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Archiv 2010

7. Oktober 2010

Familien leiden mit

Fachtag der Erziehungshilfe zu psychischen Erkrankungen und Sucht

Foto: fotolia.de

Auf einer Kooperationsfachtagung der Arbeitsgemeinschaft Erziehungshilfen der Caritas im Bistum Münster und des Ev. Fachverbandes für Erzieherische Hilfen RWL diskutierten Experten die Folgen von Suchterkrankungen und psychischen Erkrankungen für Familiensysteme.

Es ist immer noch nicht die Regel, dass ein Erwachsener bei einer psychischen Erkrankung nach seinen eigenen Kindern befragt wird, obwohl die Wissenschaft sich seit 20 Jahren dieser Problematik bewusst ist. Für Frau Prof. Dr. Sabine Wagenblass von der Fachhochschule Bremen ist dies ein besonders deutliches Indiz dafür, dass die Probleme von Kindern psychisch oder suchtkranker Eltern nach wie vor nicht immer im Blick sind.

Aber sie betont ausdrücklich auf der von der AGE und dem Ev. Fachverband für Erzieherische Hilfen gemeinsam organisierten Fachtagung am 15. September ausdrücklich fest: „Eine psychische Erkrankung  ist immer auch eine Familienerkrankung.“

Die Auswirkungen der Krankheit der Eltern auf die Kinder sind vielfältig. Das Risiko, dass sie selbst später erkranken, ist sehr hoch. In der Kooperation von Psychiatrie, Jugendhilfe, Drogenhilfe, Jugendamt und weiteren Diensten muss die Familie als Ganzes gesehen werden. Prof. Dr. Wagenblass: „Effektiv ist die Hilfe dort, wo zusammen gearbeitet wird.“

Um den erkrankten Eltern und damit auch den Kindern helfen zu können, müsse den Eltern die Angst vor einer Fremdunterbringung der Kinder genommen werden, was z. B. durch Patensysteme aufgefangen werden kann.

Wichtig sei es auch, so Wagenblass, mit den Kindern offen über die Krankheit zu sprechen und für Entlastung im Alltag zu sorgen.

 

Andere Werte der Familien aushalten

Werner Terhaar, Oberarzt der LWL Klinik in Lengerich, wies in seinem Vortrag über die Besonderheiten von suchterkrankten Eltern darauf hin, dass es zentral sei, die Eltern zu verstehen, damit auch die Kinder verstanden werden könnten. Problematisch in der Zusammenarbeit mit suchtkranken Eltern sei, dass häufig die eigenen Wertvorstellungen der Helfenden in Frage gestellt würden. Die anderen Werte der Familie müsse man aushalten, um arbeitsfähig zu bleiben.

 

Großes Interesse am Thema

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Erzieherische Hilfen in der Caritas (AGE), Norbert Pastors, wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass zwei bis drei Millionen Kinder in Deutschland mindestens einen psychisch erkrankten Elternteil haben. 2,65 Millionen Kinder bis 18 Jahren seien zeitweise oder dauerhaft von der Alkoholabhängigkeit eines oder beider Elternteile betroffen. Zahlreiche dieser Familien werden in der ambulanten oder stationären Erziehungshilfe betreut. Wie drängend die Probleme mit diesen Familien sind, zeigt die große Resonanz auf die Fachtagung. 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten kommen, 50 weiteren musste aus Platzgründen in dem Diakonischen Werk in Münster abgesagt werden.

In mehreren Workshops wurden am Nachmittag die praktische Arbeit mit Kindern aus suchtkranken bzw. psychisch kranken Familien anhand verschiedener Konzepte vorgestellt.

Zum Abschluss der Tagung stellte Herr Prof. Dr. Hans-Günther Homfeldt, Universität Trier, als Mitautor des 13. Kinder- und Jugendberichtes des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Perspektiven in der Erziehungshilfe für die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitswesen vor. Im Mittelpunkt steht insbesondere innerhalb der Erziehungshilfe die Frage, was den jungen Menschen gesund erhält, obwohl er in ungünstigen Verhältnissen lebt. Gleichzeitig appellierte Homfeld an alle Systeme:

„Der junge Mensch muss im Mittelpunkt der sozialen Teilsysteme stehen!“.

 

Die Dokumentation der Fachtagung ist beim Ev. Fachverband für erzieherische Hilfen, Standort Münster () erhältlich.

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