15. Oktober 2010
"Belastung wird oft unterschätzt"
Krisentelefon für pflegende Angehörige

©iStockphoto.com/Killroy
Heute wurde das Krisentelefon für pflegende Angehörige des Diakonischen Werkes an der Saar (DWSAAR) freigeschaltet. Unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 30 30 608 bieten ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Beistand im Gespräch und vermitteln an passende Beratungs- und Hilfeangebote. Mittwochs erreichen die Anruferinnen und Anrufer direkt einen Ansprechpartner, an den anderen Tagen ist ein Anrufbeantworter geschaltet. Menschen die Rat suchen, werden dann zeitnah zurückgerufen. Es ist geplant, die Präsenz-Zeiten am Telefon auszubauen.
Belastung bei der Pflege
"Die große Belastung bei der Pflege gerade nahe stehender Angehöriger wird oft unterschätzt", sagt Martin Horzella, Referent in der "Offenen sozialen Arbeit" des DWSAAR. "Häufig haben die Pflegenden keinen Ansprechpartner, geraten zunehmend in soziale Isolation und fühlen sich mit ihren Problemen allein gelassen." Dies könne dazu führen, dass die Grenzen der eigenen Kraft erreicht würden. Die Folge: Es kann zu Empfindlichkeiten und Auseinandersetzungen kommen, die in Aggressionen und Gewalt münden. Allgemein geht man davon aus, dass etwa fünf bis sieben Prozent der Pflegebedürftigen im Alltag von Gewalt in der Pflege betroffen sind. "Deshalb versteht sich dieses Angebot auch als Prävention zur Vermeidung von Gewalt im alltäglichen Miteinander", sagt Horzella.
Erste Klärung von Bedürfnissen
Die mit dem Notrufangebot betrauten Ehrenamtlichen werden von Coach Uwe Quast regelmäßig begleitet und beraten. Sie verfügen über Beratungserfahrung und umfängliche Kenntnisse über die Möglichkeiten der direkten Hilfevermittlung im Einzelfall. "Ziel der Beratung ist nicht die Aufnahme eines eigenständigen Beratungsprozesses, sondern vielmehr die Klärung der Bedürfnisse in der akuten Notsituation und die Weiterleitung an andere Beratungsstellen", sagt Quast. Durch die Vernetzung mit den bestehenden Angeboten und Organisationen, wie etwa den Pflegestützpunkten, Präventionsstellen, Justizbehörden, Seniorensicherheitsberatern oder Kirchengemeinden werde eine angemessene Unterstützung und Vermittlung gewährleistet.
Die Einrichtung des Krisentelefons wurde auch möglich durch die Unterstützung der psd-Bank. Sie stellte dazu eine Spende in Höhe von 4000 Euro zur Verfügung.
Weitere Informationen
- Webseiten des Diakonischen Werks an der Saar
- www.evks-data.de/dwsaar