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Archiv 2010

3. Mai 2010

Kunstprojekte aus 17 Gefängnissen

Uwe Becker, Nikolaus Schneider und Roswitha Müller-Piepenkötter eröffnen Ausstellung im Gefängnis

Buntes Logo mit Aufschrift: Schattenkultur

Offene Zellentüren im Alten Hafthaus Moers: In dem ehemaligen Gefängnis ist jetzt das Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt "Schattenkultur" eröffnet worden. An dem Kulturhauptstadt-Projekt sind die rheinische und westfälische Kirche sowie das NRW-Justizministerium beteiligt. Auf den vier Ebenen der ehemaligen Justizvollzugsanstalt werden bis zum 26. September über 40 verschiedene Kunst-, Theater-, Musik- und Literaturprojekte präsentiert, die die verschlossenen, kreativen Lebensräume hinter Gittern erfahrbar machen sollen.

Dr. Uwe Becker am Mikrofon, neben ihm Roswitha Müller-Piepenkötter

Dr. Uwe Becker, Roswitha Müller-Piepenkötter

Gefangene aus 17 der insgesamt 36 Haftanstalten in NRW sind an den Kunstprojekten beteiligt. Ihr kreatives Potenzial haben sie dabei in teils jahrelanger Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern, zahlreichen Ehrenamtlichen und der Gefängnisseelsorge entwickelt. Während der fünfmonatigen Öffnungszeit sind die sieben bis neun Quadratmeter großen Zellen auf den vier Ebenen unter den Stichworten SeelenRäume, TraumRäume, HerzRäume und InfoRäume jeweils einzeln gestaltet und verwandeln das Alte Hafthaus in ein Gesamtkunstwerk. So gibt es etwa eine Fotoausstellung mit Selbstportraits Jugendlicher unter dem Titel «Seele in Beton», daneben Videoinstallationen, Lyrik, Malerei, Skulpturen oder Buchprojekte.

 

Installation in einer Zelle

Kein gottverlassener Raum

"Das Gefängnis ist kein gottverlassener Raum", erklärte Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, bei der Vernissage in den offenen Zellentrakten. Jeder Mensch behalte seine Würde, egal ob drinnen oder draußen: "Die Schattenkultur bereichert unser aller Kultur", betonte Schneider, der die Haftanstalt aus seiner Zeit als Diakoniepfarrer im Kirchenkreis Moers kennt. Bis zur Schließung 2006 diente das Alte Hafthaus zuletzt als Abschiebegefängnis. "Wir alle leben im Schatten des Kreuzes. Wir gehören zusammen, egal ob drinnen oder draußen", so die Überzeugung des Theologen.

 

Dr. Uwe Becker sitzt am Tisch einer Zelle

Diese Installation, der Originalausstattung einer Zelle nachempfunden, soll die Enge auf neun Quadratmetern erlebbar machen

Bedeutung ehrenamtlichen Engagements

Dr. Uwe Becker, Vorstand der Diakonie RWL, wies auf die Bedeutung ehrenamtlichen Engagements für das Leben in den Gefängnissen hin. Becker: "Dass das Gefängnis kein gottverlassener Raum ist, was Präses Schneider eben gesagt hat, ist theologisch wichtig, und ich glaube, dass diese Tatsache auch Gestaltung braucht. Das macht Diakonie nicht nur mit Hauptamtlichen, sondern auch mit vielen Ehrenamtlichen, sei es in Theater-, Mal-, Sing- und Schreibwerkstattgruppen, die durch ihr vielfältiges Engagement ganz reale Brückenschläge zwischen "drinnen und draußen" vollziehen" Die Ausstellung solle mit ihren Exponaten die Kultur des Miteinanders, das Drinnen und Draußen nicht nur thematisieren sondern zugleich auch aktiv fördern.

Indikator für Humanität

NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) bezeichnete das Projekt als einzigartige Chance für viele Strafgefangene, sich und ihr Leben darzustellen. Der Umgang mit Straftätern im Gefängnis sei ein Indikator für den Stellenwert von Menschenrechten und Humanität in einer Gesellschaft.

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