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Archiv 2010

12. November 2010

"Mitarbeitende finden, fördern und binden"

Tagung des Evangelischen Verbands für Altenarbeit RWL

Dieter Hanke

Dieter Hanke

"Die alten Menschen in unseren Einrichtungen und in den Gemeinden brauchen gute und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege. Sie zu finden, zu fördern und zu binden ist eine der zentralen Zukunftsaufgaben von Kirche und Diakonie" - so hieß es in der Einladung zur ersten gemeinsamen Mitgliederversammlung und Fachtagung des Evangelischen Verbandes für Altenarbeit RWL. In Vorträgen und Workshops wurde diskutiert, wie diakonische Pflegeeinrichtungen attraktive Arbeitgeber bleiben oder werden können.

 

Zunehmender Fachkräftemangel

Im Hintergrund steht die Prognose, dass der Fachkräftemangel in der Pflege sich weiter verschärfen wird. Bei der Eröffnung der Tagung beschrieb Dieter Hanke, Vorsitzender des EVA, die drohende Entwicklung in drastischen Worten: "Wir suchen Schwester Gabi, oder die Altenpflegerin Annette oder die Pflegehelferin Eische, und niemand ist zu finden, keine ist mehr da." Dabei sei Pflege ein schöner, kommunikativer und anspruchsvoller Beruf mit faktischer Ausbildungs- und Beschäftigungsgarantie und mit guten Aufstiegschancen und guter Durchlässigkeit der Qualifizierung bis hin zum Fachhochschulstudium. Es müsse gelingen, mehr Menschen für den Pflegeberuf zu interessieren und sie auch dauerhaft zu halten. Dazu bedürfe es einer Änderung der Rahmenbedingungen, aber auch einer Änderungen der weit verbreiteten Vorurteile. Der Öffentlichkeit müsse wirksamer vermittelt werden, dass Pflege keine einfache Dienstleistung für geringfügig Qualifizierte und entlohnte Beschäftigte ist.  Hanke kritisierte in diesem Zusammenhang Versuche in der Politik, Anforderungen an Qualifizierung in der Pflege zu senken. Problematisch sei auch das "verrichtungsorientierte Abrechnungsmodell der kassenfinanzierten Leistungen in der Pflege", das mit der karitativen Grundausrichtung der Beschäftigten und der Einrichtungen kollidiere.

 

Portraitfoto

Ulrich Christofczik

Potentiale und Stärken in den Blick nehmen

Ulrich Christofczik, Geschäftsbereichsleiter für Pflege, Alten- und Behindertenarbeit in der Diakonie RWL, wies darauf hin, dass der Fachkräftemangel die Bedeutung einer guten Mitarbeiterbindung noch erhöhe, aber nicht der einzige Anlass sei, sich mit diesem Thema weiter zu befassen: "Die guten, die zur Einrichtung passenden, die mit dem Unternehmen identifizierten Mitarbeitenden sind der Erfolgsfaktor und das Kapital einer Einrichtung", so Christofczik. Gerade die Wertschätzung von Mitarbeitenden, die Sicht auf ihre Potentiale und Stärken aber auch die Wahrnehmung von Schwächen in einer wohlwollenden Grundhaltung seien ein zentraler Teil christlicher Werthaltung. "Es braucht keinen Fachkräftemangel, um diese Haltung in einer christlichen Einrichtung selbstverständlich zu leben", so Christofczik in seiner Andacht zum Auftakt der Tagung.

 

Mitgliederversammlung

Auf der Mitgliederversammlung wurde vom EVA-Vorsitzenden Dieter Hanke der Geschäftsbericht des EVA für 2009/2010 vorgetragen; der EVA-Vorsitzende Gerhard-Wilhelm Brand hatte seine Teilnahme kurzfristig absagen müssen. Die Mitgliederversammlung verlief in sehr guter Atmosphäre. Viele Mitglieder äußerten ihre Freude, dass Dieter Hanke wieder in vertrauter Weise dabei war.

Beifall fand die ablehnende Haltung der Diakonie RWL zum System der Pflegenoten und der dazu herausgegebene "Zwischenruf". Deutlich wurde, dass in allen Bereichen der Altenhilfe Vieles in Bewegung ist. Dazu gehören die starke Zunahme an Tagespflegeeinrichtungen, neue Projekte in der Gemeinwesenarbeit, eine kontinuierliche und eng vernetzte Qualitätsentwicklung bei den Fachseminaren für Altenpflege, eine stark zunehmende Beteiligung an den Regionalkonferenzen zur stationären Altenarbeit und eine sehr große Zahl an gut besuchten Tagungen und Seminaren, die von der Diakonie RWL und dem Fachverband veranstaltet wurden. Der komplette Geschäftsbericht ist ab Montag weiter unten bei den Dokumenten zu finden.

 


Thomas Müller

Aus den Vorträgen und Foren

Plenumsvortrag: "Mitarbeitende finden, fördern und binden"

Im Plenumsvortrag ging es um konkrete Strategien zur Gewinnung und Bindung von Mitarbeitenden in der Pflege. Dazu wurde über das Spektrum der Faktoren für ein gutes Betriebsklima gesprochen. Ein Aspekt, der zunehmende Bedeutung gewinne, seien Angebote zur Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz, so Thomas Müller von der Firma Contec, der den Plenumsvortrag hielt. Wichtig sei es, Mitarbeitende bei Maßnahmen zur Gesundheitsförderung einzubeziehen und das gemeinsame Nachdenken über Gesundheitsthemen zu fördern.  Unerläßlich sei, wie bei anderen Themen auch, dass sich Führungskräfte ihrer Vorbildfunktion bewusst seien. Das bedeute in diesem Beispiel konkret: Auch Führungskräfte sollten Grundregeln der Gesundheitserhaltung beachten, zum Beispiel regelmäßige Pausen mit gestalteten Entspannungsmöglichkeiten.

 


Prof. Dr. Tim Hagemann

Forum I: Gesundheitsförderung im Arbeitsalltag diakonischer Einrichtungen durch spirituelle Angebote

Raum für Spiritualität ist ein Faktor, der zu Motivation und Gesundheit am Arbeitsplatz beitragen kann und zugleich, so Prof. Tim Hagemann von der FH Bielefeld, ein Indikator für gesunde Verhältnisse am Arbeitsplatz. Prof. Hagemann berichtete dazu über erste Ergebnisse eines Forschungsprojektes zu Spiritualität am Arbeitsplatz. Vielen Mitarbeitenden in der Pflege beziehen Kraft für ihre Arbeit aus Erlebnissen von Nähe, auch aus stillen Momenten mit Bewohnerinnen und Bewohnern, die nicht durch sichtbare Tätigkeit bestimmt seien. Dieses Bedürfnis der Mitarbeitenden sei nicht durch den Einsatz von Ehrenamtlichen abzudecken, die den Bewohnern Zuwendung geben. Diakonische Einrichtungen müssten den kommunikativen Bedürfnissen von Mitarbeitenden und Bewohnern besondere Aufmerksamkeit schenken. Hagemann wies aber auch darauf hin, dass der besondere Anspruch, der an "christliche Unternehmen" und an "christliche Mitarbeitende" gestellt wird, eigenes Potential für Enttäuschung birgt.

 

Forum II: Motivation durch Qualitätsentwicklung in der Gemeinwesenorientierten Altenarbeit

Dieter Zisenis (bildung-beratung-projektmanagement Moers) und Rainer Tyrakowski-Freese (Geschäftsführer Diakonisches Werk Kirchenkreis Moers) zeigten auf, dass alle Felder der Altenhilfe einen gemeinwesenbezug brauchen, etwa, um Ehrenamtliche zu gewinnen, in der Region vernetzt zu bleiben oder auch, um Mitarbeitende in allen Arbeitsfelder der Altenhilfe zu motivieren. Ein besserer Gemeinwesenbezug und die weitere Öffnung von Einrichtungen schaffe auch ein lebendigeres Arbeisklima, von dem auch Mitarbeitende profitieren, die keine Kernaufgaben im sozialen Dienst haben, so Zisenis.

 


Annette Stratmann und Susanne Reitze-Jehle

Forum III: Diakonische Unternehmenskultur

Diakonische Unternehmenskultur braucht keine statischen Formeln, sondern ein immer neues Nachdenken über den Umgang miteinander in einem Unternehmen, so Annette Stratmann und Susanne Reitze-Jehle von der Rheinischen Gesellschaft. Dazu gehöre auch die Auseinandersetzung mit den vielen Dilemmata, denen Mitarbeitende im Arbeitsalltag ausgesetzt seien. Diakonische Unternehmenskultur bedeute vor allem, sich der Dilemmata bewusst zu werden und sich immer wieder neu in Frage zu stellen. Sie zeige sich an kleinen, beständigen Schritten und müssen sich gerade in kritischen Situationen glaubwürdig bewähren.

 

Bericht über das Geschäftsjahr 2009/2010
Geschaeftsbericht für 2009 bis 2010
Präsentation vom 11.11.10 von Prof. Dr. Tim Hagemann, Fachhochschule der Diakonie, zur Gesundheitsförderung im Arbeitsalltag diakonischer Einrichtungen durch spirituelle Angebote
Spiritualität in der Pflege
Plenumsvortrag
Gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Einrichtungen und Gemeinden finden, fördern, binden
Präsentation vom 11.11.10 von Rainer Tyrakowski-Freese, Diakonisches Werk Kirchenkreis Moers, zur Qualitätsentwicklung in der gemeinwesenorientierten Seniorenarbeit am Beispiel Landesprogramm EFI Seniortrainer /Trainerinnen in Moers
Qualitätsentwicklung in der gemeinwesenorientierten Seniorenarbeit
Präsentation vom 11.11.10 von Dieter Zisenis, Ev. Verband für Altenarbeit, zur Motivation durch Qualitätsentwicklung in der Gemeinwesenorientierten Altenarbeit und denAnforderungen an die Qualifizierung von Mitarbeitenden
Motivation durch Qualitätsentwicklung (ppt)

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