9. Juni 2011
Geschlossene Unterbringung für Suchtkranke
Neues Projekt des Diakonischen Werkes Dortmund

Foto: Brinkmann, Hartwig Sabacinski an der Schließanlage zur WG
Hilfe für Suchtkranke kann sehr unterschiedlich aussehen: Wenn durch Beratungs- und Unterstützungsangebote der "Drehtüreffekt" von Rückfällen und Klinikeinweisungen nicht mehr zu durchbrechen ist, hilft einigen Abhängigen die geschlossene Unterbringung in einer Wohngruppe. Das Diakonische Werk Dortmund hat in einem neuen Projekt die geschlossene Wohngruppe erprobt. "Bei der geschlossenen Unterbringung Suchtkranker denkt man zunächst an Arrest, aber manche Abhängige schaffen es nur unter solchen engen aber gleichzeitig individuell angepassten Rahmenbedingungen mit dem Trinken aufzuhören. Dabei kommt es besonders auch auf die zugewandte Haltung der Mitarbeitenden an", so Ralph Seiler, Geschäftsbereichsleiter bei der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe.
"Sonst wäre ich tot" Wohngruppe als geschlossene Unterbringung
"Mit Händen und Füßen habe ich mich gewehrt. Geschlossene Unterbringung klang für mich nach Gefängnis." Dann habe er gemerkt, dass seine Wohngruppe im Ludwig-Steil-Haus kein Knast sei, sondern eine Chance, vom Alkohol loszukommen, sagt Thomas Hoycke.
Mittlerweile lässt der 50-Jährige die Finger von der Flasche. Er will die Suche nach einer Wohnung in Angriff nehmen, und wenn er seine Freundin besucht, bleibt er trocken. In der geschlossenen Wohngruppe fühlt er sich "gut aufgehoben.
"Geschlossene Unterbringung Suchtkranker", das klingt schon ein wenig nach verschärftem Arrest. In Wirklichkeit ist dieses neue Projekt offener und toleranter, als man denkt. Wenn die WG-Bewohner das Vertrauen der Diakonie-Mitarbeiter rechtfertigen, werden Schlüssel ausgegeben, mit denen sie den gesicherten Bereich im Erdgeschoss des Hauses verlassen können.
"Wir können die WG geschlossen führen oder offen, je nach Bedarf", erklärt Hartwig Sabacinski vom Ludwig-Steil-Haus. "Momentan haben wir fünf Bewohner. Drei sind stabil und abstinent, aber wegen der Neulinge führen wir die Gruppe gerade geschlossen. Was nicht heißt, dass die drei nicht ihren Schlüssel hätten." Das Modell sei ein flexibles System. Passiere ein Rückfall, drohe jemand zu entweichen, wechsle man in den anderen Modus, ziehe, wenn nötig, Schlüssel wieder ein.
Richterliche Anordnung
Wer auf richterliche Anordnung geschlossen untergebracht wird, ist drauf und dran, sich durch seine Sucht ums Leben zu bringen. Marc Beyer (37) hat diesen Beschluss aktiv eingefordert: "Ich brauchte das, sonst wäre ich tot. Noch in der Entgiftung habe ich gepichelt." Thomas Hoicke nennt sich einen "Drehtür-Alkoholiker": "Raus aus der Klinik, rein in die Klinik." Beide konnten erst unter Aufsicht mit dem Trinken aufhören. Gruppendynamik unter den Bewohnern sei eine starke Motivation, nüchtern zu bleiben, hat Hartwig Sabacinski beobachtet. Zusätzlich zu baulichen Maßnahmen (Schließanlage, Fenstersicherung) hat sein Haus das Personal aufgestockt. Neben speziellen Angeboten nehmen die Fünf der geschlossenen Gruppe an allen Aktivitäten im Ludwig-Steil-Haus teil: Ergotherapie, Küchengruppe, Gartenarbeit und mehr. Das Projekt "geschlossene Unterbringung" laufe gut, so Hartwig Sabacinski: "Die Leute stabilisieren sich und fassen Mut, Abstinenzphasen werden deutlich länger." KUB
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