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Archiv 2010

24. November 2010

Mit Street Jumper und Trampolin gegen Armut

Kurt Beck überreicht Helmut-Simon-Preis der Diakonie Rheinland-Pfalz

Die Preisträger mit Ministerpräsident Beck, Diakonievorständen Becker (Rheinland) und Gern (Hessen-Nassau) und dem Sprecher der Diakonie Rheinland-Pfalz Bähr Foto: diakonie-pfalz.de

Der Verein „Armut und Gesundheit“ aus Mainz mit seinem Projekt „Street Jumper“ erhält den Helmut-Simon-Preis 2010 der Diakonie Rheinland-Pfalz. Überreicht wurde die Auszeichnung durch Ministerpräsident Kurt Beck. Weitere Preisträger sind das Projekt „Trampolin“ aus Bad Bergzabern und das katholische Dekanat Koblenz für eine Wanderausstellung.

Als „Zeichen gegen die gesellschaftliche Ausgrenzung von Menschen, die aufgrund von Armut oder sozialer Notlage am Rande der Gesellschaft leben“ bezeichnete Ministerpräsident Kurt Beck den Helmut-Simon-Preis. „Mich hat das Engagement aller Preisträger sehr beeindruckt, vor allem weil es überwiegend von Ehrenamtlichen geleistet wird“, sagte Ministerpräsident Beck. Die Auszeichnung würdige die Projekte als vorbildhaft und empfehle sie zur Nachahmung. Mit Blick auf den Namensgeber des Preises meinte Beck: „Mit seiner Bereitschaft, sich für die Ohnmächtigen und Schwachen einzusetzen, ist Helmut Simon selbst ein überragendes Vorbild sozialen Engagements.“

 

Hilfe am Nächsten und Skandalisierung der Armut

Der Verein „Armut und Gesundheit“ erhält für seine aufsuchende Sozialarbeit im Projekt „Street Jumper“ 4.000 Euro Preisgeld. Mit einem Freizeit- und Gesundheitsmobil fahren haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende in benachteiligte Stadtteile von Mainz, um dort insbesondere Kinder und Jugendliche aufzusuchen, um ihnen Hilfen zur Stabilität ihrer Gesundheit und Stärkung der Persönlichkeit zu geben. „Sie praktizieren Hilfe am Nächsten und gleichzeitig scheuen sie sich nicht, eine Öffentlichkeitsarbeit mit ihren Projekten zu verbinden, die auf den Skandal der Armut in Rheinland-Pfalz hinweist. Sie tun dies mit viel Kreativität, mit sehr viel Leidenschaft und oftmals auch selbstlos. Dies ist sehr bemerkenswert“, sagte Pfarrer Dr. Uwe Becker, Vorstand der Diakonie RWL in seiner Laudatio bei der Preisverleihung.

 

Helmut Simon

Netzwerk von Hilfsangeboten

Der zweite Platz, der mit 3.000 Euro dotierte Preis geht an das Projekt „Trampolin“ des protestantischen Dekanats Bad Bergzabern, in dem sich verschiedene soziale Träger im Gebiet des Dekanats Bad Bergzabern zu einem Netzwerk zusammengeschlossen haben, um somit effizienter zu arbeiten und die Hilfsangebote sichtbarer zu präsentieren. Platz drei, mit 2.000 Euro verbunden, ging an das Dekanat Koblenz im Bistum Trier für eine professionell gestaltete Wanderausstellung, die in Koblenz für das Thema Armut sensibilisieren möchte. Weitere Sonderpreise in Höhe von je 500 Euro erhielten das Projekt zur Förderung der Initiative „arm-alt-allein“ in Kaiserslautern, der CVJM Pirmasens für das Projekt „PACK’S“ und der Studiengang Soziale Arbeit der Fachhochschule Ludwigshafen.

 

Überwindung von Armut

Der mit insgesamt 10.000 Euro dotierte Preis soll ehrenamtliches und professionelles Handeln von Personen, Initiativen oder Institutionen fördern, die sich für die Überwindung von Armut und sozialer Ausgrenzung einsetzen. Er wird von den drei Diakonischen Werken in Rheinland-Pfalz verliehen und ist nach dem ehemaligen Bundesverfassungsrichter Helmut Simon benannt.

 

Simon: „Es geht um die Würde der Menschen“

„Je älter ich werde, je mehr mir selbst an Lebenserfüllung zugefallen ist, desto dünnhäutiger werde ich gegenüber dem Leid dieser Welt und den zahlreichen Beispielen nicht gelingenden Lebens. Ich kann mich nicht abfinden mit einer Politik, welche die Ellenbogenmentalität der Erfolgreichen noch begünstigt und zugleich das soziale Netz weitmaschiger macht“, sagte Helmut Simon, der am Abend der Preisverleihung anwesend war. „Es muss um die Würde von Menschen gehen, die auf Hilfen für ein gelingendes Leben und eine verlässliche Lebensplanung angewiesen sind. Dafür steht dieser Preis, dessen Namensgeber ich gerne geworden bin. Und die Preisträger des Abends geben ein ermutigendes Beispiel für gemeinwohlorientiertes und zukunftsgerichtetes Handeln. Dafür bin ich sehr dankbar“, so Simon weiter.

 

Stichwort: Helmut Simon

Der 1922 geborene Helmut Simon begann im Mai 1953 seine richterliche Tätigkeit am Landgericht in Düsseldorf. Im Jahr 1965 wurde Helmut Simon zum Richter am Bundesgerichtshof gewählt, im Juni 1970 erfolgte die Ernennung zum Richter des Bundesverfassungsgerichts im Ersten Senat. Neben seiner richterlichen Tätigkeit war Helmut Simon in vielerlei Hinsicht gesellschaftlich und kirchlich engagiert. So war er von 1970 bis 1995 Mitglied des Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Als Präsident stand er diesem von 1975 bis 1977 und von 1987 bis 1989 vor. Darüber hinaus war er unter anderem mehrere Jahre lang Deutscher Delegierter für das Antirassismus-Programm des Ökumenischen Rates der Kirchen mit Sitz in Genf.

 

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