12. September 2010
Autonomie trotz(t) Demenz?!
Ethikforum der Kreuznacher Diakonie

Foto: kreuznacher diakonie
260 Personen besuchten das 6. Ethikforum der Stiftung kreuznacher diakonie mit dem Titel „Autonomie trotz(t) Demenz?!“. Vor dem Hintergrund, dass Demenz immer mehr zur Volkskrankheit wird, der Anteil alter Menschen rapide anwächst und damit eine Zunahme der Anzahl dementiell Erkrankter einhergeht, entscheid sich die Stiftung kreuznacher diakonie diese Thematik bei einem Ethikforum detailliert zu beleuchten.
Demenz ist in einigen Arbeitsbereichen der kreuznacher diakonie ein großes Thema, vor allem in der Seniorenhilfe und den Krankenhäuser. Dabei ist es wichtig, die Lebensqualität dieser Menschen zu verbessern und Mitarbeitende für den Personenkreis zu sensibilisieren. „Für uns geht es in erster Linie darum, das Ethikforum als ersten Anstoß zu nutzen sich intensiv mit auseinanderzusetzen“, sagte die Diakonin Doris Borngässer, Referentin für Diakonik-Ethik der Stiftung kreuznacher diakonie. „Ich bin sicher, dass wir die heute gehörten Ansätze und Beispiele für die Weiterentwicklung unserer Arbeit nutzen können.“ In den kommenden Jahren solle es für Mitarbeitende gezielte Fortbildungen in diesem Bereich geben.
Alzheimer Demenz - Betroffene leben in ihrer eigenen Welt
In den Fachvorträgen erhielt das Publikum einen breiten Einblick in die Thematik Demenz allgemein sowie im Speziellen in die Bereiche Altenhilfe und Krankenhaus. „Demenzkranke verstehen am Beispiel der Alzheimer-Demenz“ lautete der von Dr. Michael Grebner, Leitender Oberarzt der Gerontopsychiatrie, Christophsbad Göppingen, gehaltene Vortrag. Dabei ging er auf typische Symptome ein, legte neurologische Befunde vor und beleuchtete anschaulich den Umgang mit Demenzkranken. „Betroffene leben in ihrer eigenen Welt, die wir oft nicht verstehen und in die wir nicht eindringen können. Das logisches Denken ist nicht mehr da, und einen an Demenz erkrankten Menschen zu korrigieren, bringt gar nichts“, informierte Grebner.
Patientenverfügung - Selbstbestimmung oder Selbstversklavung?
Der Medizinethiker am Universitätsklinikum der Rheinisch-Westfälische Technischen Hochschule Aachen, Dr. Arnd T. May, referierte am Beispiel von Menschen mit Demenz in der stationären Altenhilfe über den Umgang mit Autonomie und Selbstbestimmung und die Frage „Kann ich heute wissen, was ich morgen will?“. Gilt beispielsweise eine Willensäußerung, die ein Demenzkranker vor seiner Krankheit gemacht hat auch noch in seinem jetzigen Zustand oder muss man ihn nun als eine andere Person ansehen? „Es stellt sich also die Frage nach der Patientenverfügung als Mittel der Verlängerung der Selbstbestimmung oder als Instrument der Versklavung“, so May. Weiterhin stellte er einen diskursiven Ansatz der Ethikberatung in der Altenhilfe vor.
Autonomie und Menschenwürde
„Automonie bei Menschen mit Demenz?“ fragte Prof. Dr. Marion Großklaus-Seidel, Theologin, Pädagogin und Pflegeethikerin an der Ev. Fachhochschule Darmstadt und gab Anstöße aus der Theorie für die Praxis im Krankenhausalltag. „Immer mehr Patienten mit der Nebendiagnose Demenz werden im Krankenhaus versorgt. Dies bringt einige Probleme und Herausforderungen mit sich“, sagte Großklaus-Seidel und erläuterte dies. Sie beschäftigte sich vor allem mit der Autonomie von Demenzkranken und stellte drei Theorien dazu vor. „Diese bieten theoretische Bezugspunkte für die Etablierung von Hilfeangeboten, von denen nicht nur Patienten mit Demenzerkrankung profitieren können.“ Bei der Betonung von Autonomie bestehe aber die Gefahr, menschlichem Leben, das keine erkennbare Autonomie besitze, die Lebensqualität abzusprechen. „Ich finde, die Betonung der Autonomie sollte nicht das christliche Verständnis von Menschenwürde aushöhlen.“
Weitere Informationen
- Bericht und Vorträge vom Ethikforum
- Ethikforum"Autonomie trotz(t) Demenz?!"