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Archiv 2010

24. März 2010

Eine Oase in der Demenzwüste

Diakonie eröffnet in Solingen eine Pflegeoase

„Wir haben erkannt, dass es ein spezielles Angebot für Demenzkranke braucht und erst recht für Menschen, die im Stadium einer schwersten Demenz sind“, stellte Geschäftsführer Ekkhard Rieger die Idee für das Haus Eiche und die Pflegeoase vor. Mit dem Haus Eiche hat die Diakonie ein Heim speziell für Demenzkranke gebaut. Rund 80 Bewohner können hier leben. „Das ist eine segregative Einrichtung – also nur für Demenz, weil es zu oft in unseren integrativen Häusern zu Problemen und Missverständnissen unter den Bewohnern gekommen ist.“

 

Lebens-, Wohn- und Schlafraum

Innerhalb des Hauses Eiche bildet die Pflegeoase eine eigene Wohngruppe für bis zu sieben schwerst erkrankte Bewohner. Hier gibt es keine Einzelzimmer, sondern einen Mehrpersonenraum, der als Lebens-, Wohn- und Schlafraum genutzt wird. Mit Hilfe von verschiebbaren Schränken und Abtrennungen können individuelle Nischen geschaffen werden. „Das ist kein Schlafsaal, sondern ein schön gestalteter Lebens-, Wohn- und Schlafraum für mehrere Bewohner“, betont Ekkhard Rieger Die Idee dahinter: Wenn kognitive und verbal-kommunikative Fähigkeiten verloren gehen, sind Emotionen und Gefühle besonders wichtig. Dabei steht das Gemeinschaftsgefühl im Vordergrund. „Ich kann einer schwerst demenziell erkrankten Bewohnerin nicht erklären, dass ich als Pflegekraft mal eben aus dem Raum muss und wieder komme.“

 

Modell für die Zukunft

Das Konzept der Pflegeoase, von der es in Deutschland mittlerweile ein gutes Dutzend gibt bzw. in Planung ist, stammt aus dem niedersächsischen Holle. Dort hat Peter Dürmann erkannt, dass es eine Vielzahl von unterschiedlichen Pflegeangeboten für Demenzkranke geben muss, um auf die Vielfalt der Krankheitsformen zu reagieren. „Die Pflegeoase ist nicht das einzige Modell, aber doch ein Modell mit Zukunft“, hofft er. Den Kritikern seiner Idee entgegnet er: „Das ist keine Billigpflege in einem Schlafsaal.“ Im Gegenteil, durch die Einbindung ist das gesamte Pflegekonzept eines Heimes und durch hervorragend qualifiziertes Personal werden hohe Ansprüche an die Ausstattung der Pflegeoase gestellt.

 

Hoher Standard

Dieser hohe Standard führte beim Diakonische Werk Bethanien zu schwierigen und langwierigen Verhandlungen mit den Pflegekassen. Schon Monate vor der Eröffnung saßen alle Beteiligten am Tisch und diskutierten über das Konzept und die finanzielle Ausstattung. Unterstützung fand Bethanien bei diesen Verhandlungen durch die Diakonie RWL. Letztendlich konnten Pflegekassen und Medizinischer Dienst der Krankenkassen von der Pflegeoase überzeugt werden. Mittlerweile sind alle gespannt, wie sich das Konzept entwickeln wird.

 

Forschungsprojekt

Um zu überprüfen, ob die Idee einer Pflege von Demenzkranken in einem Gemeinschaftsraum deren Wohlbefinden verbessert, wird die Pflegeoase im Haus Eiche über 18 Monate von einer Expertengruppe der Universität Witten-Herdecke begleitet. Sie führen umfangreiche Studien durch, bei der die Ergebnisse in Solingen mit einer Pflegeeinrichtung in Remscheid verglichen werden. So sollen erstmals wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden, wie man schwerst demenziell Erkrankte am besten pflegt und begleitet.

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