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Archiv 2010

10. Juni 2010

Wege aus der Armut werden verbaut

Diakonie und Wohlfahrtspflege Saar kritisieren Sparpläne

Kronenkreuz und Saarschleife

„Wer den Rotstift bei Familien und Erwerbslosen ansetzt, die jetzt schon nicht mit ihrem Einkommen auskommen, verbaut Wege aus der Armut“, kritisiert Wolfgang Biehl, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Saar im Namen der LIGA der freien Wohlfahrtspflege im Saarland die Sparbeschlüsse der Bundesregierung. Sie seien sozial völlig unausgewogen.

Fast die Hälfte der Einsparungen laufe zu Lasten einkommensschwacher Haushalte. „Die Regierung handelt nicht ausgewogen, sondern einseitig auf Kosten der Armen“, sagt der Vertreter der Diakonie, dem derzeit federführenden Verband der LIGA. Der Zusammenschluss der saarländischen Wohlfahrtsverbände kritisiert insbesondere die Streichung des Elterngeldes für langzeitarbeitslose Hartz IV- Empfänger. Hier werde so getan, als benötige diese Zielgruppe das Elterngeld nicht für den Familienaufbau, so Biehl. „Gerade diese Menschen sind darauf angewiesen, da durch Kinder und den Familienaufbau zusätzlichen Kosten entstehen.“ Die LIGA fordert stattdessen, dass zukünftig das Kindergeld Hartz IV Empfängern und Langzeitarbeitslosen ausgezahlt und nicht auf ihre staatliche Unterstützung angerechnet wird.

 

Sparen auf Kosten der Kommunen

Die Streichung des Zuschusses zur Rentenversicherung für Arbeitslosengeld II Empfänger, die dann später weniger Rente erhalten, gehe auf Kosten der Sozialsysteme der Kommunen. „Damit ist jetzt schon der Grundstein für eine Welle von Altersarmut gelegt“, sagt Biehl. Auch die kürzlich im Saarland erschienene Sozialstudie weise auf dieses Problem hin. Genauso falsch seien arbeitsmarktpolitische Maßnahmen wie Weiterbildung und Beschäftigungsförderung nach Kassenlage. "Wenn die Pflichtleistungen für Arbeitslose in Ermessungsleistungen umgewandelt werden, wird das Fördern weiter in den Hintergrund treten", befürchtet Biehl. Langzeitarbeitslose bräuchten aber gezielte Unterstützung, um nicht dauerhaft vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen zu bleiben. „Gerade in einer Wirtschaftskrise muss aktive Arbeitsmarktpolitik betrieben werden, um Wachstum wieder möglich zu machen", sagt der Vertreter der Diakonie.

 

Die LIGA fordert die Bundesregierung auf, das soziale Gleichgewicht herzustellen, und vor allem die Besserverdienenden an der Behebung des Haushaltdefizites zu beteiligen. „Wir stellen uns auf die Seite derjenigen, die eine Korrektur fordern“, sagt Biehl. Die Bundesregierung müsse für Gerechtigkeit sorgen.

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