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Archiv 2011

9. Juni 2011

Von der diakonischen Beschäftigungsgesellschaft zum Fairholder Value Unternehmen?

Fachverband "FABI" diskutiert die Zukunft der öffentlich geförderten Beschäftigung

Michael Stelzner, Vorsitzender des Fachverbands "FABI" und Ursula Gröning, Referentin bei der Diakonie RWL, präsentieren das Konzept "Fairholder Value"

Die Zukunft der öffentlich geförderten Beschäftigung war das zentrale Thema auf der Mitgliederversammlung und Fachtagung des Fachverbands für berufliche und soziale Integration in der Diakonie RWL (FABI). Zustimmung für Konzepte des Fachverbands gab es aus Wissenschaft und Politik.

 

Konzepte von Diakonie RWL und FABI

Die Diakonie RWL und der Fachverband FABI haben in den letzten Monaten mit verschiedenen Positionspapieren gegen die drastischen Sparmaßnahmen in der Beschäftigungsförderung gewandt und eigene Konzepte zur Beschäftigungsförderung vorgelegt. Dazu gehört die Idee des Fairholder Value Unternehmens, in denen Langzeitarbeitslosen mit Vermittlungshindernissen öffentlich geförderte, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze angeboten werden. Ziel dieser Unternehmen ist die Schaffung und nachhaltige Sicherung von Arbeitsplätzen, die mindestens zu einem Drittel von vormals langzeitarbeitslosen Menschen besetzt werden, die voraussichtlich dauerhaft vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind. Die Tätigkeiten sollen arbeitsmarktnah gestaltet sein und damit frei vom Anspruch der "Zusätzlichkeit". Einsparungen im ALG-II würden nach Überzeugung des Fachverbands die aktive Beschäftigungsförderung finanzierbar machen ("Aktiv-Passiv-Transfer", PAT): Finanzielle Mittel, die in den Haushalten der Grundsicherungsträger für Arbeitslosengeld II-Empfänger vorgesehen sind, werden in Mittel zur aktiven Unterstützung für erwerbslose Menschen umgewandelt.

 

Unterstützung aus Wissenschaft und Landespolitik

Diese Sichtweise wurde von dem Koblenzer Volkswirtschaftler, Prof. Dr. Stefan Sell, nachdrücklich unterstützt. Mit "Sozialfirmen" bzw. dem "Fairholder Value Konzept" könnten Arbeitsplätze geschaffen werden, "die ansonsten wegrationalisiert oder in Billiglohnländer ausgelagert werden". In marktnahen Bereichen könne volkswirtschaftlich gesehen eine zusätzliche Wertschöpfung generiert werden, die dem Finanzierungsaufwand bilanziell gegenübergestellt werden müsste. Sell lobte in diesem Zusammenhang das Papier des Diakonie-Bundesverbands "Gerechte Teilhabe an Arbeit" vom Dezember 2010.

Unterstützung für die Ideen des FABI Fachverbandes gab es auch von Günther Garbrecht aus der SPD NRW Landtagsfraktion und Martina Maassen von der Grünen Landtagsfraktion. Die Konzepte fanden in den Regierungsfraktionen in NRW positiven Wiederhall. Kar Schiewerling, der Arbeitsmarktpolitische Sprecher der CDU Bundestagsfraktion, verteidigte die Sparmaßnahmen in der Bundesregiertung.

 

Dokumente und Materialien

Bewertung von Diakonie-Positionen durch Prof. Dr. Stefan Sell
Der Vortrag von Prof. Dr. Stefan Sell beim Fabi-Fachtag basierte auf einer Bewertung zu einer Positionierung der Diakonie vom Dezember 2010
Diakonische Position zur aktuellen Arbeitsmarktpolitik - Was ist davon zu halten?
Positionierung der Diakonie vom Dezember 2010
Gerechte Teilhabe an Arbeit: Diakonische Position zur aktuellen Arbeitsmarktpolitik
Positionspapier von Diakonie RWL und FABI
Positionspapier gegen Kahlschlag in der Arbeitslosenförderung
Konzept zum Passiv-Aktiv-Transfer (PAT)
Modell "Passiv-Aktiv-Transfer (PAT)"

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