8. März 2010
Von Ostpreußen nach Mittelhessen
160 Jahre Königsberger Diakonie

Foto: Königsberger Diakonie
Das Werk gründet sich auf den Theologen Theodor Fliedner, der 1836 mit einer Bildungsansalt für evangelische Pflegerinnen in Kaiserswerth bei Düsseldorf den Grundstein für das seit dem 19. Jahrhundert bestehende Diakonissenamt legte. Durch eine Ausbildung hat er junge Frauen als Pflegekräfte für den Dienst in Krankenhäusern, Kindergärten und Seniorenheimen vorbereitet. Ein Freundeskreis um die Gräfinnen Magda und Clara zu Dohna-Schlobitten eröffnete 1850 das „Krankenhaus der Barmherzigkeit in Königsberg/Preußen“. Fliedner verstand die Diakonissen als Dienerinnen Jesu, die in einer verbindlichen Lebens-, Glaubens- und Dienstgemeinschaft leben. Diese Ordnung übernahmen auch die Königsberger Diakonissen. Begonnen wurde im Krankenhaus in Königsberg mit 20 Patientenbetten. Bis zum Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der Diakonissen und damit auch der Dienst an Kranken und Bedürftigen.
Veranstaltungen im Jubiläumsjahr
- 160. Jahresfest am Sonntag, 8. Mai, um 11 Uhr im Kloster Altenberg bei Oberbiel.
- Benefizkonzert am Sonntag, 13. Juni, um 17 Uhr in der Klosterkirche.
- Vortrag des ehemaligen Bremer Bürgermeisters Dr. Henning Scherf am Mittwoch, 15. September, um 19 Uhr im Kloster.
Neuanfang nach dem 2. Weltkrieg
Infolge der russischen Besatzung wurden die Diakonissen vertrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang ein erster Neubeginn 1948 in Berlin und schließlich 1953 auf den Altenberg in Solms-Oberbiel. Die im Jahr zuvor abgebrannte ehemalige Prämonstratenserinnenabtei wurde als Mutterhaus wieder aufgebaut. Die Diakonissen fanden neue Tätigkeitsfelder im Wetzlarer Krankenhaus, im städtischen Altenzentrum und im städtischen Kinderheim. 1963 wurde mit dem Bau von Haus Königsberg im Robert-Koch-Weg an der Frankfurter Straße in Wetzlar ein eigenes Diakoniezentrum errichtet. Zudem kaufte die Königsberger Diakonie Gelände des ehemaligen Stadtkrankenhauses, auf dem nun das Haus Berlin steht. Bis heute hat sich das Werk durch Neubauten oder die Übernahme von Seniorenwohnanlagen und Pflegeheimen zur größten Altenpflegeeinrichtung im Lahn-Dill-Kreis mit rund 500 Mitarbeitern und 600 Pflegeplätzen in Wetzlar, Braunfels und Hüttenberg.
Diakonissen im Feierabend
Die traditionelle Pflege durch Diakonissen ist zu Ende. Von den sehr zahlreichen Schwestern leben derzeit noch 11 in Wetzlar im Alter von 69 und 103 Jahren. Nach Angaben des theologischen Leiters, Pfarrer Jörn Contag, sind die Herausforderungen für die Diakonie heute andere als zu Fliedners Zeiten. Die Berufschancen für Frauen hätten sich wesentlich geändert. Auch das Leben in Gemeinschaft und Ehelosigkeit könne heute nicht mehr vermittelt werden. Im 160. Jahr ihres Bestehens sehe sich die Königsberger Diakonie herausgefordert, auf Krankheitsbilder wie Demenz passende Lebensformen zu finden. Um die Lebensqualität für Demenzkranke zu verbessern will die Königsberger Diakonie das Haus Berlin noch in diesem Jahr umgestalten. Um die Maßnahmen zu finanzieren, ist das Werk auf zusätzliche Spenden angewiesen. Dazu hat die Königsberger Diakonie die Aktion „160 Dinner Partys“ gestartet. Das Werk sucht 160 Personen, die bei ihrer Geburtstags- oder Jubiläumsfeier auf Geschenke verzichten und stattdessen Spenden für die Umgestaltung von Haus Berlin sammeln.