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Archiv 2010

15. Juli 2010

Im Bermudadreieck von Ökonomie, Theologie und Therapie

Krankenhausmanager diskutieren das Selbstverständnis Evangelischer Krankenhäuser angesichts gravierender ökonomischer Herausforderungen

Dr. Ingo Habenicht bei seinem Vortrag

Dr. Ingo Habenicht
Foto: Diakonie RWL

Dr. Ingo Habenicht sprach beim Fachtag "Werteorientierung in der Führung" des Verbandes Evangelischer Krankenhäuser Rheinland/Westfalen/Lippe e.V. zum Thema "Evangelische Krankenhäuser im Bermuda-Dreieck von Ökonomie, Theologie und Therapie".

Ein Evangelisches Krankenhaus ist nach Ansicht von Pastor Dr. Ingo Habenicht, Vorstand des Evangelischen Johanneswerkes Bielefeld, gekennzeichnet durch eine „dynamische Balance der drei Dimensionen Ökonomie, Fachlichkeit und Theologie“.

An der gängigen Wahrnehmung, es gehe auch in evangelischen Krankenhäusern fast nur noch ums Geld, sei ja etwas dran. Habenicht verwies auf eine Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young vom Mai 2010. Danach sind die Kosten der Krankenhäuser seit 2000 um 20 Prozent gestiegen. In über 80% aller Häuser spielen Kostensenkungsprogramme derzeit eine große Rolle. Habenicht geht davon aus, dass in den kommenden Jahren zwei Drittel der öffentlich-rechtlichen Häuser ihre Pforten schließen müssen. Evangelische Krankenhäuser könnten sich diesen Entwicklungen nicht entziehen. Um in dieser Situation nicht unterzugehen, „müssen sich die Krankenhäuser ihrer diakonischen Dimension stärker bewusst werden und diese aktiv gestalten.“ 

Klassisch werde die Frage nach der diakonischen Profilierung mit dem Hinweis auf das Angebot von Andachten, Seelsorge sowie Ethikkommissionen beantwortet. Diese „additiven Elemente“ seien wichtig, aber angesichts der Erwartungen der Patienten wie auch der Mitarbeitenden nicht ausreichend, sagte Habenicht, der sei einem Jahr stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes des Johanneswerkes ist. Vielmehr sei es zentrale Managementaufgabe, dass auf allen Ebenen die drei Dimensionen Ökonomie, Fachlichkeit und Theologie „in einen zirkulären Dialog miteinander gebracht werden.“ Das Johanneswerk habe sich bewusst entschieden, dies schon auf der obersten Leitungsebene zu verankern. Im Vorstand arbeiten Theologe, Ökonomen und Sozialwissenschaftler gleichberechtigt zusammen. Auch sei es hier selbstverständlich, dass „insbesondere Führungskräfte auch in der theologischen Dimension verantwortlich handeln, auskunftsfähig sein und als Multiplikatoren fungieren können.“ Dazu biete das Werk ein intensives theologisches Qualifizierungsprogramm für Führungskräfte an.

Habenicht sprach am 14. Juli 2010 auf dem Fachtag des Verbandes Evangelischer Krankenhäuser in Rheinland, Westfalen und Lippe im Evangelischen Bethesda Johanniter-Klinikum in Duisburg. Zum Verband Evangelischer Krankenhäuser Rheinland, Westfalen, Lippe gehören rund 70 Kliniken in NRW, die 21 500 Mitarbeitende beschäftigen.

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