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3. August 2011

Jedes Wetter hat seine Tücken

Wohnungslosenhilfe hat das ganze Jahr geöffnet

Foto: Fotolia

"Wer grölt denn da so?" Die Frage steht plötzlich im Raum, nein auf der Wiese - und niemand will sie beantworten. Die Familie steht auf dem öffentlichen Grillplatz wie viele andere auch um einen mitgebrachten Grill und wartet darauf, dass die Würstchen gar sind. Der älteste Mann in der Gruppe verzieht das Gesicht - wahrscheinlich denkt er, "Das sind die Männer dort hinten, die ungewaschenen mit dem vielen Bier". Doch dann folgt er dem Blick seiner Frau und entdeckt das streitende und heftig gestikulierende Paar am Nachbargrill...

 

Eine ausgedachte Geschichte und zugegeben sehr plakativ. Aber: Es ist Sommer, tolles warmes Wetter - es drängt die Menschen nach draußen. Aber, es ist auch "Kreislaufwetter", weil manchmal die Temperaturunterschiede sehr krass sind. Ältere wie junge Menschen haben jetzt schon mal Probleme mit dem Kreislauf, mit dem Herzen. "Menschen, die auf der Straße wohnen, bleiben davon genauso wenig verschont, wie alle anderen", gibt Jan Orlt, Geschäftsführer des Westfälischen Herbergsverbandes (WHV), zu bedenken.

Hier in Deutschland sind wir zwar nicht im "sonnigen Süden", aber die echten Sommertage der vergangenen Jahre waren heißer als noch vor zehn oder 15 Jahren. Mit dem warmen Wetter werden Wohnungslose wieder sichtbar in den Straßen und auf öffentlichen Plätzen. Dort machen sie, was alle anderen auch tun. Aber, erkennbar an ihrem Äußeren, werden sie dafür schon mal verurteilt. Wird über ihr Verhalten die Nase gerümpft, bei vermeintlichem Fehlverhalten schneller die Polizei oder das Ordnungsamt gerufen.

Im Sommer dreht man ihnen schneller den Rücken zu als im Winter, das ist die Erfahrung der Wohnungslosenhilfe. "Eine Hamburger Studie stellte 2006 fest, dass im Sommer fast genau so viel wohnungslose Menschen im öffentlichen Raum sterben wie im Winter", erläutert Jan Orlt. Bei Hitze werden alle Menschen unvorsichtig - die einen bekommen einen Sonnenbrand, die anderen einen Hitzschlag, einen Herzinfarkt, einen Kreislaufkollaps. Im Winter suchen Mitarbeitende der Wohnungslosenhilfe ihre Klienten an den bekannten Orten auf und holen sie in die Notunterkünfte. Und im Sommer?

"Wir helfen immer, das ganze Jahr hindurch", macht der WHV-Geschäftsführer deutlich. Die Wohnungslosenhilfe bietet im Sommer wie im Winter "Schutz vor der Unbill des Alltags und des Wetters, so Orlt weiter. Der medizinische Dienst arbeitet immer. Die Beratungsstellen und Aufenthaltsräume haben immer geöffnet und bieten im Winter Schutz vor Schnee und Kälte, im Sommer vor der Sonne und der Hitze – denn "jedes Wetter hat seine Tücken".

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