24. März 2010
Barrierefreiheit bedeutet nicht nur abgesenkte Bürgersteige
„ichbinwiedu“ - Auftaktveranstaltung zur Behindertenrechtskonvention

Menschenwürde – Barrierefreiheit – Inklusion. Um diese zentralen Begriffe drehte sich die Veranstaltung zur Behindertenrechtskonvention, zu der die Evangelische Stiftung Volmarstein Entscheider in Politik und Wirtschaft und alle Menschen in der Region, die an dem Thema interessiert sind, nach Wetter eingeladen hatte.
UN-Konvention geht alle an
„Die UN-Behindertenrechtskonvention ist ein Thema der Gesellschaft. Es geht uns alle an. Die Evangelische Stiftung Volmarstein möchte Impulsgeber sein und wünscht sich, dass die Gesellschaft das Thema aufgreift“, hatte Pfarrer Jürgen Dittrich, Vorstandssprecher der Evangelischen Stiftung Volmarstein, in der Einladung geschrieben. Über 400 Menschen aus der Region, behindert und nicht behindert, waren der Einladung nach Wetter gefolgt. „Wir sind bewusst mitten in die Stadt Wetter gegangen und nicht in der Evangelischen Stiftung Volmarstein geblieben, weil wir Partner in der Region gewinnen möchten, die zusammen mit uns den Prozess umsetzen helfen“, so Dittrich. Mit Frank Hasenberg (Bürgermeister von Wetter), Dr. Arnim Brux (Landrat des Ennepe-Ruhr-Kreises) und Knut Schuster (Wirtschaftsjunior Hagen) konnte er am Ende der Tagung bereits erste Verabredungen für ein weiteres gemeinsames Vorgehen treffen.
„Wir machen mit“, sagte auch Ines Wegener-Cardenas, Auszubildende im Fachbereich Druck- und Medientechnik des Berufsbildungswerks (BBW) Volmarstein, in der Abschlussrunde. „Wir haben im BBW bereits viele kleine Projekte gestartet. Es gibt viele Kleinigkeiten, die behoben werden müssen.
Behinderte Menschen sind Experten
„Von der Stadt Wetter sollen deutliche Signale ausgehen, wie Inklusion gelingen kann“, sagte Frank Hasenberg in seinem Grußwort am Vormittag. Dass behinderte Menschen teilnehmen sollen, mitten in der Gesellschaft gleichberechtigt leben sollen, forderte auch NRW-Behindertenbeauftragte Angelika Gemkow. „Behinderte Menschen sind die Experten, der Schlüssel für Teilhabe, und ich freue mich, dass die Stadt Wetter diese Impulse setzt“, so die Politikerin. Gemkow würdigte in ihrer Rede die Leistung der Evangelischen Stiftung Volmarstein für die Belange der Menschen mit Behinderung und dankte für die Initiative zur Tagung: „Der Titel der Fachtagung „ich bin wie du“ spiegelt den Wandel und die Weiterentwicklung der Behindertenpolitik sehr gut wieder. Im Mittelpunkt steht die Würde des Menschen, der Respekt voreinander, das Leben in der Gemeinschaft. Wichtig ist, dass alle Akteure in einem Netzwerk zusammenarbeiten.“
Enthusiasmus für Menschenrechtsvertrag
Was die Behindertenrechtskonvention überhaupt ist und was sie für die Behindertenhilfe konkret bedeutet, das erläuterte Prof. Dr. Heiner Bielefeldt, Professor für Menschenrechte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. „Noch nie hat ein Menschenrechtsvertrag so viel Enthusiasmus ausgelöst wie die Behindertenrechtskonvention. Die Aufmerksam ist riesengroß“, sagte er einleitend. Das Aktionsmotto „ichbinwiedu“ sei eine gute Interpretation der Konvention. „Inklusion ist der Anspruch der betroffenen Menschen auf selbstverständliches Dabeisein. Selbstverständlich heißt: nicht nur Türen öffnen, sondern Mauern aufreißen“, so der Wissenschaftler. Dass die Behindertenrechtskonvention eine Spezialkonvention sei, lehnte er mit einem entschiedenen Nein ab. „Es geht um die Glaubwürdigkeit der gesamten Menschenrechte“, so Bielefeldt.
Langfristig denken und am Ball bleiben
Pfarrer Jürgen Dittrich, Vorstandssprecher der Evangelischen Stiftung Volmarstein, führte aus, was die Stiftung Volmarstein beitragen will, um dem Ziel der Beseitigung von Benachteiligungen näher zu kommen. Zunächst solle ein Prozess über eine Zeitspanne von fünf Jahren angestoßen werden. Man wolle „langfristig denken und am Ball bleiben“. „Die Beschäftigung mit der Behindertenrechtskonvention soll kein Strohfeuer sein“, so Dittrich. Er wolle einen Runden Tisch installieren, an dem kleine Ideen und größere Themen zur Sprache kommen, wo Austausch und Zusammenwirken stattfinden.
Zehn verschiedene Foren zu verschiedenen Themen boten nach der Mittagspause Gelegenheit, sich zum Thema zu informieren und sich intensiv darüber auszutauschen, was zu tun ist und was getan werden kann.