16. Dezember 2010
Zwischen Tod und Leben, Vorfreude und Verzweiflung
Diakonie bietet Beratung bei Pränataldiagnostik
Die Organisatorinnen der Fortbildung: Kirsten Wassermann (Diakonie Bonn), Barbara Montag (Diakonie RWL), Iris Jares (Beratungsstelle Duisburg/Moers), Gabriele Hess (Beratungsstelle Essen) v.l.
Die moderne Medizin kann schon vor der Geburt mögliche Krankheiten und Schädigungen an Babys erkennen. Diese Pränataldiagnostik ist Fluch und Segen zugleich. Wie sollen werdende Eltern mit der Diagnose umgehen? Was ist, wenn das Wunschkind gefährdet ist? Die Beratungsstellen der Diakonie bieten hierbei Hilfe an.
Seit Anfang 2010 zwei Gesetzesänderungen die Pränataldiagnostik neu geregelt haben, kam auf die Beratungsstellen eine zentrale Rolle zu. Ärzte sind jetzt dazu verpflichtet, nach einer ersten Diagnose auf unabhängige Beratungsstellen hinzuweisen und weitere gendiagnostische Untersuchungen hängen von einer Beratung ab. „Als Diakonie begrüßen wir diese neuen Regelungen. Unsere Beratungsstellen haben sich diesem Thema immer schon gewidmet, aber jetzt spüren wir vermehrt Anfragen“, so Barbara Montag, Geschäftsbereichsleiterin für Familie, Bildung und Erziehung bei der Diakonie RWL.
Schock für die Eltern
Im Unterschied zur klassischen Schwangerschaftskonfliktberatung, die in den ersten Wochen der Schwangerschaft stattfindet und zu der meistens die Frauen alleine kommen, suchen nach einer Pränataldiagnostik oft die werdenden Eltern gemeinsam Rat. „Für viele Eltern ist es ein Schock, wenn sie sich über Wochen auf das Baby gefreut haben und sie dann auf einmal die Nachricht bekommen, dass das Kind geschädigt sein kann“, weiß Kirsten Wassermann, Psychologin an der Beratungsstelle für Schwangerschaftsprobleme des Diakonischen Werkes am Zentrum für Geburtshilfe des Universitätsklinikums Bonn. Dazu kommt, dass viele Eltern nicht wissen, wie sie mit einer Diagnose umgehen sollen, die von einer Wahrscheinlichkeit einer Schädigung spricht. Sie entwickeln zum Teil Ängste und Fantasien, im Bauch wachse ein Monster heran, oder bekommen Schuldgefühle versagt zu haben. Hier gilt es die Eltern emotional zu stabilisieren und sie bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen. „Das ist eine der schwierigsten Beratungen überhaupt, am Nadelöhr zwischen Tod und Leben, zwischen Vorfreude und Verzweiflung“, berichtet Kirsten Wassermann von ihren Erfahrungen.
Fortbildung für Beraterinnen
Damit die Beratungsstellen fachlich und organisatorisch auf diese neuen Herausforderungen angemessen reagieren können, hat die Diakonie RWL eine bundesweit einmalige Fortbildung entwickelt: Psychosoziale Beratung im Umfeld von Pränataldiagnostik. Ziel ist es, dass keine Frau allein bleiben muss mit ihren Sorgen und Fragen nach einer vorgeburtlichen Untersuchung. Neben medizinischen und juristischen Fragen werden die Beraterinnen in der Fortbildung auch ethisch-theologisch und psychologisch geschult. „Grundsätzlich das Ergebnis jeder Beratung offen. Das heißt aber auch, dass wir den werdenden Eltern aufzeigen, welche Grenzen, Möglichkeiten und Hilfen es gibt, mit behinderten Kindern zu leben,“ so Barbara Montag. Die Beratungsstellen können dabei auf ein großes Netz von anderen Einrichtungen – auch der Diakonie – hinweisen.
Im Bereich der Diakonie RWL gibt es 62 Schwangerschaftsberatungsstellen.