12. Oktober 2010
Wenn die Armut wächst, müssen auch die Kräfte zur Bekämpfung wachsen
Landesarmutskonferenz in Rheinland-Pfalz gegründet
Rund 20 Verbände und Initiativen, darunter auch die Diakonie RWL, haben die Landesarmutskonferenz Rheinland-Pfalz gegründet. Damit wollen die Initiatoren die Spaltung der Gesellschaft in arm und reich öffentlich thematisieren. Gemeinsam sollen Strategien entwickelt werden, wie man Armut entgegenwirken kann.
Rund 20 Verbände und Initiativen gehen in die Offensive. "Wir wollen nicht länger hinnehmen, dass die Spaltung zwischen Arm und Reich in Rheinland-Pfalz immer größer wird", sagt Franz Segbers von der Liga der Freien Wohlfahrtspflege im Land. "Die Bewältigung der Wirtschaftskrise geht voll auf die Kosten der Armen. Nicht die Verursacher werden zur Kasse gebeten, sondern die sozial Bedürftigen", kritisiert er weiter.
Armutssituation in Rheinland-Pfalz
In der Gründungserklärung wird beklagt, dass sich die "Armutssituation in Rheinland-Pfalz zuspitzt". So seien immer mehr Menschen von Einkommensarmut durch Arbeitslosigkeit, Niedrigrenten und geringe Erwerbseinkommen bedroht oder betroffen. Immer häufiger könnten Kinder ihre (...) Grundbedürfnisse nicht mehr befriedigen. In Rheinland-Pfalz sind fast 75 000 Kinder von Armut betroffen. Mehr als 1500 Menschen in Rheinland-Pfalz haben keine Wohnung oder sind dabei, sie zu verlieren. Viele davon sind extrem arm. Hinzu komme, dass die Überschuldung der Kommunen die Lage armer oder von Armut bedrohter Menschen noch zusätzlich verschlechtere.
Mehr als 500.000 Menschen gelten zurzeit in Rheinland-Pfalz als akut „armutsgefährdet.“, weil sie nur über weniger als 60 Prozent des deutschen Durchschnittseinkommens verfügen. Familien mit zwei Kindern und weniger als 1.683 Euro monatlich sowie Einpersonenhaushalte mit weniger als 801 Euro gelten als „arm“. Ähnliche Initiativen gibt es bereits in mehreren anderen Bundesländern.
Drei diakonische Werke beteiligt
Gründungsmitglieder sind unter anderem: Arbeiterwohlfahrt (Bezirksverbände Pfalz und Rheinland), DGB, Kinderschutzbund Rheinland-Pfalz, Diözesancaritasverband (Köln, Limburg, Mainz, Speyer und Trier), Diakonische Werke (Pfalz, Hessen-Nassau und Rheinland-Westfalen-Lippe) sowie die Koblenzer Tafel. Initiator dieser Gründung ist der Mainzer Sozialmediziner Gerhard Traber, der sich seit vielen Jahren um die medizinische Versorgung wohnungsloser Menschen in Mainz verdient gemacht hat. Die katastrophale Ungleichheit der Lebensverhältnisse in der Gesellschaft soll im Mittelpunkt aller Aktivitäten stehen.