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Archiv 2010

23. April 2010

Fühle mich hier zu Hause

Gastfamilienprojekt der Diakonie in Lippe

Hildegard Olsen von der Sozialpädagogischen Familienhilfe berät und begleitet die Gastfamilie. Foto: DW Lippe

„Ich fühle mich wie zu Hause, als würde ich schon viel länger hier wohnen“, erzählt sie über ihr Leben in der Gastfamilie. Ihre leiblichen Eltern sind getrennt, Julia (Name geändert) lebte zuletzt bei ihrer Mutter. Doch das funktionierte nicht: „Meine Mutter hat sich nicht um mich gekümmert. Ich spielte eine Nebenrolle in ihrem Leben.“ Das Verhältnis zum Vater war viel besser, doch ist es ihm derzeit auch nicht möglich Julia ein Zuhause zu bieten. Auf ihre Mutter angewiesen, ging es mit dem Mädchen, ihrem Leben und ihren Schulleistungen rapide bergab. Schule schwänzen war an der Tagesordnung. Julia sehnte sich immer stärker nach einem richtigen Familienleben - und hat es tatsächlich gefunden, nachdem sie vom zuständigen Jugendamt in das Gastfamilienprojekt, das der Kreis Lippe gemeinsam mit dem Diakonischen Werk der Lippischen Landeskirche umsetzt, vermittelt wurde.

 

Verantwortungsvoll um Kinder und Jugendliche kümmern

Kinder und Jugendliche, die vorübergehend nicht in ihrer eigenen Familie leben können, haben die Möglichkeit, in anderen Familien unterzukommen. So kam Julia zu Familie T. „Unsere drei Kinder sind aus dem Haus“, erzählt die Gastmutter. „Wir haben immer wieder über die Medien mitbekommen, dass Kinder aus ihren Familien herausgenommen werden, weil sie dort Probleme haben. Wir wollten helfen.“ Das Ehepaar stieß bei seinen Recherchen auf das Gastfamilienprojekt und nahm Kontakt mit der Sozialpädagogischen Familienhilfe des Diakonischen Werkes auf. Hier ist Hildegard Olsen zuständig für die Auswahl, die Betreuung und Fortbildung der Gastfamilien: „Diese Familie erschien uns sehr geeignet, sich verantwortungsvoll um Kinder und Jugendliche kümmern zu können und das hat sich bestätigt“. Das Ehepaar nahm an den qualifizierenden Vorbereitungstreffen teil und wird von Hildegard Olsen und Beratungsangeboten der verschiedenen Arbeitsbereiche des Diakonischen Werkes begleitet: „Zum Beispiel gibt es thematisch gestaltete Elterntreffs, zuletzt zum Thema Traumata.“

 

Klare Regeln für das Mädchen

Nach einem Jahr in der neuen Familie und auf der neuen Schule, hat sich Julias Leben grundlegend gewandelt. Es gibt klare Regeln für das Mädchen. „An einige musste ich mich erst gewöhnen, andere fand ich von Anfang an gut, so wie das gemeinsame Essen.“ Ihre Gastmutter weckt sie morgens, damit sie rechtzeitig zur Schule kommt, mittags wird zusammen gegessen. „Wir sind eine Familie und ich bin Teil des Kreislaufs“, beschreibt Julia die Veränderung, die in ihrem Leben stattgefunden hat. Ihre Gastfamilie ermutigt sie, ihren Interessen nachzugehen. Malen, Fotografieren und auch Mountainbiken gehören dazu. „Sie motivieren mich, das ist ein schönes Gefühl“, Julia lächelt ihrer Gastmutter zu. Und der merkt man den Stolz auf ihre „fünfte“ Tochter an: „Ihre Schulnoten sind in diesem Jahr viel besser geworden. Als sie zu uns kam, hatte sie viele Fünfen, jetzt sind es alles Zweien und Dreien!“

 

Ich bin glücklich

Sie besucht die neunte Klasse der Realschule und hat sich als nächstes Ziel die gymnasiale Oberstufe und das Abitur vorgenommen, da sie sich für ein Managementstudium interessiert. Ihre Gastmutter blinzelt: „Obwohl wir immer sagen, sie soll bloß ihre künstlerische Ader nicht zu kurz kommen lassen.“ Solch ein Interesse hat das Mädchen von ihrer leiblichen Mutter nicht erfahren, sie haben derzeit auch keinen Kontakt. Aber mit ihrem Vater, der sich sehr gut mit der Gastfamilie versteht, telefoniert sie täglich. Julia lächelt: „Ich habe jetzt ein richtiges Leben, ich bin glücklich.“

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