30. November 2010
Keiner soll verloren gehen
Adventswort gegen Sparbeschlüsse

Die evangelische und katholische Kirche in Duisburg und deren Wohlfahrtsverbände, Diakonie und Caritas, haben sich aus Anlass der sogenannten Sparbeschlüsse der Bundesregierung mit einem gemeinsamen Adventswort zur Lage der am Arbeitsmarkt benachteiligten und von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossenen Menschen in unserer Stadt geäußert.
Mit dem Ersten Advent beginnt das neue Kirchenjahr. Christinnen und Christen in unserer Stadt begehen den Advent als eine Zeit des Innehaltens und der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest. Wir warten auf das Kommen Gottes und seiner Gerechtigkeit in unsere Welt.
Ungerechte Sozial- und Arbeitsmarktpolitik
In Duisburg ist diese Zeit der Besinnung und der Vorfreude für viele Menschen mit schweren Belastungen verbunden. Die ungerechte Sozial- und Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung zusammen mit problematischen Entscheidungen der kommunalen Verantwortungsträger geht zu Lasten benachteiligter Jugendlicher und Langzeitarbeitsloser. Davon gibt es in unserer Stadt viel zu viele. Ihnen wird auch noch die letzte Perspektive geraubt. Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik heißt künftig: Gut ausgebildete und leicht vermittelbare Erwerbslose sollen möglichst schnell wieder in Arbeit gebracht werden. Allen anderen wird gesagt: Geht nach Hause. Ihr werdet nicht gebraucht. Gefördert werden nur noch die Guten.
Mit Gerechtigkeit hat das nichts zu tun
Der viel zitierte Aufschwung sorgt in einer Stadt wie Duisburg, die seit Jahrzehnten von Massenarbeitslosigkeit gekennzeichnet ist, nicht mal eben für neue Beschäftigung. Wir brauchen auch künftig einen öffentlich geförderten Zweiten Arbeitsmarkt. Auch Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen mehr Hilfe und Unterstützung brauchen als andere, verdienen eine faire Chance auf sinnvolle Beschäftigung.
Was in Duisburg in dieser Hinsicht überhaupt noch möglich sein wird, entscheidet sich ab dem kommenden Jahr ausschließlich an den Vorgaben der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Die gewählten Vertreter unserer Stadt hätten die Möglichkeit gehabt, sich um die Anerkennung als sogenannte „Optionskommune“ zu bemühen und damit für die örtliche Arbeitsmarkt und Sozialpolitik selbst das Sagen zu haben. Der Rat hat das mehrheitlich abgelehnt. Er mag dafür seine Gründe gehabt haben.
Kirche an der Seite der Benachteiligten
Tatsächlich hat er sich mit seiner Entscheidung aus der Verantwortung für die erwerbslosen Bürgerinnen und Bürger verabschiedet. Die christlichen Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände wissen, dass ihr Platz in einer solchen Situation an der Seite derer ist, die besonders benachteiligt werden. Die Botschaft des Kindes in der Krippe lautet: Keiner darf verloren gehen. Wir werden deshalb alles in unseren Kräften Stehende tun, um die nachbarschaftlichen Netzwerke in den Gemeinden und die Hilfe- und Beratungsangebote in den Stadtteilen und Bezirken, so weit es die Mittel zulassen, zu erhalten und auszubauen. Auch die Ärmsten der Armen, die auf keinem Arbeitsmarkt mehr eine Chance haben, dürfen von der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nicht ausgeschlossen werden.
Wir rufen die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt auf zur Solidarität mit denen, die auf der gesellschaftlichen Erfolgsleiter ganz unten stehen. Ihr Nachbar ist, anders als manchmal öffentlich diskutiert wird, nicht faul! Er lebt auch nicht freiwillig auf Ihre Kosten. Die erdrückende Mehrheit derer, die in Duisburg ohne Arbeitsoder Ausbildungsplatz bleiben, sind die Opfer einer über Jahrzehnte verfehlten Struktur- und Arbeitsmarktpolitik.
Recht auf Arbeit
Wir erinnern deshalb die politisch Verantwortlichen in Stadt, Land und Bund daran, dass es ein Recht auf Arbeit gibt. Viele drängende Probleme der Sozial-, der Zuwanderungs- und der Stadtentwicklungspolitik werden viel leichter lösbar, wenn die Menschen Arbeit haben. Dafür zu sorgen, ist deshalb die vorrangige Aufgabe – nicht nur, weil Arbeit die Voraussetzung zur verantwortlichen Sicherung der eigenen Existenz ist, sondern weil sie zur Würde des Menschen gehört.
- Pfarrer Bernhard Lücking Stadtdechant der katholischen Kirche in Duisburg
- Ulrich Fuest und Thomas Güttner Vorstand des Caritasverbandes Duisburg e.V.
- Pfarrer Armin Schneider Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg
- Pastor Stephan Kiepe-Fahrenholz Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Duisburg