16. Dezember 2010
Diakonie bietet Politikberatung an
Hauptversammlung 2010 des Diakonischen Werkes Westfalen

Ulrich Christofczik, Maria Loheide, Günther Barenhoff
"Kirche und Diakonie müssen die Chance ergreifen, sich in den gesellschaftlichen Dialog zur Zukunftssicherung sozialer Systeme neu einzubringen", so Günther Barenhoff, Sprecher des Vorstandes der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe auf der Hauptversammlung des Diakonischen Werkes Westfalen. Der Bedarf an sozialen Dienstleistungen werde auch auf dem Hintergrund der demographischen Entwicklung zunehmen. Eine ausreichende Finanzierung der sozialen Arbeit müsse mit der Politik ausgehandelt werden. Hier könne man als Diakonie auch beratend zur Seite stehen. Beinahe alle Handlungsfelder der Diakonie ständen finanziell unter Druck.
Ulrich Christofczik, Geschäftsbereichsleiter der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe wies darauf hin, dass die Nachfrage nach Gesundheits- und Pflegedienstleistungen kontinuierlich zunehme. "Diakonie ist in diesem Bereich ein starker und verlässlicher Arbeitgeber, so ist jede vierte stationäre Altenhilfeeinrichtung evangelisch". Geschäftsbereichsleiter Christofczik räumte ein, dass die gegenwärtige krisenhafte Situation der diakonischen Einrichtungen nicht bagatellisiert werden dürfe. Zugleich kritisierte er den Tenor in Politik und Medien, der nur auf Skandale hinweist und die Mitarbeitenden diskriminiert. Er plädierte für eine bedarfsgerechte Vielfalt von Wohn- und Lebensformen in der Alten- und Behindertenhilfe.
Heimerziehung der 50er und 60er Jahre im Brennpunkt
Der Abschlussbericht des Runden Tisches Heimerziehung der 50er und 60er Jahre liege vor und werde im Januar dem Bundestag übergeben, so Maria Loheide, Geschäftsbereichsleiterin der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe. Die Diakonie begrüße die Vorschläge des Runden Tisches zur Wiedergutmachung ausdrücklich und werde sich an den Lösungen beteiligen.
"An unserem Umgang mit der Geschichte der Heimerziehung und den Betroffenen müssen wir uns heute messen lassen. Nicht weniger als die kirchlich-diakonische Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel", sagte Maria Loheide. Gemeinsam mit den Evangelischen Kirchen habe die Diakonie RWL sich an der Aufarbeitung aktiv beteiligt, das Leid der Betroffenen öffentlich anerkannt und das Geschehene bedauert. Die Diakonie werde sich intensiv dafür einsetzen, dass die individuellen Hilfen zur Unterstützung der Betroffenen, die vom Runden Tisch Heimerziehung vorgeschlagen werden, schnell eingeleitet würden. Außerdem müsse die Jugendhilfe heute ihr pädagogisches Handeln immer wieder kritisch hinterfragen und dafür Sorge tragen, dass durch Ombudsstellen und Vertrauenspersonen Kinder und Jugendliche sich in den Einrichtungen nicht ausgeliefert fühlten.
Die Elementarbildung und -pädagogik habe heute erheblich an Bedeutung zugenommen. "Die Kindertageseinrichtungen haben ihre Angebote deutlich verändert. Fast alle bieten Ganztagsbetreuung mit Mittagessen an. Die Träger haben sich intensiv an dem Ausbau der Plätze für Kinder unter drei Jahren beteiligt", so Loheide. Die Personalausstattung sei allerdings zu knapp bemessen und müsse dringend nachgebessert werden.
- Bericht des Vorstands zur Hauptversammlung am 15. Dezember 2010
- Bericht des Vorstands Günther Barenhoff
- Bericht der Geschäftsbereichsleitung Familie, Bildung und Erziehung zur Hauptversammlung am 15. Dezember 2010
- Bericht der Geschäftsbereichsleitung Maria Loheide
- Bericht der Geschäftsbereichsleitung Pflege, Alten- und Behindertenarbeit zur Hauptversammlung am 15. Dezember 2010
- Bericht des Geschäftsbereichsleiters Ulrich Christofczik