerade für diese Altersgruppe reiche die personelle Ausstattung nicht und müsse dringend verbessert werden.

 

Zu wenig Platz

Die räumliche Ausstattung entspricht in vielen Einrichtungen nicht mehr den unter KiBiz ausgeweiteten Angeboten. Teilweise sind heute bis zu 60 Kinder über Mittag in den Kindertageseinrichtungen. „Allein die Versorgung dieser vielen Kinder mit Mittagessen und Schlafgelegenheiten bringt die Einrichtungen absolut an ihre Grenzen. Hier müssen dringend weitere Gelder für die erforderlichen Investitionen bereitgestellt werden.“ stellt Maria Loheide, Geschäftsbereichsleitung Familie, Bildung, Erziehung bei der Diakonie RWL, fest.

 

Fakten:

  • In NRW gibt es rund 1700 evangelische Tageseinrichtungen für Kinder mit rund 110 000 Plätzen.
  • Die evangelischen Kirchen stellen rund 100 Millionen Euro an Eigenmittel für ihre Kindergärten zu Verfügung.

Hohe pädagogische Ansprüche

Die Kindertageseinrichtungen sollen ein hohes Maß an Flexibilität für die unterschiedlichen Bedarfe der Eltern gewährleisten. Immens gestiegene Ansprüche an frühkindliche Bildung sind in der pädagogischen Arbeit umzusetzen. Dazu ist eine bessere Personalausstattung erforderlich. Insbesondere die Familienzentren sind mit Blick auf ihr umfassendes Anforderungsprofil mit deutlich zu wenig personellen und finanziellen Mitteln ausgestattet.

 

Zu kompliziert und bürokratisch

Von der Zielsetzung der Verwaltungsvereinfachung ist nichts erreicht, im Gegenteil: der Verwaltungsaufwand für Träger und Einrichtungen ist durch KiBiz extrem angestiegen und bindet viel zu viel Zeit- und Personalressourcen. Deshalb fordert die Diakonie RWL schon vor der geplanten Gesetzes-Revision im Jahr 2011 eine Überarbeitung. „Das KiBiz muss dringend nachgebessert werden“, so Loheide abschließend.

 

Forderungen der LAG

Die gleiche Forderung stellte Andreas Meiwes, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (LAG), auf einer Pressekonferenz. Eltern wünschten mehr Betreuung und Bildung als erhofft und von der Landesregierung prognostiziert. „Dass dies zu höheren als den eingeplanten Kosten führt und mehr Geld bereitgestellt werden muss, ist eine richtige, aber nicht überraschende Konsequenz“, betonte Meiwes. Er forderte eine Erhöhung der ausgehandelten KiBiz-Pauschalen, um die erforderliche personelle Mindestbesetzung zu finanzieren. „Das kann nicht bis zur Revision 2011 aufgeschoben werden, sagte der LAG-Vorsitzende.

 

Elternbeiträge vereinheitlichen

Regional unterschiedliche Elternbeiträge kritisierte der Vorsitzende des Arbeitsausschusses Kindertageseinrichtungen der LAG Freie Wohlfahrtspflege Heinz-Josef Kessmann als Folge der Umstellung auf das KiBiz. Er beklagte fehlende Übergangsregelungen, Zeitdruck und verspätete Verfahrensregelungen. Das alles habe zu „regional sehr unterschiedlichen Interpretationen des KiBiz und damit zu erheblichen Verunsicherungen bei den Verantwortlichen“ geführt. So sei das erste KiBiz-Jahr (August 2008 bis August 2009) wegen fehlender Software bis heute nicht abgerechnet worden. „Hier wird deutlich, dass eine einheitliche Steuerung der Gesetzespraxis durch das Land fehlt“, sagte Kessmann.

 

Gewinner und Verlierer

In ihrer Bilanz zur Einführung des KiBiz sieht die Freie Wohlfahrtspflege Gewinner und Verlierer unter den Kindertageseinrichtungen. „Größere Probleme haben vor allen Dingen die Einrichtungen mit besonderen Betreuungsangeboten wie überlangen Öffnungszeiten oder Einrichtungen mit früher so genannten kleinen altersgemischten Gruppen“, sagte Kessmann. Auch viele spezialisierte Einrichtungen oder Kitas mit höheren Personalkosten gehörten zu den Verlierern.

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