19. Mai 2011
Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist
Nachdenken über Ethik und Moral in einem diakonischen Unternehmen

"Es ist dir gesagt, Mensch was gut ist ..."(Micha 6,8): Unter diesem Motto stand eine Fachtagung der Rheinischen Gesellschaft für Innere Mission und Hilfswerk am 12. Mai in Leichlingen. Die Veranstaltung verstand sich als "Tag der Unterbrechung, des gemeinsamen Ringens und Innehaltens, des Dialogs über Ethik in einem diakonischen Unternehmen", so Jochen Obermann, Geschäftsführer der Rheinischen Gesellschaft für Innere Mission und Hilfswerk in seiner Begrüßung.
Anlaß
Anlaß für die Veranstaltung waren gleich mehrere Jubiläen: "30 Jahre Fachseminar für die Altenpflege ´Hasensprungmühle´, "5 Jahre Diakoniezentrum ´Hasensprungmühle´", Sitz der Geschäftsstelle und "5 Jahre Altenzentrum ´Hasensprungmühle´".
Um ein Innehalten und Durchatmen zu ermöglichen, wurden als Gesprächspartner Professor Dr. Reimer Gronemeyer, Evangelischer Theologe und Soziologe, und Professor Dr. Andreas Heller, katholischer Theologe und Soziologe, von der Rheinischen Gesellschaft eingeladen.
Die Michafrage
Die beiden Professoren stellten dar, dass die "Michafrage", "was ist richtig?", "was ist die Wahrheit?" in den Komplexitäten und Beschleunigungen unserer Gesellschaft nicht so einfach zu beantworten seien. Bis zum Mittelalter noch habe die Massgabe gegolten, dass "man nur die Sinne öffnen müsse, dann weiß man auch was gut ist" - Moral galt als erkennbar, als spürbar und somit auch im eigenen Leben als unmittelbar umsetzbar. Spätestens seit Kant beständen diese Gewissheiten so nicht mehr. Eine Welt der Beschleunigungen und Flexibilisierungen erfordere nun den "homo flexibilis", den modernen Menschen, für den Bindungen in seiner Berufs- und Lebensgestaltung sogar gefährlich werden könnten. Die moralische Frage werde oftmals in technische Lösungen umgesetzt oder in sogenannte Expertengruppen und Komissionen abdeligiert. Soziale Selbstverständlichkeiten seien den Menschen so entglitten.
Orte der gemeinsamen Entschleunigung
In der Diskussion wurde deutlich, dass wir dringend Orte der Entschleunigung und der Unterbrechung brauchen, die im Unterschied zu dem normalen Alltag stehen. Orte in denen ein "ethisches Ringen" stattfinden darf, unter Einbeziehung der Beteiligten und Betroffenen. Die Kriterien der Betroffenheit können dabei ernst genommen werden, Gefühle können Raum bekommen. In all den Unsicherheiten der vorfindlichen Wirklichkeit, in all den Unüberschaubarkeiten, könnten "Formen geteilter Unsicherheiten" einen gemeinsamer Prozess des Ringens einleiten: "Ein gemeinsames Ringen um die Fragen des ´Guten´, der Moral, des Lebens, des Sterbens, des Todes...". Zugrundezulegen sei dabei die Annahme, "dass wir alle Experten sind in der Frage ´wie wollen wir leben?" und ´was ist gut für uns?´". Diese Verantwortung brauche Dialog und könne nicht abdeligiert werden.
Linkhinweise
- Webseiten der Rheinischen Gesellschaft für Innere Mission und Hilfswerk GmbH
- www.rg-diakonie.de