18. Juni 2010
Familienbildung und Gesundheitsprävention
Mitgliederversammlung der Landesarbeitsgemeinschaft Evangelischer Familienbildungsstätten und -werke im Rheinland

Dr. Nico Dragano
Die gesundheitliche Ungleichheit im frühen Lebensalter war ein Schwerpunkt der Mitgliederversammlung der Landesarbeitsgemeinschaft Evangelischer Familienbildungsstätten und -werke im Rheinland. In den Diskussionen wurde die Bedeutung der Familienbildung für die Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche betont. In einem einführenden Referat beschrieb Dr. Nico Dragano akute und langfristige Risiken für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.
Keine einfache Ursache, aber Handlungsmöglichkeiten
Dr. Dragano, der sich bereits mit anderen Fachleuten zu diesem Thema in einer Expertise zum 13. Kinder- und Jugendbericht geäußert hat, verwies in seinem Vortrag auf die Komplexität in der Entstehung gesundheitlicher Ungleichheit. "Je niedriger die soziale Position der Familien, desto mehr frühe Risiken kumulieren". Eine einfache Ursache gebe es nicht. Das Geschehen sei multifaktoriell und ebenenübergreifend.
Unbestritten sei aber, dass eine Förderung von Kindern und Familien so früh wie möglich erfolgen müsse und über die Stärkung von "resilienzfördernden Ressourcen" wirksam werde. Er bedauert, dass trotz vielfältiger Untersuchungen, Berichte und Aktivitäten u.a. durch die WHO, keine durchgreifenden politischen Konsequenzen gezogen werden.

Ulrich Schmitz
Die Vertreterinnen und Vertreter der Evangelischen Familienbildungsstätten und -werke im Rheinland sicherten zu, im Rahmen ihrer Möglichkeiten Einfluss auf die politischen Entscheidungen zu nehmen, um die sozialen Ungleichheiten bei der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen beseitigen zu helfen.
„Für die Familienbildung ist durch den Vortrag von Herrn Dr. Dragano deutlich geworden, dass jegliche Form von Gesundheitsprävention in der Familienbildung nicht mehr ohne ein Verständnis von Gesundheitspolitik angeboten werden darf. Kurse der Familienbildung können ein Türöffner zur Gesundheitsförderung sein. Dennoch darf die Familienbildung nicht den für das Aufwachsen und Leben von Kindern prägenden Zusammenhang von Armut der Eltern, gesundem Aufwachsen und Bildungsentwicklung aus den Augen verlieren. Vielmehr sind die Forschungsergebnisse von Dr. Nico Dragano eine direkte Aufforderung, gesundheitspolitische Geschehnisse zu beobachten und sich ggf. in Entscheidungen einzumischen.“

Dr. Stefan Drubel und Barbara Montag
Erweiterung des Vorstands
Nach dem öffentlichen Teil der Mitgliederversammlung wurde über eine Satzungsänderung entschieden. Zukünftig gehören als geborene Mitglieder dem Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft Evangelischer Familienbildungsstätten und -werke im Rheinland als Vertreter der Evangelischen Kirche im Rheinland, Herr Dr. Stefan Drubel, sowie die Geschäftsbereichsleitung des Vereins Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, Frau Barbara Montag, an.
Aus dem Vorstand wurde mit einem herzlichen Dankeschön Frau Gabriele Kibat, Leiterin des Evangelischen Familienbildungswerkes der Diakonie im Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann gGmbH verabschiedet. Für Frau Kibat wurde Herr Curt Schulz, Leiter des Evangelischen Familienbildungswerkes in Düsseldorf, neu in den Vorstand gewählt.
Materialien
- Sachverständigenkommission des 13. Kinder- und Jugendberichts (Hrsg.):
- Nico Dragano, Thomas Lampert und Johannes Siegrist: Wie baut sich soziale Ungleichheit im Lebenslauf auf? München 2009 (PDF)
Dokumentation von den Webseiten des Deutschen Jugendinstituts DJI - Weitere Dokumente zum 13. Kinder- und Jugendbericht