21. September 2010
Pflegenoten sind Verbrauchertäuschung
Diakonie RWL fordert eine ehrliche Transparenz in der Altenpflege
Die Diakonie RWL kritisiert erneut scharf das bestehende System der Pflegenoten und Transparenzberichte. Die Pflegenoten erfüllen ihren Zweck nicht. Sie sind methodisch mangelhaft, bieten keine Klarheit und täuschen die Öffentlichkeit. Das System der Pflegenoten muss ausgesetzt und reformiert werden, um eine ehrliche Transparenz zu bieten.
„Das System der Pflegenoten in seiner jetzigen Gestalt führt in die Irre und sollte deshalb ausgesetzt werden“, so die Forderung von Günther Barenhoff, Vorstand der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, bei der Vorstellung der „Diakonischen Zwischenrufe_02: Schaffen Pflegenoten Transparenz?“. In dieser Broschüre zeigt die Diakonie RWL erstmals detailliert auf, wo es Mängel im Benotungssystem gibt und fasst die aktuelle fachliche und juristische Diskussion um die Pflegenoten zusammen. Um eine ehrliche Transparenz im Sinne der zu Pflegenden und deren Angehörigen zu erreichen, bedürfe es einer „Reform an Haupt und Gliedern“ der Transparenzberichte. „Bei diesem Neustart muss im Mittelpunkt stehen, was gute Pflege tatsächlich ausmacht. Denn menschenwürdige Pflege von Alten, Kranken und Behinderten ist uns als Diakonie ein zentrales Anliegen“, so Barenhoff weiter. Er plädiert für eine ehrliche Transparenz statt einer scheinbaren Transparenz.
Pflegenoten nicht nachvollziehbar
Konkret bemängelt die Diakonie RWL, die fast 800 stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen vertritt, dass es in den Transparenzberichten vorrangig um die Bewertung der Dokumentation und Konzeption von Pflege geht und nicht um die tatsächliche Wirksamkeit der Pflege. Außerdem ist die Notenberechnung fragwürdig, erläutert Ulrich Christofczik, Geschäftsbereichsleiter Pflege: „Bei vielen Kriterien im Fragebogen werden ausschließlich die Noten 1 und 5 vergeben – erfüllt oder nicht erfüllt. Daraus dann eine Durchschnittsnote zu berechnen ist unsinnig.“ Für viele Experten, die sich mit dem System der Notenfindung befasst haben, sei es äußerst schwierig, die Notengebung in den Transparenzberichten nachzuvollziehen.
Neustart statt kleine Änderungen
Eindringlich warnt Christofczik davor, das bestehende System mit kurzfristigen Änderungen und Anpassungen aufzuhübschen. Alle Noten nach dem alten Verfahren müssten dann aus den Datenbanken gelöscht und die Einrichtungen neu geprüft werden. „Ein System, das dazu dient, Vergleichbarkeit herzustellen, darf nicht mit Noten arbeiten, die nicht vergleichbar sind.“ Die seriöseste Konsequenz aus den aufgedeckten Mängeln ist die Aussetzung des defizitären Systems der Pflegenoten. Dann könnten alle Beteiligten einen ordentlichen Neustart des Systems der Qualitätsprüfung und Benotung vorbereiten und in der Praxis erproben.
Qualität durch Motivation steigern
Die Diakonie RWL hat auch schon klare Vorstellungen davon, wie ein neues Prüfsystem die Qualität von Pflege nicht nur transparenter machen, sondern auch die Qualität von Pflege gesteigert werden kann: „Gute Qualität in einer komplexen Dienstleistung lässt sich schon aus rein pragmatischen Gründen nicht mit Druck und Kontrolle, sondern vor allem durch Qualifizierung und Motivation herstellen. Sinnvolle Prüfungen sind notwendig, Motivation im pflegerischen Handeln und Reflexion der erzielten Qualität lassen sich dadurch aber nicht erzielen“, heißt es in den „Diakonischen Zwischenrufen_02“.
Weitere Informationen
- Diakonische Zwischenrufe_02
- Schaffen Pflegenoten Transparenz? (als pdf-Datei)
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