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Archiv 2010

6. April 2010

Klimawandel zu mehr Mitmenschlichkeit

Wenige Kältetote in Nordrhein-Westfalen

Foto: fotolia.de

„Die Lage der Wohnungslosen in Westfalen war in diesem Winter besser als in den Jahren zuvor“, sagt Jan Orlt, Geschäftsführer des Westfälische Herbergsverbandes e.V. (WHV). Ein 55-jähriger wohnungsloser Mann starb in Iserlohn. Er wurde im Januar erfroren in seinem Schlafsack im Stadtwald aufgefunden. Ein 50-Jähriger starb unter einer Autobahnbrücke bei Wuppertal. In Nordrhein-Westfalen sind insgesamt vier Menschen, bundesweit 16 Menschen, erfroren.

 

Menschen sensibler für die Not

Dass trotz des extremen Winters nicht noch mehr Kältetote zu beklagen waren, führt der WHV, der Teil der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe ist, auf das gute Hilfesystem zurück. Es hat in den vergangen Jahren dazu geführt, dass selbst in den Großstädten immer weniger Menschen schutzlos auf der Straße leben mussten. Auch sind die Menschen in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Jahren sensibler für die Not der wohnungslosen Menschen geworden. „Der weltweite Klimawandel hat offensichtlich auch einen Klimawandel zu mehr Mitmenschlichkeit zur Folge“, meint Orlt.

 

U-Bahnstationen und Bahnhöfe öffnen

Trotz dieser positiven Entwicklung setzt sich der WHV weiterhin dafür ein, dass im Winter Unterkünfte tags und nachts geöffnet bleiben und dass der Aufenthalt nicht auf wenige Tage pro Monat befristet bleibt. „Im Winter müssen auch U-Bahnstationen, Bahnhöfe und andere geeignete öffentliche Gebäude für Wohnungslose geöffnet sein“, betont Jan Orlt. Ausreichend viele niedrigschwellige Tagesaufenthalte sind wichtig. Telefonische Notrufe, bei denen sich gefährdete Menschen melden oder gemeldet werden können, fordert die Wohnungslosenhilfe außerdem. Sie sind in der warmen Jahreszeit ebenso notwendig, wie in der kalten.

 

Hilfe nicht nur im Winter

Die Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe der Diakonie und anderer Träger halten für Menschen, die auf der Straße leben, nicht nur im Winter viele Angebote vor. In Unterkünften finden Wohnungslose ein Bett und haben die Möglichkeit zur Körper- und Wäschepflege. Sie bieten ihnen Schutz vor Gewalt und Raum für soziale Kontakte. In einigen Städten gibt es dort auch warmes Essen. Im Winter schützen die Tagesaufenthalte außerdem vor lebensbedrohenden Witterungsverhältnissen. Diese Angebote werden von den Landschaftsverbänden, den Kommunen und zu einem erheblichen Teil aus Eigenmitteln – aus Kirchensteuermitteln und Spenden – finanziert.

 

Der Westfälische Herbergsverband wurde 1885 gegründet und kümmert sich um die Belange der Wohnungslosenhilfe und berät die Mitgliedseinrichtungen. Der Fachverband vertritt 35 diakonische Träger und 80 Einrichtungen in Westfalen und Lippe und ist Teil der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe. Mitarbeitende in den Einrichtungen sind Ansprechpartner für die Wohnungslosen vor Ort.

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