8. Oktober 2010
Sucht-Selbsthilfe darf nicht zum Lückenbüßer werden
Landesdelegiertenversammlung des Blauen Kreuzes in Marl

Heinz-Günter Grimm (obere Reihe rechts) mit den Mitgliedern des BKE-Landesvorstandes NRW und den beiden Marler Vorsitzenden Jürgen Leskien (obere Reihe 2. von rechts) vom BKE-Verein Marl 1 und Manfred Schelleckes (zweite Reihe - Mitte mit Bart) vom Ortsverein Marl-Hamm.
Die Politik könne nicht erwarten, dass Kürzungen in der Suchhilfe und Schließungen von Beratungsangeboten durch Selbsthilfegruppen aufgefangen werde. Das betonte Seiler, Geschäftsbereichsleiter der Diakonie RWL vor rund 100 Delegierten des Blauen Kreuzes aus NRW.
Der NRW Landesvorstand des Blauen Kreuzes in der Evangelischen Kirche (BKE) traf sich in diesem Jahr mit den Vorsitzenden und Vertretern der Ortsvereine zur Landesdelegiertenversammlung im Versöhnungszentrum in Marl. In verschiedenen Grußworten aus Politik und Kirche wurde auf die Bedeutung der Sucht-Selbsthilfe hingewiesen. Der Marler Pfarrer Jörg Krunke fasst es aus Anlass des Erntedankfestes so zusammen: „Das Blaue Kreuz bietet suchtkranken Hilfesuchenden einen Anker, Freundschaft und ein fürsorgliches Miteinander. BKE-Mitglieder haben in der Kirche zum Erntedankfest einen „Altar der Dankbarkeit“ aufgebaut. Ein BKE-Mitglied der Gemeinde versorgt hilfsbedürftige Menschen mit dem Lebensnotwendigen. Ich danke Ihnen allen. Gottes Segen liegt auf der Arbeit des Blauen Kreuzes“. Auch Marls Bürgermeister Werner Arndt stimmte in die Dankesworte ein, das BKE gebe Hoffnung, aufgenommen zu werden, nicht allein zu sein. Die Präventionsarbeit der Selbsthilfegruppen in Schulen läge ihm besonders am Herzen. Er dankte allen für das starke ehrenamtliche Engagement und wünschte weiterhin viel Kraft, Gutes zu tun.
Selbsthilfe vermittelt Stärke
Ralf Seiler, Geschäftsbereichsleiter „Soziales und Integration“ mit dem Fachbereich Sucht der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe richtete in seinem Grußwort kritische Worte an die Bundes- und Landespolitik. Seiler: „Es ist zu befürchten, dass weitere Kürzungen im Sozialbereich die Schließung von Hilfsangeboten und erneute Verkürzung der Rehabilitationsdauer in Fachkliniken zur Folge haben werde. Offenbar erwartet die Politik, dass die ehrenamtliche Selbsthilfe diese Lücken schließt“. Die Suchtselbsthilfe vermittle Betroffenen und Angehörigen Stärke, um mit Krisen umzugehen und sorge für die Verwirklichung von Freundschaft, Selbstwirksamkeit und Anerkennung, den drei wichtigsten „Lebensmitteln“, die ein Mensch brauche.
Ehrung für den NRW-Landesvorsitzenden, Heinz-Günter Grimm, der seit 10 Jahren dem Landesverband vorsteht durch den Ehrenvorsitzenden des BKE NRW, Walter Beier, und die stellvertretende NRW-Landesvorsitzende, Biggi Sterzer. (Fotos: Blaues Kreuz)
Neue Entwicklungen beim Blauen Kreuz
Diskutiert wurden aktuelle Entwicklungen in der Arbeit des Blauen Kreuzes. Hervorzuheben sind die Aktivitäten zur Suchtprävention in Form von einer verbandseigenen Ausbildung zu Präventionskräften (Schule + Sucht) und die Einbindung von Kindern und Jugendlichen in die Arbeit des Blauen Kreuzes. Außerdem öffnet das BKE sich für weitere Themenfelder. Mehr als 100 Jahre war das Blaue Kreuz ausschließlich auf die Alkoholproblematik ausgerichtet. Mit dem Motto „Nicht nur Blau“ wurde eine Öffnung des BKE auch für andere Süchte angegangen. Das gemeinsam vom BKE-Bundesverband und der Barmer GEK getragene Projekt UPDATE geht in die zweite Phase, in die Praxisphase mit Workshops, um den Umgang mit anderen Suchtformen zu lernen.
Der Vorsitzende Günter Grimm dankte den Krankenkassen und der Karl Heinz und Hannelore Bösken-Diebels-Stiftung für die Unterstützung von Projekten und Maßnahmen und wies auf zwei Neuheiten hin: Zum einen wird die Ausbildung zum Suchtkrankenhelfer um die „Betriebliche Suchtkrankenhilfe“ erweitert. Außerdem wurde erstmalig ein „Männergesprächskreis“ durchgeführt, der fester Bestandteil der Jahresplanung werden soll. Dieser wird 2011 um ein Wochenend-Männerseminar ergänzt, so die Planung.
Wahlen in den Vorstand
Die anstehenden Wahlen wurden zügig durchgeführt: Wiedergewählt wurden: Biggi Sterzer als stellv. Vorsitzende, Karl-Hermann Vagt, Brackwede, als Schatzmeister und Ewald Decker, Lengerich, als Beisitzer. Neu in den Vorstand gewählt wurde als Beisitzerin Henny Schallenberg, Lengerich, Frauenbeauftragte des BKE-Landesverbandes. Marion Ludwig, Gelsenkirchen-Buer, wurde aus dem Vorstand mit einem Präsent und Dankesworten von Günter Grimm verabschiedet. Wolfgang Seeger aus Lengerich ist krankheitsbedingt aus dem Vorstand ausgeschieden und wurde in Abwesenheit gewürdigt.