Sie sind hier: Start >

Aktuelles

> Archiv >

Archiv 2010

6. Mai 2010

Pflegenoten nicht wissenschaftlich fundiert

Untersuchung der Diakonie RWL kritisiert Methodik der Transparenzberichte

Die Methodik, mit der die Pflegequalität in Heimen und bei ambulanten Diensten gemessen wird, ist pflegewissenschaftlich und statistisch fragwürdig. Zu diesem Ergebnis kommt eine gutachterlicher Stellungnahme, die Professor Marcellus Bonato von der Fachhochschule Münster im Auftrag der Diakonie RWL erstellt hat.

 

Keine pflegewissenschaftliche Kriterien

Das System der Pflegenoten hat ein grundlegendes Manko. Es ist nicht klar, wie man die Qualität von Pflegeleistungen hinreichend überprüfen kann. Es fehlen pflegewissenschaftliche Kriterien, die objektiv messbar und vergleichbar sind. Trotzdem wurde 2008 ein Fragenkatalog entwickelt ohne zu validieren, ob dieses Messinstrument auch tatsächlich das misst, was es zu messen vorgibt. „Die flächendeckende Einführung eines Bewertungssystems in dem Wissen, dass es derzeit keine pflegewissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse über valide Indikatoren der Ergebnis- und Lebensqualität der pflegerischen Versorgung in Deutschland gibt, ist nicht nachvollziehbar“, kritisiert Professor Bonato in seiner gutachterlichen Stellungnahme.

 

Pflege-Gesamtnote zu errechnen ist fahrlässig

Weiter Passagen aus der Stellungnahme zeigen, dass eine objektive Vergleichbarkeit der einzelnen Messergebnisse nicht gegeben ist. Zum einen gibt es erhebliche Unklarheiten und Spielräume beim Ausfüllen des Fragenkatalogs durch die einzelnen Prüfer. Zum anderen gaukelt das Notensystem mit zwei Nachkommastellen eine Bewertungsgenauigkeit vor, die statisch nicht fundiert ist. „Die Note ergibt sich nur aus einer stichprobenartigen Momentaufnahme, bei der die Zahl der überprüften Personen meist so gering ist, dass es fahrlässig ist, daraus eine repräsentative Gesamtnote zu errechnen“, so der Professor für Pflege und Gesundheit. Außerdem ist die Gleichgewichtung der einzelnen Fragen zu beanstanden. Sie kann dazu führen, dass wichtige Kriterien durch weniger relevante Kriterien ausgeglichen werden. Als Konsequenz aus seiner gutachterlicher Stellungnahme empfiehlt Bonato einen gänzlich neuen Entwurf der Methodik statt kleinerer Nachbesserungen am Verfahren.

 

Transparenzberichte bieten keine ehrliche Transparenz

Die Diakonie RWL sieht sich durch diese wissenschaftliche Stellungnahme in ihrer Kritik am bestehenden System der Pflegenoten bestätigt. „Die Transparenzberichte bieten keine ehrliche Transparenz. Gute wie schlechte Noten hängen oft von Zufällen ab und nicht von der tatsächlichen Arbeit der Pflegekräfte vor Ort“, so Ulrich Christofczik, Geschäftsbereichsleiter der Diakonie RWL. Als einer der größten Verbände von Altenpflegeeinrichtungen will sich die Diakonie RWL nun dafür einsetzen, dass die weitere Veröffentlichung der Transparenzberichte ausgesetzt und das ganze Bewertungssystem grundlegend reformiert wird. „Wir wollen, dass Bewohner, Patienten und Angehörige ein realistisches Bild von der Leistung unserer Einrichtungen bekommen. Dazu braucht es aber erst einmal pflegewissenschaftlich fundierte Kriterien, nach denen beurteilt werden kann, wo gute und wo schlechte Pflege geleistet wird“, so Christofczik weiter.

 

zurück zur Liste