17. März 2010
Volmarstein entschuldigt sich bei Heimkindern
Historische Aufarbeitung über Gewalt
Im Auftrag der Evangelischen Stiftung Volmarstein (2007) hatten die beiden Wissenschaftler Prof. Dr. Hans-Walter Schmuhl und Dr. Ulrike Winkler die Ereignisse im Johanna-Helenen-Heim in den 50er und 60er Jahren untersucht. Dafür hatten sie viele Interviews mit betroffenen und ehemaligen Mitarbeitern geführt und bis dahin unausgewertetes Archivmaterial gesichtet. Das Ergebnis ihrer Forschungen ist ein Buch mit dem Titel „Gewalt in der Körperbehindertenhilfe. Das Johanna-Helenen-Heim in Volmarstein von 1947 bis 1967“. Es ist eine Pionierstudie für die Behindertenhilfe in Deutschland. Sie wurde im Rahmen einer Pressekonferenz am 16.3.2010 vorgestellt.
Dunkles Kapitel aufgeschlagen
„Mit diesem Buch wird ein dunkles Kapitel in der Geschichte unserer Evangelischen Stiftung Volmarstein aufgeschlagen. Mit diesem über drei Jahre währenden Prozess der Aufarbeitung konnten allmählich Schritte der Versöhnung gegangen werden. Insbesondere mit denjenigen ehemaligen Heimkindern, die sich in der Freien Arbeitsgruppe Johanna-Helenen-Heim im Jahre 2006 als Sprecherkreis zusammen geschlossen haben, um an diesem schmerzlichen Teil ihrer Lebensgeschichte gemeinsam zu arbeiten“, schreibt Vorstandssprecher Pfarrer Jürgen Dittrich in seinem Vorwort. Er bekennt: „Ihre Berichte und Schilderungen haben uns zutiefst bewegt.“ Und er fügt an: „Für die Evangelische Stiftung Volmarstein kann ich mich auf diese Weise mit tiefem Bedauern und großer Betroffenheit dafür entschuldigen, dass Sie in der genannten Zeit Repressalien ausgesetzt waren, wie sie in der Dokumentation nachzulesen sind.“
Dank an Heimkinder
Den ehemaligen Heimkindern spricht er seinen Dank dafür aus, dass sie „den gemeinsamen, wenn auch beschwerlichen und belastenden Weg der historischen Aufarbeitung mitgegangen sind und bereit waren, ihre Erlebnisse den Historikern vertrauensvoll zu erzählen.“ Das Buch ist im Verlag für Regionalgeschichte erschienen, ISBN 978-3-89534-838-9.