16. Dezember 2010
Eintreten für die Belange von Flüchtlingen
Interview mit der Vorsitzenden der Trägerkonferenz Migration und Flucht

Interview mit Birgit Buchholz, Vorsitzende der Trägerkonferenz Migration und Flucht
Was versprechen Sie sich von der Gründung der Trägerkonferenz als Interessensvertretung einer Vielzahl diakonischer Migrationseinrichtungen?
Die Trägerkonferenz mit ihrem gewählten Fachrat soll zum einen die Mitbestimmung und Beteiligung der Träger sicherstellen und ausbauen. Das heißt, hier werden Grundlinien abgestimmt und gemeinsame Mindeststandards für die Arbeit festgelegt. Zum anderen setzen wir uns anwaltschaftlich für die Belange von Flüchtlingen und Menschen mit Migrationserfahrungen ein. Wir hoffen, dass mit dem Zusammenschluss zur Trägerkonferenz unsere Stimme gewichtiger wird.
Interkulturelle Öffnung der Diakonie
Vor welchen Herausforderungen stehen die Beratungsstellen und Initiativen für Flüchtlinge und Migranten in der nächsten Zeit?
Zurzeit steigen die Flüchtlingszahlen landesweit wieder an, so dass die Verfahrensberatungen regen Zulauf verzeichnen. Eine besondere Herausforderung stellen die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge dar, die einen besonderen Schutz und Betreuungsleistungen der Jugendhilfe bedürfen.
Wichtig ist uns, dass alle Flüchtlinge und Menschen mit Migrationserfahrungen einen Zugang zu Bildung, Ausbildung und Arbeit erhalten, unabhängig von ihrem Aufenthaltstitel. Wenn diese Grundlagen gelegt sind, kann auch eine Integration gelingen.
Dass Integration keine Einbahnstraße ist, muss mehr sein als ein Lippenbekenntnis. Deshalb müssen wir unsere eigenen Strukturen als Diakonie und Wohlfahrtsverband überprüfen und Interkulturelle Öffnung als Querschnittsaufgabe begreifen.
Diakonische Arbeit steht oft im Zwiespalt zwischen konkreter Hilfe und sozialpolitischem Engagement. Wie gehen Sie damit im Bereich Migration und Flucht um?
Die Einrichtungen leisten konkrete Hilfen wie Verfahrensberatung, psychologische Hilfe bei Traumatisierungen sowie Beratung bei aufenthaltsrechtlichen Fragen. Dabei sind wir selbstverständlich an die gültigen Gesetze und Rahmenbedingungen gebunden. Unsere sozialpolitischen Forderungen gehen aber oftmals viel weiter. So setzen wir uns beispielsweise für die Abschaffung von Kettenduldungen und ein wirklich humanitäres, Stichtag-unabhängiges Bleiberecht ein.
In wenigen Tagen feiern wir Weihnachten. In der Weihnachtsgeschichte kommen Ausländer aus fernen Ländern zur Krippe und die Heilige Familie flüchtet ins Ausland, um das Leben des Neugeborenen zu retten. Wie können biblische Themen und Motive in der Migrationsarbeit der Diakonie helfen?
Die Bibel ist voll von Geschichten über Vertreibung und Flucht; die Weihnachtsgeschichte ist da nur ein Beispiel. Im Kern geht es doch immer um die Überwindung vom Fremdsein und um die Offenbahrung von Versöhnung und Frieden. Wir als Christen akzeptieren die Menschen so, wie sie sind, unabhängig von ihrer ethnischen, religiösen Zugehörigkeit und Herkunft.