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Archiv 2010

29. November 2010

Diakonie als Wesenszug der Kirchenkreise

Kirchenkreise befassen sich auf Herbstsynoden mit diakonischen Themen

Auch der Kirchenkreis Vlotho kam zur Synode zusammen . Wichtiges Thema war dabei die Begleitung von Menschen mit Migrationshintergrund als gesellschaftliche Herausforderung für die Kirche.

In diesen Wochen finden in zahlreichen Kirchenkreisen die Kreissynoden statt. Neben Haushaltsfragen und Strukturdebatten wird auch über diakonische Themen diskutiert. Eine kleine Zusammenstellung gibt einen Überblick über die Vielfalt. Viele Kirchenkreise stellen zusätzliches Geld für ihre Kindertagesstätten zur Verfügung.

Kirchenkreis Minden

Vor der Kreissynode wurde der Zusammenschluss des Diakonischen Werks mit der Diakonissenanstalt Salem-Köslin-Minden zur Diakonie Stiftung Salem gewürdigt. So sei einer der größten Arbeitgeber der Region mit zurzeit 1600 Mitarbeitenden entstanden, der ein differenziertes Hilfsangebot in der Alten-, Behinderten-, Kinder- und Jugendhilfe vorhält. Im Kirchenkreishaushalt müssen 155.000 Euro eingespart werden. Ein Drittel davon, 52.000 Euro, erhält die Diakonie weniger. Weitere 25 000 Euro können voraussichtlich in der Flüchtlingsberatung gespart werden, weil das Integrationsprojekt "MiRo hat viele Farben" in Rodenbeck wahrscheinlich aus Mitteln des Europäischen Integrationsfonds finanziert werden kann.

 

Kirchenkreis Siegen

Die Kreissynode in Siegen wurde von einer Diskussion um den Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Südwestfalen überschattet. Dem Geschäftsführer wird von anonymer Seite vorgeworfen, er habe nutze als Generalsekretär der CDU-Rheinland-Pfalz Mitarbeiter der Diakonie für Parteiarbeit.

 

Kirchenkreis Iserlohn

Die Superintendentin wünscht sich einen "barrierefreien Kirchenkreis". Das Ziel dieses Vorschlags ist es in erster Linie, behinderten und alten Menschen den Zugang zu kirchlichen Angeboten zu erleichtern. Über das sozialdiakonische Anliegen hinaus soll der Begriff "Barrierefreiheit" aber auch in einem theologischen und kommunikativen Sinne verstanden werden und sich auf Offene Kirchen und andere Schnittstellen zwischen Kirche und Gesellschaft beziehen. Die Kreissynode beauftragte den Diakonie- und Sozialausschuss, hierzu bis zur nächsten Sommersynode erste Ideen zu entwickeln.

 

Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg

Auf der Kreissynode wurde die neue Konzeption des Kirchenkreises vorgestellt. Diakonisches Handeln wird als Schwerpunkt der kreiskirchlichen Arbeit definiert, aber auch Gemeinden sollen diakonisch tätig werden. „Der steigende Anteil älterer Menschen fordert die Stärkung der gemeindenahen Diakonie, die höhere Präsenz der Gemeinden in Altenheimen und Familien und eine entsprechende Anpassung der Hilfsangebote für Pflegende.“ Auch für kleine Kinder und Familien sieht der Kirchenkreis einen besonderen diakonischen Auftrag: „Wir unterstützen Kooperationen der Familienzentren … und fördern deren evangelisches und diakonisches Profil im Sozialraum.“

Als spezielles Ziel formuliert die Konzeption: „Wir führen einen transparenten und breiten Diskurs auf kirchlicher und gesellschaftlicher Ebene mit dem Ziel, Gottes Zuspruch und Anspruch auf unser ganzes Leben zur Geltung zu bringen. Wir setzen uns dafür ein, dass die diakonische Arbeit als Schwerpunkt erhalten und weiter gefördert wird. Unser ausgeprägtes diakonisches und beratendes Profil soll in seinem Kernbestand erhalten, ausgebaut und je nach kirchlichen und gesellschaftlichen Erfordernissen angepasst werden. Um dieses Ziel zu erreichen, muss die Refinanzierung weiterhin gewährleistet und intensiviert werden... Wir ermutigen die Gemeinden diakonische Projekte auch in Kooperation mit den Nachbargemeinden und in den kreiskirchlichen Gestaltungsräumen zu entwickeln.“

 

Kirchenkreis Unna

Die Superintendentin Annette Muhr-Nelson berichtet von geplanten Einsparungen der Kommunen, die auch diakonische Einrichtungen treffen wird (Schwangerenkonfliktberatung, Schuldnerberatung, Kindertagesstätten, Jugendarbeit. Sie hofft, dass die politischen Beratungen dazu führen, dass nicht alle Streichvorschläge eins zu eins umgesetzt werden: „Wenn die angedachten Streichungen im Sozialhaushalt des Kreises Unna umgesetzt werden, sind Kirche und Diakonie als Träger vieler Maßnahmen hier im Kreis unmittelbar betroffen. Uns wird letztlich nichts anderes übrig bleiben, als unser Angebot zu reduzieren. Das betrifft wiederum in erster Linie kinderreiche Familien, Jugendliche und Senioren, also Menschen mit geringerem Einkommen. Diese Entwicklung sehen wir mit Sorge und appellieren an alle diejenigen. die kommunalpolitisch Verantwortung tragen, hier ihren Mund aufzutun für die Schwachen.“

Der Kirchenkreis gewährt der Diakonie Ruhr-Hellweg in den nächsten Jahren einen rückzahlbaren Zuschuss von maximal 1,5 Millionen Euro zur nachhaltigen Liquiditätssicherung. Damit sollen Steigerungen der Personalkosten und sinkende Zuschüsse aus öffentlichen Haushalten kurzfristig aufgefangen werden. Vorstand und Verwaltungsrat der Diakonie Ruhr-Hellweg sind zuversichtlich, dass es durch notwendige Anpassungsmaßnahmen und die damit verbundene strategische Neuausrichtung bis 2013 gelingen wird, wieder schwarze Zahlen zu schreiben und 2014/15 die vereinbarte Rückzahlung zu leisten.

 

Essen: Superintendent Mundt begrüßt die Gastreferenten Ruschke und Renzel (v.re.) Foto: Kirchenkreis Essen

Kirchenkreis Essen

In Essen war die „Situation der Diakonie“ das Schwerpunktthema der Synode. Gastreferenten waren Pfarrer Dr. Werner M. Ruschke vom Perthes-Werk aus Münster und Peter Renzel, Beigeordneter der Stadt Essen für Jugend, Familie, Schule und Gesundheit. Ruschke machte sich für eine zeitgenössische Erscheinungsform der Diakonie stark: Dass ein Großteil der diakonischen Hilfsangebote heute durch hoch spezialisierte Mitarbeitende großer, rechtlich selbständiger Einrichtungen erbracht werde, sei eine historisch begründete Errungenschaft, eröffne vielfältige Handlungsspielräume zugunsten Not leidender Menschen und ermögliche zudem eine schnellere und flexiblere Reaktion auf aktuelle Herausforderungen. „Um sich gegen Mitbewerber durchsetzen zu können, besinnen sich viele diakonische Einrichtungen auf ihr Alleinstellungsmerkmal: Die Verbindung von professionellen Angeboten mit kirchlichem Profil und Christlichkeit, mit dem Bewusstsein, diese Dienste aus dem Gebot der Gottes- und der Nächstenliebe heraus zu erbringen“, sagte Ruschke. Umgekehrt warnte der Theologe die Kirchengemeinden und Kirchenkreise davor, sich auf die vermeintlichen „Kerngeschäfte“ der Verkündigung und der Spendung von Sakramenten zurückzuziehen und das diakonische Handeln den „Professionellen“ zu überlassen: „Wo keine Diakonie ist, können wir auch keine lebendige Kirche wahrnehmen. Wer die Diakonie einsparen will, spart am Wesen der Kirche, an ihrem inneren Kern.“

 

Düsseldorf-Mettmann: Diakonie auf der Synode (Foto: liebergott.de)

Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann

Die Kreissynode in Düsseldorf-Mettmann schloss sich einem Protest der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtspflege an gegen die massiven Mittelkürzungen der Bundesregierung im Bereich der Grundsicherung. Die Diakonie befürchtet, dass zahlreiche Arbeitsgelegenheiten für Langzeitarbeitslose nicht mehr angeboten werden können.

Ein weiteres Thema war die Qualitätssicherung und Zertifizierung der Kindertagesstätten und Familienzentren im Kirchenkreis.

 

Kirchenkreis Trier

Superintendent Christoph Pistorius wies in seinem Jahresbericht auf die Auswirkungen des Spardrucks in den Kommunen auf das soziale Handeln der Kirche hin. Überschuldete Kommunen schränkten ihre freiwilligen Leistungen ein, gleichzeitig stiegen die Anforderungen an die Diakonie. Pistorius plädierte angesichts dieser Situation dafür, die gemeindliche Diakonie zu stärken. “Wenn Diakonie zwischen Anforderung und Ausstattung immer mehr unter Druck gerät, dann darf um des Evangeliums willen jedoch nicht das diakonische Handeln von Kirche verloren gehen”, sagte der Theologe. Es gelte, die Kirchengemeinden als soziale Netzwerke wiederzuentdecken und etwa Tafeln, Umsonstkaufhäuser oder Hausaufgabenbetreuungen aufzubauen. „Neben das Engagement für die Linderung von Not muss der Protest gegen die Umstände treten.“

Die Synode verdoppelte außerdem die Summe, die als Zuschuss für gemeindliche Kindertagesstätten zur Verfügung steht und wird bis zu 225 000 Euro in die Bildungsarbeit mit Kindern investieren.

 

Kirchenkreis An Nahe und Glan

Im Kampf gegen die Armut muss die Kirche weiterhin Position beziehen, forderte Superintendent Marcus Harke. In seinem Bericht unterstrich er, dass man sowohl global als auch auf europäischer Ebene mit den gesetzten Zielen zur Bekämpfung der Armut gescheitert sei und die Armut auch im eigenen Land wieder zunehme. Der Kirchenkreis beteiligt sich deshalb an einer Arbeitsgruppe des Landkreises, die sich die Untersuchung der Ursachen und Folgen von Armut zum Ziel gesetzt hat. Aufgabe der Kirche bei der Armutsbekämpfung ist aus der Sicht von Harke primär, Selbsthilfe und Beistand zu leisten.

 

Koblenz: Abstimmung auf der Kreissynode (Foto: Kirchenkreis Koblenz)

Kirchenkreis Koblenz

Superintendent Rolf Stahl betonte, dass sich die Evangelische Kirche in der aktuellen Integrationsdebatte eindeutig positioniert habe und damit an der Seite von Menschen mit Migrationshintergrund stehe. In Verkündigung, Bildung, Beratung und Diakonie werde das dafür nötige Handwerkszeug seit Langem eingesetzt. Sensibilität, Aufmerksamkeit, die aufrichtige Entschuldigung und Bitte um Vergebung forderte Stahl für den Umgang mit Opfern sexualisierter Gewalt.

Neuer Diakoniepfarrer ist Tillmann Böhme (Koblenz). Der Theologe übernimmt den Vorsitz im Diakonieausschuss und die Synodalbeauftragung des Kirchenkreises. Neuer Vorsitzender des kreiskirchlichen Finanzausschusses ist Harald Kruse (Koblenz).

 

Kirchenkreis Bonn

Kontrovers wurde auf der Kreissynode die Rolle der Kirche im Pflegedienst diskutiert. Pfarrer Michael Verhey (Friedenskirche Kessenich) und Pfarrerin Ulrike Veermann (Lutherkirche Südstadt) warben für ein stärkeres „evangelisches Plus“ an Leistung und Zuwendung. Marion Schaefer, stellvertretende Geschäftsführerin im Diakonischen Werk der Kirchenkreise Bonn und Bad Godesberg-Voreifel und dort zuständig für die Sozialstationen, berichtete vom harten Wettbewerb mit kommerziellen Anbietern und dem Druck der Abrechnungssysteme. Die Diakonie wird nun die Kirchengemeinden zu einem „Runden Tisch“ einladen, „um gemeinsam die Freiräume diakonischer Arbeit in der Pflege auszuloten“. Die Basis dieses Tisches ist aber schon klar: Diakonie ist ein Markenzeichen der evangelischen Kirche und die Pflege von kranken Menschen gehört dazu.

Bei so viel Diskussion um ältere Menschen war es eine bemerkenswerte Entscheidung nach nur kurzer Aussprache, dass das Kirchenparlament 104 000 Euro für einen Hilfsfond für Kindertagesstätten bewilligte. Mit diesem Fond will die Kirche nach Möglichkeit alle evangelischen Kindergärten in Bonn erhalten, sagte Kreuzkirchenpfarrer Gerhard Schäfer, Vorsitzender der sich in Gründung befindenden Interessensgemeinschaft Kindertagesstätten.

 

Kirchenkreis Wuppertal

Superintendent Manfred Rekowski berichtete darüber, dass Gespräche zur Schaffung einer strukturierten Kooperation zwischen dem Öffentlichkeitsreferat des Kirchenkreises und dem Diakonischen Werk sowie anderen diakonischen Institutionen aufgenommen wurden.

Erfreut zeigte er sich über die Eröffnung der Diakoniekirche, die in Zusammenarbeit zwischen dem Diakonischen Werk, der Wuppertaler Stadtmission und den Elberfelder Innenstadtgemeinden ein wichtiges niederschwelliges diakonisches Angebot, eine Anlaufstelle, bieten könne.

 

Verleihung des "Goldenen Kronenkreuzes der Diakonie" für Ruth Pappler, überreicht durch Superintendent Rolf Domning. (Foto: Kirche-Koeln.de)

Kirchenkreis Köln Mitte

Vor der Kreissynode in Köln Mitte sprach sich Superintendent Domning gegen ein Ausspielen von Kultur und diakonischen Auftrag aus. „Engagement für die Kultur bedeutet aber nicht, wie schon mal gerne vermutet wurde, dass die Kirchen künftig vielleicht weniger wegen ihres sozialen, sondern mehr wegen ihres kulturellen Engagements wahrgenommen werden wollten. Das wäre ja abwegig, denn sollten in Zukunft etwa die kulturell Hochverbundenen gegen die sozial Benachteiligten und Randgruppen ausgespielt werden.“

Dagegen betonte er, dass Armutsbekämpfung unmittelbarer Auftrag Jesu sei: „Klarer geht es nicht: der diakonische Auftrag zielt auf Jesus selbst. Er ist dort zu finden, wo Menschen um ihre Würde kämpfen, wo Menschen die Grundlagen zum Leben versagt bleiben.“ Der Superintendent erinnerte daran, dass das Diakonische Werk Köln und Region die Initiative „Kölner gestalten Zukunft – Vereint gegen Sozialabbau“ mitgestaltet hat. Domning sprach sich dafür aus, den Sozialethischen Ausschuss des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region (SEA) wieder aufleben zu lassen, um sozialethische Grundfragen der Gesellschaft in einem evangelischen Forum zu diskutieren.

 

Kirchenkreis Moers

In einem neuen Konzept wurden erstmals alle Beratungsangebote des Neuen Evangelischen Forums und des Diakonischen Werkes für Kirchengemeinden, wie sie zum Teil schon seit vielen Jahren Realität sind, gebündelt. Das Konzept wurde vom Neuen Evangelischen Forum und dem Diakonischen Werk Kirchenkreis Moers entwickelt und wird auch von deren Mitarbeitenden umgesetzt. Eine Bedarfsabfrage bei den Gemeinden hatte ergeben, dass man Beratungen verstärkt in Anspruch nehmen möchte, zum Beispiel für die Entwicklung von Zukunftsvisionen auch vor dem Hintergrund zurückgehender Finanzmittel oder der Steuerung von Veränderungsprozessen.

Für den Synodalen Diakonieausschuss wurde Diakoniepfarrer Michael Ziebuhr mit dem Vorsitz betraut. Wolfgang Ingenbold wurde als Vorsitzender des Fachausschusses Diakonisches Werk gewählt.

 

Kreissynode Dortmund-Süd

Inhaltliche Schwerpunkte der Synode waren „Altenheimseelsorge“ und „Seelsorge an Patienten der Diakoniestationen“. Beides verstehen die Synodalen als Bestandteil des Gemeindelebens. In Brünninghausen, so berichtete Pfarrerin Bianca Monzel, leben ein Sechstel der Gemeindeglieder in Altenheimen. „Es ist uns wichtig, dass die Menschen auch hier ihren Glauben leben können.“ Unterstützung erhalten die Theologinnen und Theologen dabei vom ehrenamtlich Engagierten. Dabei sei die freiwillige Hilfe sehr vielfältig. Pfarrerin Karin Kamrowski: „Sie reicht vom Gebet bis hin zu pflegerischen Bereichen.“

Verbessern wollen die Gemeinden die seelsorgerliche Betreuung der Patienten der Diakoniestationen. So soll ihnen – ob Gemeindeglied oder nicht - schneller und verlässlicher als jetzt eine seelsorgerliche Begleitung angeboten werden. Ubbo de Boer, Geschäftsführer der Diakonischen Dienste Dortmund gGmbH, konnte der Synode von einer „atemberaubenden“ Entwicklung der Diakoniestationen „im Laufe der letzten Jahre und Jahrzehnten“ berichten. Hatten sie 1975 noch 75 Mitarbeitende in „Gemeindeschwesterstationen“ sind es jetzt 300, die rund 1 000 Pflegebedürftige in ganz Dortmund betreuen. Weiteres Wachstum sei das Ziel der nächsten Jahre.

 

Kirchenkreis Duisburg

Der Kreissynode Duisburg wurde über die Gründung eines gemeindeübergreifenden Trägerverbundes für Kindertageseinrichtungen zum 1. August 2011 berichtet. Nachdem zunächst die Rechtsform einer GmbH favorisiert wurde, entschieden sich die beteiligten Träger schließlich für die Gründung eines kreiskirchlichen Werkes, das nach Artikel 109 Absatz 3 der Kirchenordnung durch einen Fachausschuss geleitet wird.

Superintendent Armin Schneider schilderte auch, dass der Spardruck, der auf der Duisburger Politik lastet, nicht folgenlos für diakonische Einrichtungen blieb. Das im Frühjahr verabschiedete Haushaltssicherungskonzept der Stadt, die zahlreichen Genehmigungsvorbehalte des Kämmerers zu freiwilligen kommunalen Ausgaben und die Auswirkungen der neuen gesetzlichen Regelungen für die Sozial- und Arbeitsmarktpolitik berühren diakonische Dienste unmittelbar: Pflegeplätze werden von der Sozialverwaltung neuerdings als zu teuer eingestuft, Ausbildungsplätze werden seitens der Arbeitsverwaltung nicht mehr belegt, die Bezuschussung unseres Betreuungsvereins wird komplett eingestellt, die Zukunft der Seniorenbegegnungsstätten ist höchst ungewiss, längst beschlossene Maßnahmen zur Kinder- und Jugendförderung werden nicht umgesetzt.

 

 

Kirchenkreis Dinslaken

Die Kreissynode in Dinslaken beschäftigte sich mit dem kirchlichen Engagement für die Kindertagesstätten. Dass dies nicht zum Nulltarif geschieht, zeigt ein Blick in die kreiskirchlichen Haushaltspläne für das kommende Jahr. Allein der neu geschaffene Kindertagesstättenverbund „Evangelische Kinderwelt“ schlägt mit einem Etat von knapp sieben Millionen Euro zu Buche. Trotz wiederholter Beteuerungen seitens der Politik, dass durch das neue KiBiz-Gesetz auskömmliches Wirtschaften ermöglicht werde, muss die evangelische Kirche neben ihrem festgeschriebenen 12-Prozent-Trägeranteil noch einmal rund 500 000 Euro zuschießen, um den Kita-Verbund betreiben zu können. Einer der Gründe dafür liegt darin, dass die Kindpauschalen mit deutlich niedrigeren Lohnzuwächsen für Erzieherinnen kalkulieren als bei den Tarifabschlüssen tatsächlich erfolgt.

Über die Spitzenverbände der Wohlfahrtseinrichtungen soll nun auf die Landesregierung Druck gemacht werden, die Auskömmlichkeit der KiBiz-Finanzierung auf den Prüfstand zu stellen.

 

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